Rezension: Wort für Wort

Rezension: Wort für Wort

Wort für Wort oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben von Elizabeth George
352 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442416646
12,00€

Übersicht


Elizabeth George ist seit 1988 erfolgreiche Thrillerautorin und bekam für ihre Werke unter Anderem den Anthony Award und den Agatha Award (1989). In diesem Jahr wagte sie sich dann erstmals von ihren englischen Polizeigeschichten weg und hin zur Jugendliteratur: der Mystery-Thriller „Whisper Island“ ist immerhin bei Amazon.de auf dem Bestseller-Rang 600 innerhalb der Bücher. Deshalb lag es nahe, dass sie ihre erfahrungen als Schriftstellerin festhielt und im Jahr 2004 einen Schreibratgeber herausbrachte, der seinen Lesern „Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben“ näher bringen sollte. Damit ist sie übrigens nicht alleine – auch Schiftstellerkollegen wie James N. Frey und Mario Vargas Llosa haben schon erfolgreich ihren Erfolg vermarktet.

Das Buch


Nun, was habe ich mir von dem Buch erhofft? Im Prinzip keine Schritt-für-Schritt Anleitung zum Schreiben aber doch Hilfestellungen, welche die Techniken, die Planung und die Umsetzung betreffen. Tatsächlich schafft Elizabeth George das (abgesehe von kleineren Mängeln) ziemlich gut!

Recht übersichtlich sind die Kapitel in fünf große Bereiche angeordnet:
1. Ein Überblick über das Handwerk
2. Die Grundlagen
3. Technik
4. Arbeitsverfahren
5. Beispiele und Anleitung

Dabei fand ich ihre selbst gewählte Reihenfolge der Kapitel ganz interessant. Unter „Ein Überblick über das Handwerk“ betont sie eigentlich immer wieder, wie wichtig die Charaktere sind und erläutert haargenau, warum. Bisweilen fand ich ihre Ausführungen etwas zu langatmig. Es ist an sich sehr gut und erleichtert das Verständnis, dass sie zu praktisch allem, was sie erwähnt, auch Beispiele bringt. Das sind teilweise Beispiele aus ihren eigenen Büchern und teilweise aus den Werken anderer Autoren. Was mich dabei aber nach einiger Zeit sehr gestört hat war, dass diese Beispiele oft mehrere Seiten lange Texte sind obwohl viel kleinere Ausschnitte oft gereicht hätten. Besonders, wenn sie „zur Verdeutlichung“ zu einer Technik gleich zwei Texte zitiert, ist das ermüdend.
Als noch einmal sehr aufschlussreich empfand ich allerdings den Schluss, die „Beispiele und Anleitungen“, in denen sie nicht davor zurückschreckt tatsächlich Abhaklisten für die Frage, wie man einen Roman schreibt, zu erstellen. Das ist meiner Meinung nach recht mutig, soll aber natürlich nicht als 1:1-Anleitung übernommen werden und kann, wenn man es locker sieht, eine sehr gute Gedächtnisstütze beim Schaffensprozess sein.
Wieder schwierig fand ich den Abschnitt des letzten Teils, in dem sie viel zu lange darüber ausschweift, wie sie Fotografien von ihren Schauplätzen macht und die Fotos dann beschreibt. Zitate der Textstellen aus ihren Büchern, in denen man dann die Beschreibungen findet, sind hier meiner Meinung nach auch nicht nötig. Als Leser versteht man wohl sofort wenn sie sagt, dass sie das Foto einfach beschrieben hat und braucht dafür kaum Beispiele.

Insgesamt war ich dennoch positiv überrascht. Wenn man davon absieht, dass manche Passagen sich aufgrund der überlangen Beispiele sehr ziehen, ist dieser Schreibratgeber durchaus gut und interessant geschrieben und (das ist wohl das Wichtigste) gibt ganz gute Tipps!
Ich kann jetzt natürlich nur von mir sprechen, aber ich denke beinahe, dass jeder (Hobby)Autor, der viel liest, die meisten der beschriebenen Techniken und Arbeitsverfahren kennen wird. Allerdings ist einem das nicht immer bewusst und Elizabeth Georges Ausführungen können einem schön zeigen, wo man noch Schwächen hat oder seine eigene Technik verbessern kann. Allen, die keine ganz blutigen Anfänger mehr sind, hilft „Wort für Wort“ weiter noch einmal auf die eigenen Fehler und Wissenslücken zu achten, Anfängern hingegen bietet er einen netten Einstieg und eine Übersicht über das Handwerk eines Schriftstellers.

In Sternen: 3/5

3 Comments
  • Bücherphilosophin
    Posted at 16:30h, 20 Dezember Antworten

    Das Buch hab ich mir bei amazon auch schon mal angeguckt. Oft sind diese Ratgeber nur Geldmacherei. Deshalb hab ich noch nicht zugegriffen.
    Ein guter ist auch Stephen King – On Writing (schließlich hat der Mann damit Erfolg, wird also wissen worüber er redet).
    LG, Katarina :)

  • Steffi
    Posted at 18:24h, 23 Dezember Antworten

    Scheint ja ein wirklich interessanter Ansatz zu sein. Momentan habe ich allerdings keinen Bedarf für so etwas. ;-P

  • Stefanie
    Posted at 10:17h, 27 Juli Antworten

    Habe das Buch von einer Freundin geschenkt bekommen und es gerade zuende gelesen. Hat mir super gefallen und ich werde einige der Tipps von George für mein eigenes Schreiben übernehmen. Besonders interessant fand ich, wie detailliert sie ihre Figuren entwirft: http://www.leselink.de/uebers-schreiben/buecher-schreiben/literarische-figuren-entwerfen.html

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