Rezension: The dead and the gone

Rezension: The dead and the gone

New York ist die erste Stadt, die einem in den Sinn kommt wenn man an Fortschritt, Moderne, Möglichkeiten und Geld denkt.
In „The Dead and the Gone“ allerdings erleben wir New York von einer ganz anderen Seite…

Alex Morales lebt mit seinen zwei jüngeren Schwestern Bri und Julie und seinen Eltern in einem kleinen Apartment im ärmeren Teil der Großstadt. Gerade geht er noch zur Schule, hat es sogar mit einem Stipendium auf eine christliche Schule mit exzellentem Ruf geschafft. Abgesehen von seinem Nebenjob in einer Pizzeria beschäftigt ihn also hauptsächlich die Frage auf welche Uni er später einmal gehen kann. An diesem Maitag jedoch verändert sich alles für den 17-jährigen. Seine Mutter wird zur Arbeit gerufen, sein Vater ist im Ausland auf einer Beerdingung und Alex findet sich auf dem Rückweg von der Pizzeria zwischen lauter Sirenen und aufgebrachten Einwohnern New Yorks wieder.
Erst am nächsten Tag dringen so langsam richtige Informationen zu den drei Jugendlichen durch und sie erfahren, dass der Mond durch einen Meteor aus seiner Umlaufbahn geworfen wurde.
Was zunächst als harmloses Spektakel erscheint, wird aber schnell Ernst als klar wird, dass Alex Eltern nicht zurückkommen werden und die Stadt den Naturlaunen ausgesetzt einem unausweichlichen Verfall entgegen strebt. Die Nahrung wird knapp, Seuchen breiten sich aus, die Menschen fliehen – wenn sie können…

Bei Susan Beth Pfeffers „The dead and the gone“ handelt es sich mehr oder weniger um den zweiten Teil der Mondkatastrophen-Reihe, die mit „Life as we knew it“ ihren Auftakt hatte. Eher weniger eine Fortsetzung, da wir hier mit vollkommen neuen Charakteren in einem vollkommen neuen Umfeld vertraut gemacht werden – und dennoch ist es ein zweiter Teil, weil einfach nicht mehr viele Erklärungen zur Katastrophe selber gegeben werden.
Hat mich „Life as we knew it“ noch tief beeindruckt und mitgenommen, so war dieses Buch sehr enttäuschend.

Zum einen liegt das an den Charakteren dieses mal. Alex ist eindeutig der Protagonist, da sich die Geschichte auf seine Sicht der Dinge stützt. Allerdings konnte ich absolut keine Verbindung zu ihm aufbauen und habe dadurch weder mit ihm zusammen gelitten noch überhaupt irgendetwas beim Lesen empfunden. Ich bin absolut keine übertriebene „Emanze“ und auch nicht wirklich der Antichrist… aber das Verhalten des Siebzehnjährigen empfand ich als äußerst unangenehm. Er kommandiert seine jüngeren Schwestern (13 und 15) die ganze Zeit über nur rum. Während er zum „Nachdenken“ auf sein Zimmer geht, herrscht er seine Schwestern dazu an zu putzen, zu kochen, zu waschen, aufzuräumen oder schwere Einkaufstüten zu schleppen. Mag daran liegen dass er in einer sehr christlich-katholisch geprägten Familie aufgewachsen ist und noch an „alten Werten“ hängt aber ist für mich als Leserin nicht nachvollziehbar und ärgert mich geradezu. Auch, dass er immer wieder Gedankengänge hat die beinhalten seine Schwester hungern zu lassen weil sie ungehorsam oder nervig ist, hat mich fast zur Weißglut getrieben. Er mag zwar auch Verantwortungsgefühl haben und versuchen in der schweren Zeit ohne Eltern nach der Katastrophe alles richtig zu machen, doch diese sich wiederholenden Szenen wo er seine „männliche Überlegenheit“ ausspielt, haben verhindert, dass ich mich auch nur ansatzweise mit ihm als Protagonist anfreunden konnte.

