Was ich gelernt habe – Erkenntnisse aus 2016

Was ich gelernt habe – Erkenntnisse aus 2016

Ich glaube 2016 war mein mit Abstand ereignisreichstes Jahr. Mehr Höhen und Tiefen gab es bis dahin noch nie und im Nachhinein betrachtet hat mich kein Jahr weiter gebracht als dieses. Persönlich, beruflich und privat. Ein paar der Erkenntnisse möchte ich mit euch teilen und dabei fragen:

Was habt ihr 2016 gelernt?

1. Unbedingt aufs Bauchgefühl hören

Wenn man bei etwas Bauchschmerzen hat – sei es eine Beziehung, ein Job oder eine Situation, dann tappt man oft in die Falle zu hoffen, dass doch noch alles anders und besser wird. Dann ignoriert man sein Bauchgefühl aus Angst oder Bequemlichkeit und hat letztendlich den Salat. Das soll nicht heißen, dass es keine Dinge gibt, für die es sich lohnt die Zähne zusammen zu beißen und daran zu arbeiten – aber wenn man eigentlich schon weiß, dass es keine Zukunft für etwas gibt, dann ist das Bauchgefühl ein guter Indikator dafür, was zu tun ist. Diese Lektion habe ich 2016 auf die harte Tour lernen müssen und habe mir danach lange Gedanken darüber gemacht, wieso ich so oft nicht auf mein Bauchgefühl gehört habe. Letztendlich hat es sich nämlich bis jetzt immer als richtig herausgestellt.

2. Man kann immer was ändern

Aber selbst wenn man feststellt, dass man metaphorisch in der Scheiße steckt (oh kommt schon, der Blog heißt „verdammt“ charmant – ich darf auch scheiße sagen. Scheiße.), kann man immer etwas ändern. Das war eine Erkenntnis, die mir richtig viel Antrieb gegeben hat. Ab Mitte des Jahres tauchte in meinem Kopf ein kleiner Kämpfer auf, der nach Vorne geschaut hat, statt jammernd zurück zu blicken. So konnte ich dann die Bauchschmerzen verursachenden Umstände in meinem Leben endlich angehen – und etwas ändern. Auch das war nicht immer leicht und die ersten „juhu es geht weiter!“ Erfahrungen wurden dann direkt wieder von ein paar Dämpfern begleitet. Aber letztendlich ging es voran und das war die Hauptsache. Glaubt mir wenn ich sage, dass man wirklich IMMER etwas ändern kann und es Situationen gibt die so scheußlich sind, dass eine Veränderung, egal wo hin, schon eine Verbesserung bedeutet. Es muss auch gar nicht immer etwas Großes sein, das sich ändert. Kleine Babyschritte sind auch schon ein Anfang – und können die Welt bedeuten.

3. Niederlagen sind Möglichkeiten

Dass es sich trotzdem nicht immer direkt toll anfühlt, etwas zu verändern, habe ich auch gelernt. Denn selbst wenn es vorwärts geht, kann man sich für seine Vergangenheit wie ein Versager fühlen.
Das hat damals nicht funktioniert.
Hier habe ich alles falsch gemacht.
Wie konnte mir das nur passieren?

Dabei sollte man nie vergessen: Niederlagen sind tatsächlich Möglichkeiten. In einigen Punkten hieß es damals für mich, in den sauren Apfel beißen zu müssen. Ich musste einen ganzen Haufen Geld in die Hand nehmen, um überhaupt wieder an den Ausgangspunkt zu kommen, an dem ich war, bevor ich die Veränderungen angegangen bin. Das tat meinem Konto und mir schon ziemlich weh, aber war letztendlich das Beste, was ich hätte machen können. Was damals nicht funktioniert hat, kann ich nun auf andere Weise angehen und schauen, wo es mich hinführt. Mein Startpunkt ist jetzt ein Neuer und mein Ergebnis kann es auch sein. Nicht nur, dass ich nach einem Fehlversuch noch einmal von Vorne anfangen kann: Ich habe mittlerweile auch dazu gelernt. Die Niederlage gibt mir neue Erkenntnisse, Impulse und letztendlich Möglichkeiten mit auf den Weg.

