Rezension: Seventeen Moons

Rezension: Seventeen Moons

Seventeen Moons von Kami Garcia und Margaret Stohl
512 Seiten (Hardcover)
Verlag: cbj
ISBN-13: 978-3570138298
18,99€
Erscheint am: 12. September 2011

Inhalt


Achtung: Die Rezension kann Spoiler enthalten, wenn man den ersten Band noch nicht gelesen hat!

Manchmal blickt man auf eine blitzsaubere Oberfläche und erkennt nicht, dass darunter ein Haufen Schmutz verborgen liegt.
Ethan musste diese Erfahrung im letzten Jahr machen, als er unerwartet auf einige Geheimnisse seiner langweiligen Kleinstadt Gatlin inmitten der Südstaaten der USA stieß. Es war das Jahr, in dem sein Mutter starb, in dem sein Vater durchdrehte und in dem seine Welt sich auf den Kopf stellte nachdem er sich in das Caster-Mädchen mit den grünen Augen verliebte.

Lena war eine Hexe kurz vor ihrer Berufung – zu einer lichten oder eine dunklen Caster. Ihr sechzehnter Geburtstag hing wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der beiden Teenager. Doch als ihre Mutter, eine sehr mächtige dunkle Caster, plötzlich auf den Plan trat und sich einmischte, glitt ihnen die unbeschwerte Zeit zusammen aus den Fingern wie loser Sand. In einem fulminanten Showdown konnte die Berufung letztendlich vorerst abgewendet werden – doch dafür verlor das Mädchen den Mann, der für sie wie ein Vater war: ihren Onkel Macon.

Nun sind einige Monate vergangen und Ethan kann nur hilflos mit ansehen, wie Lena sich immer mehr verändert. Sie zieht sich zurück, trauert um ihren schmerzhaften Verlust und beginnt sich zu verändern. Eins ihrer grünen Augen wechselt sogar zu einem Goldton, der den dunklen Castern vorbehalten ist. Und so sehr Ethan sich auch bemüht, entgleitet ihm seine Freundin immer mehr, bis er in ihr nicht mehr das Mädchen erkennt, in das er sich einst verliebte. Lena begibt sich zunehmend auf die Seite der dunklen Caster und versucht, ihr altes Leben hinter sich zu lassen.
Als auch noch der geheimnisvolle John Breed auftaucht, ist sie bereit Ethan zu verlassen und dem attraktiven Caster blind zu folgen. Mit dem Versprechen an einen Ort, der voller Magie steckt, folgt sie ihm in die uralten unterirdischen Gänge der Caster, in die kein sterblicher folgen darf. Doch Ethan ist nicht bereit seine Freundin einfach so ziehen zu lassen und begibt sich, zusammen mit seinem Freund Link, einer Katze und einer angehenden Hüterin auf die Spur der beiden. Dabei läuft ihm wieder einmal die Zeit davon um rechtzeitig Lena zu finden und zu verhindern, dass sie sich zu einer dunklen Caster beruft…

Bewertung


Der zweite Band um die Südstaaten-Hexe und ihren menschlichen Freund knüpft direkt an den Ersten an und führt die Geschichte düster und spannend weiter.

Düster und gedrückt beginnt es sofort damit, dass man hautnah miterlebt, wie Ethan versucht seine Beziehung zu Lena zu retten. Hin- und her gerissen zwischen dem Wunsch, dass es wieder so wird wie es war, bevor Macon starb und dem Unverständnis gegenüber Lenas Verhalten ist die Situation von Anfang an verfahren. Als Leser hat man das Gefühl, als renne Ethan unablässig um Lena einzuholen, doch immer wenn sie zum Greifen nahe scheint, entgleitet sie ihm wieder.

Ihre Art zu trauern ist es auch, die so beklemmend wirkt. Konnte sie früher ohne ihre Worte, ohne Gedicht zu schreiben, nicht leben, so behält sie nun ihre Gedanken für sich. Ganz in sich gekehrt und in die Anziehsache Macons gehüllt, bietet sie einen kummervollen Anblick. Dabei wird bisweilen deutlich, dass auch sie sich nach vergangenen Tagen sehnt und bei Ethan sein möchte, doch letztendlich flieht sie vor ihrem alten Leben und allen, die damit verbunden waren.

Während des Lesens ist man zunächst tief getroffen davon, wie Lena wegen ihres Verlustes leidet. Im Laufe der Geschichte jedoch scheint sie immer aggressiver und unkontrollierter zu reagieren und die Sympathie verwandelt sich schnell in Unverständnis. Gerade weil immer noch Ethan der Erzähler der Geschichte ist und seine Perspektive diejenige, auf die man sich als Leser verlassen muss, irritiert einen die dunkle Lena sehr. Zumindest so lange, bis ihr Verhalten eine Erklärung bekommt, die letztendlich so logisch erscheint, dass auch ihre Veränderungen plötzlich wieder nachvollziehbar sind.

Gerade das fasziniert mich an der Erzählung unglaublich. Die Charaktere sind tatsächlich eigenständige Persönlichkeiten, die Gedankengänge haben und handeln, wie es zu ihnen passt. Dass man als Leser dennoch nie sofort vorhersagen kann, was passieren wird, lässt sich durch die meisterhafte Erzählweise aus Ethans Sicht erklären. Beide Teenager können natürlich nicht in den Kopf des Anderen schauen (nun ja, zumindest nicht komplett) und so kommt es zu ganz natürlichen Missverständnissen die Reaktionen hervorrufen, die wieder falsch gedeutet werden können… bis die Situation so vertrackt ist, dass es keinen guten Ausgang nehmen kann. So leidet man mit dem Jungen mit, wenn man liest, wie die Beziehung der beiden, die einst ein solches Traumpaar waren, den Bach runter geht. Es wirkt alles so aus dem Leben gegriffen, so glaubhaft, dass man ganze Gefühlswelten beim Lesen durchlebt.

