Rezension: Twenties Girl

Rezension: Twenties Girl

Twenties Girl von Sophie Kinsella
479 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Black Swan
Sprache: Englisch
ISBN: 978-0552774376
7,90€

Inhalt


Als Laras 105 Jahre alte Großtante stirbt, versammelt sich die kümmerlichste Trauergemeinschaft, die man sich nur vorstellen kann. Denn abgesehen von Lara und ihren Eltern sind nur ihr stinkreicher Onkel, seine Frau und seine Tochter zur Beerdigung erschienen. Und keiner ist mit den Gedanken wirklich bei Sadie, die vorne im Sarg aufgebart liegt. Allen voran Lara selber, die noch immer mit der Trennung von ihrem Freund zu kämpfen hat und deren gerade gegründete Firma den Bach hinunter geht, da ihre Geschäftspartnerin (und gleichzeitig beste Freundin) sich einfach aus dem Staub gemacht hat, um sich am Strand die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Umso erschrockener ist Lara, als plötzlich der Geist von Sadie neben ihr auftaucht und verlangt die Beerdigung zu unterbrechen. Sie will nicht ohne ihre Libellenkette gehen…

Bewertung


„Twenties Girl“ ist unterhaltsam, teilweise sogar spannend aber bringt auch eine gehörige Portion Fremdschämen mit. Eben ein typisches Frauenbuch von Sophie Kinsella.

Lara ist die stereotype, ziemlich gebeutelte Protagonistin. Eigentlich geht in ihrem Leben allen schief, was nur schief gehen kann – sowohl privat, als auch beruflich. Und weil das alles noch nicht schlimm genug ist, ist sie auch noch die einzige, die Sadie sehen kann. Der Geist ist, im Gegensatz zu Lara, wenig durchschaubar und streng genommen nichts anderes als furchtbar nervig. Denn zum einen kreischt sie andauernd bis sie ihren Willen kriegt (wie z.B. ihre Beerdigung zu stoppen) und zum Anderen nimmt sie keine Rücksicht auf Verluste. So bringt sie Lara gleich zu Beginn in große Schwierigkeiten und eine peinliche Situation folgt auf die Nächste. Statt Mitgefühl zu haben oder sich gleich von Anfang an Gedanken zu machen, schwärmt sie lieber von ausgelassenen Partys der Zwanziger-Jahre, ihren Techtelmechteln und dem Tanzen.

Aus diesem Grund waren die ersten knapp einhundertfünfzig Seiten die reinste Qual. Wer Rebecca Bloomwood aus Sophie Kinsellas „Shopoholic“-Büchern kennt, der weiß so ungefähr was ich meine, wenn ich den Protagonisten eine 9/10 auf der Fremdschämskala verleihen muss. Bisweilen wollte ich das Buch wirklich zuklappen und mir diese haarsträubenden Peinlichkeiten nicht mehr weiter antun. Aber die geheimnisvollen Andeutungen um Sadies Libellenkette und ihre Lebensgeschichte haben mich am Ball gehalten. Das Durchhaltevermögen hat sich schließlich auch bezahlt gemacht. Denn wie auch schon bei den anderen Büchern von Kinsella, die ich bis jetzt gelesen habe, war es irgendwann plötzlich ein richtig gutes Buch. Die Charaktere hatten sich etwas normalisiert und kreischten nicht mehr in blinkenden Lettern „Peinlich!“, sondern benahmen sich etwas realitätsnaher. Unerwartet ergab sich dann sogar noch eine wirklich faszinierende und schöne Familiengeschichte, die ich so niemals hier erwartet hätte. Es war spannend zu lesen, wie Lara nach und nach das Geheimnis um ihre Großtante lüftet und in deren Vergangenheit wühlt. Dass diese auch noch Auswirkungen auf die Gegenwart hatten, machte eine kleine Detektivgeschichte daraus.
Und natürlich gibt es auch wieder eine Liebesgeschichte – denn was wäre ein richtiger Frauenschmöker ohne etwas fürs Herz? Wie das meistens so ist, war dieser Part des Buches leider sehr vorhersehbar, entwickelte aber dennoch seinen eigenen Charme.

Im Großen und Ganzen ist „Twenties Girl“ für alle Frauen das richtige Buch, die wie ich, ein kleines Faible für geheimnisvolle Familiengeschichten haben, die Zwanziger faszinierend finden und auch nicht auf die obligatorische Liebesgeschichte verzichten wollen. Man muss nur die ersten schmerzhaften 150 Seiten überstehen. Versprochen.

In Sternen: 3/5

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