Rezension: Sieben Minuten nach Mitternacht

Rezension: Sieben Minuten nach Mitternacht

Sieben Minuten nach Mitternacht von Patrick Ness und Siobhan Dowd
216 Seiten (Hardcover)
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442312801
16,99€

Inhalt


„Geschichten sind wichtig. Sie können wichtiger sein als alles andere. Wenn sie die Wahrheit in sich tragen.“ (S. 151)

Der dreizehnjährige Connor meint seinen Augen nicht zu trauen, als ihn um sieben Minuten nach Mitternacht ein Monster besucht. Es klopft einfach an sein Fenster und verlangt mit ihm zu sprechen. Drei Geschichten will es dem von Albträumen geplagten Jungen erzählen – unter einer Bedingung. Nach der dritten Geschichte muss Connor selber eine erzählen und zwar die schwierigste von allen: die Wahrheit. Der Junge weiß, dass dies den Albtraum beinhaltet, der ihn jede Nacht quält, seit seine Mutter sich in die langwierigen Behandlungen gegen ihre schwere Krankheit begeben hat. Und er hat Angst. Doch obwohl das Monster so viel von ihm verlangt, scheint es momentan sein einziger Freund zu sein und so lässt Connor sich auf die Geschichten ein, die für ihn wichtiger als alles andere sein könnten.

Bewertung


Sieben Minuten nach Mitternacht ist eine kraftvolle Erzählung, die mit leisen Tönen das Herz des Lesers berührt und sowohl Kinder, als auch Erwachsene gleichermaßen anspricht. Für das schwierige Thema Verlust und Selbstverlust hat Patrick Ness genau die richtige Erzählweise gefunden um eine Geschichte zu schaffen, die einem im Gedächtnis bleibt.

Ein Monster, das des Nachts erscheint und ankündigt, in den folgenden Nächten drei Geschichten zu erzählen. Was zunächst ein wenig an Charles Dickens Weihnachtsgeschichte erinnert, entpuppt sich als eine Achterbahnfahrt der Gefühle und eine Reise zu einer Erkenntnis, die universelle Gültigkeit hat. Connor ist dabei der Protagonist dieser Reise und nimmt uns Leser mit durch seinen trüben Alltag. In der Schule gehänselt, von seiner besten Freundin verraten und in ständiger Angst um seine Mutter, ist das Monster tatsächlich nicht einmal das Schlimmste, was ihn nachts erwartet. „Außerdem gibt es Schlimmeres, wovor du Angst haben musst.“ (S. 60), stellt somit auch das weise Monster fest. Es kommt in der Form einer Eibe daher – ein Baum, der giftig ist, aber auch zu heilen vermag. Als uraltes Wesen hat es schon viel gesehen und viel erlebt und lässt uns Leser genauso wie Connor an seinen Geschichten teilhaben. Diese erscheinen zunächst märchenhaft und linear, entwickeln jedoch jedes Mal eine unerwartete Wendung und regen zum Nachdenken an.

Es ist meiner Meinung nach ein Kunstwerk, wie Patrick Ness es geschafft hat Geschichten innerhalb der Geschichte zu erzählen, zu verwinkeln und allen gleichermaßen wie ein Märchen erscheinen zu lassen. Dass es sich hier jedoch nicht um ein Märchen handelt, zeigt die Botschaft, die das Buch vermittelt, nur allzu genau. „Geschichten sind wilde Wesen“ (S. 61) stellt das Monster auch hier wieder passend fest und erklärt damit, dass nicht nur Connor diese beängstigenden und extremen Gefühle durchlebt, sondern auch der Leser, während er ganz in der Welt des Buches abtaucht.
So war es eigentlich gar nicht verwunderlich, dass sogar ich ansonsten so hartgesottene Leserin am Ende nicht bloß einen dicken Kloß im Hals hatte, sondern die eine oder andere Träne vergießen musste. Einfach wegen der Wahrheit und der Emotionalität der Geschichte.

Als ein besonderes Highlight empfand ich außerdem die Zeichnungen, die so liebevoll gestaltet sind und die Geschichte durch das Buch begleiten. Ganz in schwarz und weiß gehalten, spiegeln sie all die Emotionen wieder, die auch Connor durchläuft und verleihen der Erzählung noch einmal mehr einen leichten Märchencharakter, der den Leser berührt und fasziniert.

Meiner Meinung nach ist Sieben Minuten nach Mitternacht ein durchweg fantastisches Buch. Es berührt wohl jeden Leser auf eine ganz eigentümliche Weise und vermittelt mehr, als bloße Unterhaltung. Wer ein Buch lesen möchte, das zum Nachdenken anregt und durch eine außergewöhnliche Poesie besticht, der macht hiermit nichts falsch.

In Sternen: 5/5

2 Comments
  • Sabine
    Posted at 20:12h, 14 Dezember Antworten

    Das ist aber eine schöne Rezension. :)
    Jetzt ist „Sieben Minuten nach Mitternacht“ wieder ein Stück auf meiner Wunschliste nach oben geklettert…

    Liebe Grüße
    Sabine

  • Steffi
    Posted at 18:29h, 23 Dezember Antworten

    Klasse, das Buch hat auch dich begeistert. Ich hab es erst vor ein paar Tagen gelesen und auch schon rezensiert. Habs an einem Tag verschlungen. Hätte am liebsten noch einmal von vorne angefangen. Es ist erstaunlich, wie Patrick Ness, Siobhan Dowd auf so berührende Art eine letzte Ehre erwiesen hat. Wo doch die Leidensgeschichte von Dowd ähnlich war, wie die der Mutter von Conor. Schöne Weihnachtstage wünsch ich dir, vlg Steffi

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