Seine Schwestern werden übrigens dafür nur sehr oberflächlich gezeichnet. Die Ältere, Bri, taucht kaum mehr als mal am Rande der Geschichte auf und hat eher die Rolle eines lästigen Nebencharakters, der in keinster Weise zur Geschichte beiträgt. Ebenso wird die Jüngste von ihrem Bruder immer als nervig, kindisch und dümmlich beschrieben. Wie gesagt hat Alex zwar auch Momenten in denen er nur Nettes über seine Schwestern sagt, aber zumindest gefühlt überwiegt das Rumgemecker – was letztendlich dazu führt, dass man keinen der Charaktere wirklich mag.

Ebenfalls gestört hat mich am Buch, dass es nicht länger in Tagebuchform geschrieben ist (so, wie es der 1. Teil noch war) – das nimmt leider die persönliche Dramatik etwas heraus und trägt ebenfalls nicht dazu bei, dass man mit den Charakteren warm wird.
Dadurch, dass die Geschichte dieses Mal in New York spielt verliert sich der Katastrophencharakter auch etwas. Im ersten Teil der Reihe hat man als Leser hautnah miterlebt wie die Charaktere hungerten und um ihr Leben bangten während das hier zu kurz kommt. Zwar wird erwähnt, dass sie Probleme haben Lebensmittel zu besorgen (und müssen sogar recht drastisches Maßnahmen ergreifen um noch welche zu bekommen), doch wirkt alles nicht ganz so dramatisch wie im 1. Teil und wird nicht so ausführlich-quälend beschrieben. Ich hatte beim Lesen eher das Gefühl, dass die Autorin hier ein paar Schreckenszenarien einfach oberflächlich runtergerattert hat um schnell davon zu überzeugen wie sehr die Protagonisten leiden. Hat nur leider nicht geklappt.

Auch der Schluss kam mir dann viel zu unspektakulär und überstürzt daher. Am Ende saß ich etwas unschlüssig da und komme seitdem nicht um das Gefühl herum ein Buch gelesen zu haben, das mir gar nichts gebracht hat. Es war weder aufwühlend, noch mitreißend, spannend oder hatte liebenswürdige Charaktere. Für Fans von Naturkatastrophen oder religiösem Kitsch vielleicht noch empfehlenswert, für alle Anderen eher Zeitverschwendung. Ich hoffe inständig, dass der dritte Teil („This world we live in“) wieder an den Ersten heran kommt.

Bewertung: 2/5

The dead and the gone von Susan Beth Pfeffer
336 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Graphia Books
Sprache: Englisch
ISBN: 978-0547258553
5,80€

4 Comments
  • Stephie
    Posted at 22:03h, 15 Februar Antworten

    Ui, das klingt ja gar nicht berauschend. Schade.

  • Sarah
    Posted at 06:48h, 16 Februar Antworten

    Ja, ich bin auch noch hin- und hergerissen ob ich einen oder zwei Sterne geben will aber toll war das Buch leider wirklich nicht :( Ich hatte nach dem grandiosen ersten Teil viel mehr erwartet!

  • Caro
    Posted at 12:30h, 16 Februar Antworten

    Oh schade :( Ich fande den ersten Teil auch sooo klasse und habe mich schon auf den zweiten gefreut :/ Manchmal ist es halt doch besser man belässt es bei einem Teil!
    Grüßle Caro

  • Rishu
    Posted at 21:40h, 16 Februar Antworten

    Na dieser Alex klingt doch richtig sympathisch :-( Da will man ja kaum noch ins Buch reingucken, bei dem was du da schreibst. Mich hats aber gleich irritiert, dass das Buch keine Fortsetzung, sondern die „Nacherzählung“ derselben Zeitspanne wie aus Teil 1 ist. Was für einen Sinn hat das, habe ich mich gefragt. Offenbar gar keinen.

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