4. Ziele sind wichtig

An dem Punkt angekommen, an dem man voller Tatendrang ist, wird es aber höchste Zeit sich eins zu überlegen: Wohin solls eigentlich gehen? Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich etwas niedergeschlagen mit meiner besten Freundin ein Gespräch über Zukunftspläne geführt habe. Die wirklich erschütternde Erkenntnis war: So wirklich hatte ich keine. Natürlich gab es da schon immer ein „es wäre schön, wenn…“ in meinem Hinterkopf, aber das habe ich mich nicht einmal getraut mir selber einzugestehen. So kam es, dass ich mich auf meine vier Buchstaben setzen und ernsthaft überlegen musste, was das Ziel ist. Ohne Ziel nämlich keinen Plan und ohne Plan bringt einem auch der größte Tatendrang gar nichts.
In Berücksichtigung des Vorsatzes mehr auf mein Bauchgefühl zu hören, musste ich dann doch meinem lang gehüteten, kleinen Stimmchen im Kopf nachgeben und mir selber eingestehen, dass es da sehr wohl ein Ziel für die Zukunft gibt. Was zwar kein Zuckerschlecken wird, aber für das es sich lohnen würde, etwas zu tun. Und sobald das Ziel steht, kann man auch an die Planung gehen – und das ist ein wirklich gutes Gefühl.

5. Man muss sich selber hinterfragen

Gut, das Ziel steht fest, die Energie ist da und schon kann es losgehen? Nicht ganz. Ich bin bestimmt nicht die Einzige, die sich selber gerne Steine in den Weg legt. Seien es schlechte Angewohnheiten, mangelndes Selbstvertrauen oder falsche Ressourcenverteilung: Niemand kann sofort und perfekt einen bestehenden Plan in die Tat umsetzen. Damit man es letztendlich hinbekommt, muss man sich erst einmal selber hinterfragen – und zwar bei jeder Gelegenheit. Besonders spannend sind in diesem Zusammenhang Bücher wie Leben im Jetzt, das ich erst kürzlich hier rezensierte. Nur wenn man sich aktiv mit sich selber beschäftigt, kann man nämlich auch die Steine erkennen, die einem im Weg liegen.

6. Seine Fehler zu kennen ist gut

Es mag unangenehm sein, den Finger in die Wunde der eigenen Fehler zu legen. Immerhin macht man sich deutlich klar, was man alles NICHT kann und wo man sich selber im Wege steht. Kein Wunder also, dass man das für gewöhnlich lieber ignoriert und auf Ausweichmechanismen zurück greift. Bei mir persönlich ist ein ganz großes Manko zum Beispiel, dass ich absolut nicht gut mit Menschen kann. Von Natur aus bin ich sowieso schon extrem introvertiert und mit fremden Leuten oder unbekannten Situationen konfrontiert, erlebe ich regelmäßig meinen persönlichen Alptraum. Statt Smalltalk ist bei mir eher eisiges Schweigen angesagt. Statt auf Menschen zu zu gehen, tendiere ich dazu, mich still und heimlich alleine in einer Ecke aufzuhalten und mich lieber mit mir selber zu beschäftigen. Das ist auf den ersten Blick schade und auf den zweiten absolut fatal. Und ein Fehler, den ich gerne ignoriere weil es eben einfacher ist. Dabei ist es schon einmal richtig gut, seine Fehler zu kennen (und sich einzugestehen), denn nur so kann man an ihnen arbeiten.

7. Man kann alles lernen

Und tröstlich ist dabei doch zu wissen, dass man wirklich immer einfach alles lernen kann. Auch Smalltalk. Oder Chinesisch. Oder einen Kopfstand, wenn man das denn wollte. Denn dafür leben wir ja glücklicherweise im 21. Jahrhundert in der westlichen Welt und haben praktisch unbegrenzte Ressourcen zur Verfügung: Büchereien, Google Docs, Podcasts, Apps, Dokumentationen, Blogs und Kurse. Es gibt nichts, zu dem man nicht irgendwo Experten findet, die einem (meistens sogar kostenlos) Tipps geben und weiterhelfen können. Es reicht schon sich bisweilen die Möglichkeiten bewusst zu machen, um völlig geflasht und neu motiviert zu sein.

