Rezension: Sixteen Moons

Rezension: Sixteen Moons

Es gibt Kleinstädte, in denen alles einer alltäglichen Routine folgt. Nie passiert etwas Aufregendes, nie etwas Unerwartetes.
Genau das denkt Ethan auch über seine Heimatstadt Gatlin in South Carolina – bis eines Tages ein neues Mädchen in die Stadt zieht.

Schon seit längerem quälen Ethan immer wieder Albträume, in denen er versucht einem ihm unbekannten Mädchen zu helfen, letztendlich aber jedes Mal scheitert und sie verliert. Auch an dem Morgen, an dem Lena nach Gatlin kommt, erwacht er wieder aus diesem Albtraum.
So scheint zunächst alles seinen gewohnten Gang zu gehen, aber dann entdeckt Ethan ein Lied auf seinem Ipod, das er nicht kennt: Sixteen Moons heißt das Stück und klingt unheimlich, bedrohlich und doch vertraut.

Als er Lena schließlich das erste Mal in der Schule sieht, wird Ethan sofort klar, dass sie das Mädchen aus seinen Träumen ist. Dies stellt das bis dahin so routinierte Leben des Jungen komplett auf den Kopf – verliebt er sich doch ausgerechnet in Lena, die nicht nur die Nichte des stadtbekannten und verachteten Ravenwood ist, sondern auch noch ein Geheimnis zu hüten scheint, dass mit ihrem nahenden sechzehnten Geburtstag und einem alten Familienfluch zu tun hat…


Der Einstieg in die Geschichte ist definitiv etwas ungewohnt: zum Einen, weil aus der Sicht eines Jungen erzählt wird und zum Anderen, weil die vielen merkwürdigen Vorkommnisse um Lena Ethan erst recht spät stutzig machen. Wer den Klappentext/die Inhaltsangabe gelesen hat, weiß allerdings schon längst, dass Lena einer Hexenfamilie angehört und kann bisweilen etwas ungeduldig darauf warten, dass Ethan das auch endlich begreift.
Sind dann aber nach dem etwas zähen Einstig endlich die Fronten geklärt, entwickelt die Geschichte für den Leser einen Sogcharakter, dem man nur schlecht entkommen kann – oder überhaupt möchte!

Von Kapitel zu Kapitel nimmt die Spannung zu; die Zeit läuft den beiden verliebten Teenagern davon um zu verhindern, dass Lena an ihrem sechzehnten Geburtstag nicht zu einer dunklen Hexe berufen wird. Wäre da nur nicht dieser scheinbar unumgehbare Fluch, den zu Zeiten des Bürgerkrieges um 1863 eine Vorfahrin gleich über die gesamte Familie gebracht hat…

Man wird beim Lesen durch eine tragische Geschichte zu Kriegszeiten geführt, deren Auswirkungen sich bis in die Gegenwart strecken und kann sich, ganz in Südstaatenmanier, (ähnlich wie bei „Vom Winde verweht“) in dieser verwunschenen Liebe verlieren. Geschickt wird dieser Teil mit den beiden heute lebenden Jugendlichen verknüpft, die scheinbar selber eine Liebe die „nicht sein soll“ haben und sich nicht nur gegen Probleme übernatürlicher Natur (das heißt: der Fluch), sondern auch gegen ganz normale Teenagerprobleme in der Schule und mit ihren Mitschülern durchsetzten müssen.
Für mich war spätestens zu diesem Zeitpunkt klar: das Buch ist genial! Es hat riesigen Spaß gemacht einen so durchdachten und in sich schlüssigen Plot zu lesen, dabei von der Gegenwart in die Vergangenheit zu springen, Romantik, Drama, eine schräge Familie (die sogar etwas an die Addams Family erinnert) und sogar leicht erträglichen Sarkasmus und Wortwitz nicht missen zu müssen. Ein besonderes Highlight sind einige Nebencharaktere, wie die drei Tanten von Ethan, die einfach nur alt und vertüddelt, stur und „typisch stolze Südstaatler“ sind und dabei immer wieder für den einen oder anderen Witz sorgen.

Für mich ist „Sixteen Moons“ eines der Lesehighlights des Jahres, da es ihm an nichts für einen guten Jugendroman und genauso wenig an Allem für ein gutes Buch für Erwachsene fehlt. Das offene – aber dennoch nicht unzufrieden zurücklassende Ende – macht neugierig auf die Fortsetzung und rundet die durch und durch schöne Geschichte ab.

Definitiv ein Buch, welches das Potential hat, ganz groß raus zu kommen. Verdient wäre es allemale!

Bewertung: 5/5


Sixteen Moons von Kami Garcia und Margaret Stohl
544 Seiten (Hardcover)
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570138281
18,95€

2 Comments
  • Stephie
    Posted at 12:50h, 07 September Antworten

    Kann dir nur zustimmen, war von dem Buch auch total begeistert. Aber leider kommt der zweite Teil (auf deutsch) ja erst im nächsten SOmmer

  • Stephie
    Posted at 22:56h, 28 September Antworten

    Warum hast du das Buch bei den Rezis eigentlich nur unter dem Namen einer Autorin verlinkt?

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