Aber nicht nur auf diese Weise nimmt einen die Geschichte wieder völlig gefangen, sondern auch, weil die Beschreibungen im Buch noch so viel Spielraum lassen. Zum einen die Südstaaten-Atmosphäre, die unterschwellig immer präsent ist. Diese Umgebung wirkt vertraut und fremd zugleich, weckt in einem ein heimeliges Gefühl… und doch scheint alles vor Geheimnissen zu flirren. Meiner Meinung nach passt die Geschichte nirgendwo besser hin als in das feucht-schwüle Klima South Carolinas und nirgendwo sonst könnte ein noch passenderer Hintergrund für die Charaktere und ihre Entwicklung gefunden werden.

Zudem warten Kami Garcia und Margaret Stohl einfach mit Ideen auf, die man fantastisch finden muss. Ohne zu viel verraten zu wollen, muss doch gewürdigt werden, wie sie die Caster-Gänge im Untergrund der Städte beschreiben. Eigentlich habe ich eine Parallelwelt seit J.K. Rowling mit Harry Potter keinem Autor mehr so vorbehaltlos abgenommen. So fügen sich die außergewöhnlichen Caster-typischen Details ganz glaubhaft und perfekt in die restliche Geschichte ein. Besonders schön finde ich auch weiterhin, dass die Augenfarbe ein Spiegel für die Gesinnung eines Casters ist: grün für licht und gold für dunkel. Dass diese Vorlage viel Platz für Spielereien lässt, ist ebenso klar, wie die Tatsache, dass die Charaktere sich nicht auf schwarz-weiß-Niveau reduzieren lassen und vielschichtig und interessant agieren.

Einen Punkt Abzug gibt es lediglich dafür, dass es gegen Ende einige Ereignisse gibt, die mir persönlich zu einfach auf ein Happy End zusteuern. Da die beiden Autorinnen nun mehr seit zwei Bänden unentwegt beweisen, wie lebensnah und somit kompliziert sie eine ganze Welt erschaffen können, war ich von der doch etwas schlichten und rosigen Auflösung sehr enttäuscht.

Nichtsdestotrotz ist auch „Seventeen Moons“ wieder einmal ein fantastisch geschriebenes Jugendbuch, das mit Vielschichtigkeit und Tiefgang überzeugen kann. Vielleicht etwas düsterer als sein Vorgänger – doch dafür auch mindestens im selben Maße faszinierender.

Wem der erste Band bereits gefallen hat, der wird hier jedenfalls noch einmal überrascht und kann garantiert nicht abwarten das nächste Buch der Reihe zu lesen. Denn mehr als genug Probleme bleiben noch immer zu lösen…

In Sternen: 4/5

Über die Autorinnen


Margaret Stohl hat bereits mit 15 Jahren angefangen zu schreiben, verliebte sich aber erst an der Universität in die amerikanische Literatur. Ihren Master of Arts in Englisch machte sie in Stanford, studierte aber anschließend noch Kreatives Schreiben in Norwich. Später unterrichtete sie in Yale. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Santa Monica (Californien), wo sie momentan an einem eigenen Buchprojekt arbeitet (und ihre Töchter mehr oder weniger freiwillig in ihrer Arbeit mit einbezieht) und natürlich weiterhin mit Karmi Garcia an der Trilogie um Ethan und Lena schreibt.

Kami Garcia fühlte sich schon immer mit den Südstaaten der USA verbunden – obwohl sie ganz bodenständig in Washington DC aufwuchs. Jedoch kam diese Verbundenheit nicht von ungefähr: ihre Großmutter und Urgroßmutter stammen beide aus South Carolina im Süden. Mit denen lebte sie ab ihrem dreizehnten Lebensjahr auch vorerst unter einem Dach, sodass sie die Gepflogenheiten der Südstaatler hautnah miterleben konnte. Ihre Leidenschaft früs Schreiben entdekte sie früh, auch, wenn sie zunächst nur in Tagebüchern ihre Gedanken festhielt. Seitdem aber schreibt sie kontinuierlich und kam immer wieder mit der Fantasyszene in Berührung (nicht zuletzt, weil sie Fantasybuchgruppen für Kinder und Jugendliche betreute). Heute lebt sie in Los Angeles mit ihrem Mann und ihrem Sohn, sowie zwei Hunden, die nach Charakteren aus der Fanatsyserie „Buffy“ benannt sind.

Der nächste Band der Reihe („Beautiful Chaos„) erscheint im Herbst 2011 bereits auf Englisch.

3 Comments
  • Stephie
    Posted at 17:40h, 07 Juli Antworten

    Ich freue mich ja so auf dieses Buch!!

  • myriel
    Posted at 15:32h, 09 Juli Antworten

    Finale…? Sollten es nicht 5 Teile oder mehr werden?

    Aaaaber ich bin schon super gespannt auf das Buch, denn der erste Teil hatte mir wirklich gut gefallen :)

    • admin
      Posted at 18:34h, 10 Juli Antworten

      Du hast recht, bei etwas Nachfoschung fällt mir das auch auf o.0 Ich dachte aus irgendeinem Grunde immer, dass es eine Trilogie wird >.< Naja, dann änder ich meien Rezi eben mal schnell. Danke für den Hinweis!

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