8. Auszeiten sind keine verlorene Zeit

Das mit der Motivation ist dann zwar eine tolle Sache, kann aber auch zum Problem werden. Ich selber neige dazu, wirklich alles und am besten jetzt auf einmal machen zu wollen. Wenn einmal ein Plan steht, kann ich ihn gar nicht schnell genug in die Tat umsetzen. Dass das auf Dauer aber ziemlich auslaugt, ist auch klar. Daher musste ich 2016 (und bin auch 2017 noch dabei) erst einmal lernen, dass Auszeiten absolut essentiell sind. Nach 2 Wochen vollem Programm ist ein Tag auf dem Sofa keine verschwendete Zeit, sondern das Aufladen des Akkus, damit es die nächsten zwei Wochen weiter gehen kann. Ohne die Pause wird nämlich alles Folgende nicht mehr gut. Und das nützt einem weniger, als wenn man einen Tag lang völlig raus ist.
Wie gesagt eine Erkenntnis aus 2016, an der ich aber 2017 selber noch arbeiten muss. Das schlechte Gewissen ist dann nämlich trotzdem noch da – genau wie die innere Unruhe, weil man ja doch „noch so viel zu tun“ hat und „doch wenigstens eben… könnte“. Nein. Manchmal muss man auch einfach nichts können.

was ich gelernt habe

Picture by Adam James

9. Um die Ecke wartet die Welt

Mir ist 2016 eins bewusst geworden: Der eigene Horizont ist niemals der echte Horizont. Immer, wenn ich dachte alle meine Möglichkeiten zu kennen, tauchten doch wieder neue auf. Ergaben sich andere Perspektiven, bisher ungeahnte Wege und ungedachte Ideen. Es gibt keine Sackgassen, sondern nur Ecken, um die man einfach nur zu gehen braucht. Zugegeben muss man sich manchmal um die Ecke schleppen – oder sogar kriechen – aber danach gibt es wieder etwas zu entdecken. Und das kann ein ganzer, neuer Horizont sein.
(Oh ich glaube das war jetzt definitiv der kryptischte meiner Texte hier. Aber hey, ihr braucht auch mal etwas zum Selberdenken. Ich erhöhe sogar noch um ein kryptisches „Manchmal muss man eben eine Einbahnstraße falsch herum hochlaufen.“ Ha! Jetzt seid ihr beeindruckt, oder? Nein? Nagut, ich auch nicht.)

10. Karma is no bitch

Karma is a bitch? Ihr habt immer nur Pech? Nö. Dachte ich nämlich auch und dann kam es doch ganz anders. Wie schon festgestellt, kann man einfach super viel selber in die Hand nehmen und im Nachhinein vielleicht fasziniert feststellen, wie eine winzige Veränderung etwas ganz Großes bewirkt hat. Und manchmal hat man auch einfach einen Funken Glück, wenn man am wenigsten damit rechnet. Dann meldet man sich vielleicht in einer App an, von der man nichts erwartet und bekommt plötzlich etwas, von dem man sich alles wünscht. Karma is eben no bitch.
(Disst für diesen denglischen Satz gerne. Ich schäme mich auch schon.)

5 Comments
  • Jasmin
    Posted at 21:03h, 23 Januar Antworten

    Das hast du wirklich toll geschrieben.
    Und man sollte wirklich auf sein Bauchgefühl hören, hab da auch schon negative Erfahrungen gemacht.

    Lg Jasmin

  • Tamara
    Posted at 15:31h, 24 Januar Antworten

    Toller Post. Du sprichst viel wahres an.
    Vor allem aber seine Fehler kennen und auch bereit sein, seine Feler vor anderen einzugestehen. Ehrlichkeit kommt meistens am besten und denen, denen dass nicht passt kann man es ohnehin niemals recht machen.
    Einfach so sein wie man ist.
    Dazu gibt es einen passenden Spruch, ich weiß nur nicht ob ich ihn noch auf die Kette bekomme. Irgendwie so:
    Mutige Menschen können sein wer sie wollen, aber nur die mutigstens können so sein wie sie sind.
    Ich hoffe du verstehst was ich meine :-)
    Liebe Grüße
    Tama <3

  • Tina
    Posted at 17:12h, 24 Januar Antworten

    Ich mag diese Art von Rückblick, wenn auch mal erwähnt wird, was man so unterm Jahr dazu gelernt hat. Der Punkt „Niederlagen sind Möglichkeiten“ gefällt mir besonders gut. Sehr schön geschrieben ;)

    LG, Tina

  • Petra Kirschblüte
    Posted at 19:59h, 24 Januar Antworten

    WOW – wirklich super geschrieben. Einige Erkenntnisse teile ich mit dir ^^
    Auf ein schönes 2017!!
    LG Petra
    http://www.kirschbluetenblog.at

  • CHRISTINA KEY
    Posted at 07:55h, 26 Januar Antworten

    Toller Beitrag und sehr wahre Worte! :) Vor allem kann man Niederlagen
    positiv nutzen. Auf ein gutes, neues Jahr voller Möglichkeiten! :)

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

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