Rezension: Sternenschimmer

Rezension: Sternenschimmer

Sternenschimmer von Kim Winter
576 Seiten (Hardcover)
Verlag: Planet Girl
ISBN: 978-3522502788
16,95€

Inhalt


„Alles ist vorherbestimmt, Anfang wie Ende, durch Kräfte, über die wir keine Gewalt haben. Es ist vorherbestimmt für Insekt nicht anders wie für Stern. Die menschlichen Wesen, Pflanzen oder der Staub, wir alle tanzen nach einer geheimnisvollen Melodie, die ein unsichtbarer Spieler in den Fernen des Weltalls anstimmt.“
(Albert Einstein)

Diesem Satz würde Mia vermutlich nicht zustimmen und doch passt er wunderbar zu ihrer Geschichte, die uns Kim Winter in „Sternenschimmer“ erzählt. Denn in einer nicht ganz fernen Zukunft ist unser Universum kein Mysterium mehr. Die Menschen auf der Erde leben zum Schutz vor hohen Ozonwerten unter Glaskuppeln und rücken dichter zusammen, um den wenigen verbliebenen Platz auf ihrem Planeten zu nutzen. Viele Lichtjahre entfernt jedoch existiert der Planet Loduun, der so atemberaubend fremd und den Irden doch nicht unbekannt ist. Als dort ein Krieg ausbricht, nimmt die Erde Flüchtlingskinder auf. Die selbstbestimmte Mia stellt sich den Anfeindungen und Vorurteilen der anderen Menschen und meldet sich als freiwillige Helferin in einem der Rückzugshäuser für die traumatisierten Kinder. Und trifft nicht nur auf kleine Loduuner, sondern auch auf Iason, der seine Schwester auf den fremden Planeten begleitet hat. Mit ihrer Eigensinnigkeit und ihrem Tatendrang geraten sie und Iason mehr als einmal an einander und trotz ihrer vollkommen unterschiedlichen Anschauungen, stellen sie fest, dass sie einiges gemeinsam haben. Dass sie mehr verbindet, als sie zu Anfang gedacht hätten. Doch ihre Gefühle für einander sind schon im Vorfeld dazu bestimmt, nicht von Dauer zu sein. Denn Iason gehört nicht auf die Erde, sondern nach Loduun, wo er sein Volk beschützen muss …

Bewertung


Wer das Buch erstmals in die Hand nimmt, vermutet aufgrund des rosanen Umschlages und des Hinweises auf eine Liebesgeschichte Schlimmes. Doch wer „Sternenschimmer“ deswegen keine Chance gibt, hat eindeutig etwas verpasst.

Denn obwohl der Einstieg in die Geschichte sofort deutlich macht, dass es sich hier um ein Jugendbuch mit weiblichem Hauptcharakter handelt, findet man doch eine erfrischend schöne und nicht allzu kitschige Erzählung.
Mia zeigt zwar oft ihre sehr mädchenhafte Seite und ist unter Umständen sogar etwas nah am Wasser gebaut, doch ebenso gut hat sie einen richtigen Dickkopf. Das vielleicht aus einigen Jugendbüchern bekannte Prinzip geht auch hier auf: die Protagonistin ist verletzlich und neigt bisweilen zu Gefühlsausbrüchen. Beinahe widersprüchlich ist ihre sehr (willens-) starke und selbstbestimmte Seite. Denn wo andere Romanheldinnen oft in eine Opferrolle verfallen und auf den rettenden Helden angewiesen sind, überzeugt Mia damit, dass sie das Ruder selbst in die Hand nimmt. Ihr aktivistischer Tatendrang und ihre Vehemenz erinnern dabei manchmal an Heldinnen aus den Disneyfilmen unserer Kindheit – aber gerade deshalb geht das Prinzip auf und man atmet erleichtert auf, weil Kim Winter uns keine „Bella“ zur Seite stellt.

Auch Iason erscheint nur auf den ersten Blick etwas stereotyp. Er ist unfreundlich zu Mia und im Verlauf der Geschichte ändert sich dann plötzlich doch alles… das Muster ist bekannt. Aber durch die ungewöhnlichen Eigenschaften, die ihn begleiten, wird er sofort interessant. Kim Winter ist es gelungen ebenso hier aus einfachen Zutaten einen liebenswerten Charakter zu schaffen, der mit seiner Einzigartigkeit überzeugt.

So ist es nicht verwunderlich, dass man schnell in der Geschichte selber abtaucht und die Mischung aus Fantasy, Science Fiction und Liebesgeschichte verschlingt. Gerade die Actionszenen dürften überzeugen wenn man vor dem gefühlslastigen Part der Erzählung zurückschreckt. Denn obwohl Kim Winter „Sternenschimmer“ sehr gefühlvoll erzählt und ihren Charakteren Platz zum Entwickeln einräumt, kommt doch keine Langeweile auf. Immer wieder sind in die Handlung sehr spannende Szenen und manchmal sogar erschreckende Elemente eingebaut – sodass es weg von einer reinen Liebesgeschichte und hin zu einem Buch mit Hintergrund geht. Das, was die Autorin sich hier ausgedacht hat, ist nicht nur schön zu lesen, sondern hat Substanz. Themen die Fremdenfeindlichkeit und Politik integrieren sich so beinahe heimlich in ein Jugendbuch und bieten auch für ältere Leser wahre Appetithappen.

Hinzu kommt der sehr verträumte und malerische Schreibstil, der aber nicht kitschig oder schwülstig ist. Viel mehr vermittelt die Autorin uns Lesern ein sehr schönes Bild der Erde der Zukunft und all dessen, was Mia und Iason durchleben. Eins meiner Lieblingsbeispiele aus dem Buch:
„Von der Vergangenheit war sowieso nichts mehr übrig. Außer einer Tür, die vom Wind getrieben in ihren Angeln quietschte, wachte hier Stille über alles.“ (S. 422)
Dem Schreibstil wohnt eine gewisse einzigartige Poesie inne und das hebt „Sternenschimmer“ von vielen anderen Jugendbüchern ab.

Insgesamt zeigt Kim Winter mit ihrem Auftakt der Trilogie schon ein Buch, das man gerne bedenkenlos zur Hand nimmt. Sowohl für Fans von Fantasy/Sci-Fi als auch Liebesgeschichten dürfte sich etwas finden lassen. Und trotz der noch etwas schwächelnden Charaktere reißt der wunderschöne Schreibstil viel wieder heraus. Auch wenn es der Umschlag suggeriert, ist das Buch also nicht nur für Mädchen, sondern durchaus auch für etwas ältere Mädchen noch tolle Unterhaltung.

In Sternen: 4/5

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