Rezension: The Adoration of Jenna Fox

Rezension: The Adoration of Jenna Fox

Ein schrecklicher Unfall. Koma.

Jenna erwacht eines Tages in Californien und kann sich nicht daran erinnern was geschehen ist. Sie weiß, dass sie einen Autounfall hatte und danach 18 Monate lang im Koma lag. Jetzt kann sie wieder laufen, sprechen und bei ihrer Familie sein. Aber die Erinnerungen an ihr Leben vor dem Unfall sind einfach weg. Wer war Jenna Fox? Mit Hilfe von Videos aus ihrer Kindheit versucht sie zu rekonstruieren wer sie war und beginnt langsam sich zu erinnern. Dabei stößt sie immer mehr auf Ungereimtheiten die ihr Angst machen. Ist sie tatsächlich die Jenna, die man auf den Videos sieht?

Viel möchte ich zum Inhalt des Buches gar nicht verraten und es ist auch schwierig die Charaktere zu beschreiben, ohne etwas vorweg zu nehmen. Es handelt sich bei „The Adoration of Jenna Fox“ um eine dieser Geschichten, an die man am Besten ohne große Vorkenntnisse ran geht und sich überraschen lässt.

Das Buch ist nicht im eigentlichen Sinne spannend – es gibt keine Actionszenen und die Handlung beschränkt sich hauptsächlich darauf, mit Jenna zusammen ihr Leben zu rekonstruiert. Dennoch fesseln der Schreibstil und die Geschichte so sehr, dass man neugierig Seite um Seite lesen will. Jenna ist dem Leser zu Beginn genauso fremd wie sich selber, so beginnt schon die erste Seite mit der Feststellung:
„I used to be someone. Someone named Jenna Fox. That’s what they tell me. But I am more than a name. More than they tell me. More than the facts and statistics they fill me with. More than video clips they make me watch. More. But I’m not sure what.”

Der besondere Reiz liegt nun darin, dass man gemeinsam mit Jenna immer mehr über sie erfährt. Sie erinnert sich im Laufe der Handlung an Dinge und Geschehnisse aus ihrer Vergangenheit und sie erlebt natürlich auch Neues, was sie prägt und verändert. Man beginnt das sechzehnjährige Mädchen zu verstehen und merkt gleichzeitig, dass etwas nicht stimmt. Irgendetwas an ihr ist anders als es früher war. Früher, vor dem Unfall.
Zwar entwickelt man schnell eine Theorie was es mit Jennas Erinnerungslücken und dem Verhalten ihrer Eltern und Großmutter auf sich hat, doch selbst diese schließlich bestätigt zu bekommen, kann dem Buch nicht die Spannung rauben.

Auf beinahe poetische, leise und ergreifende Weise spricht die Autorin Mary E. Pearson Themen an, die sowohl gesellschaftskritisch, als auch philosophisch sind. Die moderne Medizin kann Menschen retten, die vor einigen Jahren noch gestorben wären. In dieser, in der Zukunft angelegten Geschichte, geht man sogar noch einen Schritt weiter und fragt sich „was wäre wenn“. Medizinethik ist es, was den Leser immer wieder beschäftigt – genauso wie die Frage danach, was einen Menschen eigentlich ausmacht und was Selbstbestimmtheit bedeutet. Jenna selber steht vor diesen Fragen und liefert uns (zum Glück) keine vorgekaute Antwort, sondern regt zum Nachdenken an. Dass dieses schwierige Thema anhand der Geschichte einer Jugendlichen erzählt wird, die uns beim Lesen immer mehr ans Herz wächst, lässt alles greifbarer wirken.

Der Schreibstil ist passend zur Geschichte emotional. Mal kurz angebunden, mal verträumt, immer fragend. Definitionen von Wörtern, abgeschrieben aus einem Wörterbuch, helfen Leser und Jenna gleichermaßen zu verstehen, was die Protagonistin bewegt. Immer wieder einzelne, grau hervorgehobene Seiten unterstützen den Episodencharakter des Buches und unterstreichen, wie das Mädchen die Puzzlestücke ihres Lebens zusammensetzt. Diese Gedankenfetzen sind meiner Meinung nach noch einmal ein besonderes Highlight in der Geschichte, denn sie bringen dem Leser die Verstricktheit der Ereignisse näher.

Einzig das Ende hat mir nicht ganz gefallen. Meiner Meinung nach hätte die Geschichte auch gut zehn Seiten vorher enden können ohne etwas von seiner Intensität einzubüßen. Letztendlich muss aber jeder für sich entscheiden ob das gelieferte Happy End vielleicht zu viel des Guten ist oder nicht. Was bleibt, ist auf jeden Fall meine Leseempfehlung für dieses ergreifende Buch. Es ist selten, das man auf ein Jugendbuch stößt, das so ernsthaft und glaubwürdig schwierige Themen behandelt und dabei nicht langweilt oder abschreckt. Auf andere Bücher der Autorin bin ich jedenfalls sehr gespannt.

Bewertung: 4/5


The Adoration of Jenna Fox von Mary E. Pearson
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Square Fish
Sprache: Englisch
ISBN: 978-0312594411
6,65€

6 Comments
  • Rabenfrau
    Posted at 15:17h, 12 Januar Antworten

    Klingt schon sehr interessant.
    Ich denke ich werde das Buch mal auf meine Wishlist setzen. ^^

    • Sarah
      Posted at 15:31h, 12 Januar Antworten

      Tu das, es ist wirklich gut :)

  • Rishu
    Posted at 16:13h, 12 Januar Antworten

    Mich hat das Ende auch gestört, als ich das Buch gelesen hab. Insgesamt hat mir die Geschichte aber trotzdem gut gefallen =)

  • Stephie
    Posted at 18:19h, 12 Januar Antworten

    Mir hat das Ende eigentlich ganz gut gefallen, allerdings war ich etwas verwirrt, was das Kind betrifft. Das sollte ja ein „normaler“ Mensch sein, den sie kurz nach den 70 Jahren „bekommen“ hat – aber alles 200 Jahre später. Das hat mich irgendwie gewundert.

  • Shiku
    Posted at 11:11h, 14 Januar Antworten

    Schon wieder ein Buch für die Wunschliste … ich bin vor einer Weile mal auf die deutsche Ausgabe gestoßen, aber da klang der Klappentext weniger reizvoll, weswegen ich auch davon abließ.
    Aber wenn ich deine Rezension so lese, klingt es doch sehr spannend und vor allem lesenswert! oo

  • neele
    Posted at 19:26h, 08 November Antworten

    ich habe dich deutsche verfassung gelesen :) sie ist sehr gut !

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