Rezension: Wish u were dead

Rezension: Wish u were dead

Manchmal sollte man sich genau überlegen, was man sich wünscht…

An-G-kozzt ist ein ganz normales Mädchen an einer amerikanischen Highschool mit ganz normalen Problemen: sie wird gemobbt. Unter den Blicken der „coolen Clique“ fühlt sie sich drangsaliert und beschließt ihre Wut online in einem Blog nieder zu schreiben. Mit jedem ihrer Einträge wird ihre Wut auf bestimmte Mitschüler deutlicher und zuletzt nennt sie sogar drei namentlich und wünscht ihnen den Tod.

Zur selben Zeit im „realen Leben“ hat Madison ganz andere Probleme: sie ist verliebt in den neuen Mitschüler Tyler und traut sich nicht ihn anzusprechen. Obwohl sie zu den beliebten Schülern gehört, hilft sie gerne bei einer Organisation mit und fährt an Wochenenden betrunkene Jugendliche sicher nach Hause. So kommt es, dass sie zusammen mit Tyler Dienst hat als Lucy Cunningham darum bittet von einer Party abgeholt zu werden. Das überhebliche Mädchen aus der Clique der „Highschool-Stars“ hatte Streit mit ihrem Freund und lässt ihre üble Laune an den beiden Fahrern aus. Madison möchte der Diva eins auswischen und fährt allzu schnell weg nachdem sie Lucy nach Hause gebracht hat – ohne zu warten ob das Mädchen auch ins Haus geht, wie es eigentlich Vorschrift wäre.
Am nächsten Tag ist Lucy verschwunden.

Zunächst wird noch halb im Spaß darüber spekuliert ob Lucy von zu Hause abgehauen sei, doch nach einer Woche verschwindet ein weiteres Mitglied der beliebten Schüler und Panik bricht aus. Madison hat Angst um sich und ihre Freunde und versteht genauso wenig, was in dem sonst so ruhigen Vorort Soundview gerade passiert, wie alle anderen auch. Doch Tyler scheint ihr etwas zu verheimlichen… ob er weiß was mit den spurlos Verschwundenen passiert ist?

Die Thematik des Buches fand ich äußerst spannend. Gerade, wo heutzutage die Blogs wie Pilze aus dem Boden sprießen, ist dieses „was-wäre-wenn?“-Szenario aktuell und erschreckend.
Aufgebaut ist die Geschichte aus 3 verschiedenen Perspektiven: zum Einen sind immer mal wieder Blogeinträge von „an-G-kozzt“ zu lesen, dann (und das ist der Hauptteil des Buches) wird aus der Sicht von Madison berichtet und schließlich auch kurze Passagen aus der Sicht des Psychopathen und Entführers der Schüler. Was die Blogeinträge angeht, hatte ich zuvor ein wenig Angst, dass es hier mit der Jugendsprache oder Umgangssprache übertrieben wird… aber es hält sich in Grenzen. Zumal diese Einträge auch nur einen kleinen Teil des Buches ausmachen, stören sie nicht weiter.
Der Rest des Textes lässt sich ebenfalls flüssig und spannend lesen – so wie man es von Todd Strasser (Morton Rhue) gewöhnt ist.

Etwas irreführend fand ich die Kurzbeschreibung eines großen Online-Buchversandes, in der es wortwörtlich heißt: „Die 16-jährige Madison beginnt der Sache nachzugehen.“ Dies ist nämlich nicht der Fall. Madison erlebt als eine Freundin der Vermissten die Geschehnisse direkt mit und natürlich macht sie sich auch Gedanken darüber was passiert ist – aber sie geht nicht auf eigene Faust los und recherchiert, wer der Entführer sein könnte. Viel mehr erlebt man beim Lesen ihre Ängste, Gedanken und Gefühle zur Situation mit und fühlt sich so der Geschichte unheimlich nahe. Es ist beklemmend und erschreckend in die Haut einer Betroffenen zu schlüpfen und dies macht wohl auch die Spannung aus.

Erst kurz vor dem Showdown und Ende des Buches überschlagen sich die Ereignisse und der Leser tappt nicht mehr länger im Dunkeln: Madison handelt nun tatsächlich aktiv und kommt – eher zufällig – dem Psychopathen auf die Spur.
Bis dahin war die Geschichte unglaublich spannend und glaubhaft. Es ist beeindruckend wie Todd Strasser es schafft das Thema Mobbing intelligent und nicht zu überzogen anzugehen. Einige Passagen machen das Lesen von „Wish u were dead“ auch für Erwachsene zu einer interessanten Lektüre, die definitiv tiefer geht als ein gewöhnlicher Jugendroman und zeigt, dass Vorurteile und Worte mehr verletzten können als physische Gewalt.

Danach war es mit dem viel versprechenden Buch allerdings vorbei. Das Ende kommt viel zu überstürzt und wirkt lieblos konstruiert – ja, geradezu an den Haaren herbei gezogen. Noch dazu ist die Auflösung sehr überspitzt und konnte mich in keiner Weise überzeugen. Hätte die Geschichte ein anderes Ende, würde ich guten Gewissens 5/5 Punkten vergeben… nachdem mich der Showdown aber so sehr enttäuscht hat, korrigiere ich meine Bewertung herab.

Bewertung: 3/5


Wish u were dead von Todd Strasser
272 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551359063
9,95€

2 Comments
  • Shiku
    Posted at 19:15h, 11 Oktober Antworten

    Das Ende fand ich auch recht blöd. >:
    Das war … es passte einfach nicht.
    Zum Glück konnte mir der Rest des Buches so überzeugen, dass es trotzdem noch vier Sternchen geworden sind. :)

  • Pia
    Posted at 19:27h, 11 Oktober Antworten

    Auch ich war früher mal von Mobbingsachen betroffen und so ist sowas natürlich ein „interessantes“ Buch für mich (aber das, was mir passiert ist, war bestimmt nicht so schlimm wie die von dem Mädchen mit dem etwas komischen Namen – Ist der eigentlich nur ein Nickname oder ihr richtiger Name?).

    Grundsätzlich finde ich solche Bücher gut, aber irgendwie habe ich da immer Schiss, das diejenigen die die Geschichte erzählen, es irgendwie nicht schaffen die Ernsthaftigkeit dieser Themen aufzufassen.

    „Wish u were dead“ hört sich aber doch gut an, aber da du das Ende anscheinend nicht so gut fandest und generell, wenn Jungendsprache benutzt wird, habe ich SEHR schnell ein Problem damit XD

    Schöne Rezension, auch, wenn ich mir das Buch jetzt wahrscheinlich nicht besorgen würde, haha :)

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