Buchrezension: White Horse von Alex Adams

Buchrezension: White Horse von Alex Adams

White Horse von Alex Adams
448 Seiten (Paperback)
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492702522
16,99€

 

Damals

Zoe meint nicht richtig zu sehen, als eines Tages plötzlich eine scheinbar uralte Vase in ihrer Wohnung steht. Ganz unschuldig, als wäre sie schon immer da gewesen. Nur war sie das nicht. Aber wie ist das Tongefäß in ihre Wohnung gelangt? Wer hat es gebracht und ist an der Alarmanlage vorbei gekommen? Und die wichtigste Frage: was verbirgt sich in dem Gefäß?

Jetzt

Wer hätte gedacht, dass die Welt so endet? Erst Krieg, dann die Seuche. Das White Horse. Die wenigen Überlebenden sind Monster – auf die eine oder andere Weise. Denn es geht ums Überleben, von einem Tag zum Nächsten. Und mittendrin ist Zoe, eine einfache Reinigungskraft eines pharmazeutischen Konzerns. Doch sie ist nicht mehr alleine, nicht, seit ein Kind in ihr heranwächst. Deshalb begibt sie sich auf die gefährliche Reise quer um die halbe Welt und auf die Suche nach dem Vater ihres Kindes…

 

Alex Adams hat mit White Horse eine Dystopie geschrieben, die düsterer und hoffnungsloser wirkt als es einem auf den ersten Blick lieb sein könnte. Doch entdeckt man auf den zweiten Blick ein beeindruckendes Werk, welches zu lesen es sich lohnt.

Die Unkonventionalität der Geschichte wird sofort auf den ersten Seiten deutlich. Erzählt in zwei Zeitsträngen („Damals“ und „Jetzt“) scheinen die Ereignisse nicht viel mehr als die Protagonistin gemeinsam zu haben.
Zoe ist ein Charakter mit Stärke. Die junge Frau verliert alles was sie kannte und hält dennoch an dem fest, was ihr wichtig erscheint: die Menschlichkeit. Schwach ist sie dennoch nicht und es ist faszinierend durch die Zeitsprünge in die Vergangenheit mehr über ihr Wesen zu erfahren. Sie ist witzig, schlagfertig und klug gewesen in dieser alten, uns vertrauten Welt. Man schließt sie, ebenso wie der Vater ihres Kindes, ins Herz.

Doch mit einer netten Protagonistin und einem spannenden, dystopischen Hintergrund ist noch keine gute Geschichte geschrieben. Die Spannung darf natürlich nicht fehlen. Und das tut sie auch nicht. Zwar findet man kaum actionreiche Szenen auf den knapp 420 Seiten aber das ändert nichts daran, dass man über die Seiten fliegt und sie regelrecht verschlingt. Gerade weil die zwei Zeitstränge so weit von einander entfernt starten und scheinbar keinen Zusammenhang haben, übermannt einen beim Lesen die Neugier, während sich beide Stränge immer weiter aufeinander zu bewegen und die lang ersehnten Antworten versprechen.

Was ebenso begeistern kann, ist das Gespür für das Schaffen von Atmosphäre, das Alex Adams vorlegt. Wie bereits am Anfang erwähnt, ist White Horse sehr düster und atmosphärisch dicht. Oft hat man beim Lesen das Gefühl, dass einen Zoes Welt in die Knie zwingen würde. Das man an ihrer Stelle nicht die Kraft hätte noch weiter zu machen, noch ein Ziel vor Augen zu haben. Allzu realistisch sieht man die verlassenen Straßen und toten Augen von rostenden Autos vor sich. Meint sogar das eine ums andere Mal den Geruch der sterbenden Welt in der Nase zu haben.

Deshalb braucht man einen Lichtblick, etwas, an das man sich festklammern kann beim Lesen, um nicht mit einem schlechten Gefühl durch das Buch zu gehen. Und auch das wird dem Leser geboten. Zoes Festhalten an der Menschlichkeit und das in ihr heranwachsende Leben bieten die ersehnte Hoffnung. Die zugrunde liegende Nachricht, die Alex Adams hier verarbeitet ist berührend und muss wohl von jedem selber aus dem Buch herausgelesen werden.

Mich persönlich haben eigentlich nur Kleinigkeiten am Buch gestört, die dann für eine nicht ganz volle Punktzahl ausschlaggebend waren. Zum einen sind das manche Ungereimtheiten, die ein nahtloses Zusammenfließen der beiden Erzählstränge nicht ganz gewährleisten. Hier und da bleiben Fragen offen – die dann hoffentlich in den folgenden Bänden der Trilogie geklärt werden. Auch das Ende selber lässt noch ein wenig zu wünschen übrig. Auf der einen Seite sehr überraschend und mit einem beeindruckenden Twist, auf der anderen Seite schon sehr nah an der Grenze zu „zu überdreht“.

Insgesamt ist White Horse der Auftakt zu einer dystopischen Trilogie, die aus der Masse heraussticht. Sehr düster, spannend und mitnehmend kitzelt sie wohl jedem eine Gänsehaut auf die Arme und einen Schauer über den Nacken. Gut durchdacht mit nur leichten Ungereimtheiten, die sich hoffentlich noch klären. Und wunderbar geschrieben mit einer versteckten, tieferen Botschaft, die der Geschichte eine Bedeutung gibt. Absolut lesenswert!

In Sternen: 4/5

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white horse von alex adams

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3 Comments
  • Sandra
    Posted at 18:45h, 16 Oktober Antworten

    Ich kann nur zustimmen =)
    Ich war auch überrascht, dass ich so ans Buch gefesselt war, obwohl es kaum Action gab. Normalerweise verliere ich da schnell das Interesse, aber hier nicht. Vielleicht weil ich Zoe so sehr mochte…
    Ein tolles Buch jedenfalls, ich freue mich sehr auf die Fortsetzung.

  • Tadlz
    Posted at 15:48h, 02 November Antworten

    Nach einer Video-Rezension, die ich zu dem Buch gesehen habe, hatte ich mich eigentlich dazu entschieden, dass es mich nicht interessiert. Aber du hast mich jetzt doch neugierig gemacht…

    Ich würde mich freuen, wenn du bei dem 11-Fragen-TAG mitmachen würdest :) http://tadlz.blogspot.de/2012/11/11-fragen-tag.html

    LG Tadlz

  • Bücherphilosophin
    Posted at 13:31h, 29 November Antworten

    Das sind ja gute Neuigkeiten, denn diese Trilogie interessiert mich sehr. Deine Meinung bestärkt mich nun darin keine Zeit mehr zu vergeuden.
    Besonders reizt mich die, von dir beschriebene, düstere Atmosphäre. Das Cover verspricht ja schon einiges in dieser Richtung.
    Ich bin gespannt ob mich „White Horse“ genauso in seinen Bann ziehen kann, wie es das mit dir gemacht hat.

    LG, Katarina :)

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