Rezension: Schattenstunde

Rezension: Schattenstunde

Man soll den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben… aber damit hatte die 15-jährige Chloe Saunders nicht gerechnet: ausgerechnet jetzt, wo sie es in der Schule auf die Liste der möglichen Regisseure des Filmclubs geschafft hat und sich ein Junge für sie zu interessieren scheint, taucht plötzlich ein untoter Hausmeister auf und erschreckt sie zu Tode.
In Panik läuft Chloe vor dem Geist davon – mitten durch die Schule – und wird von allen für verrückt gehalten.

Schneller als sie begreifen kann was passiert, findet sie sich im Lyle House wieder. Chloes Diagnose: Schizophrenie. Die Geister, die sie sieht, können nicht real sein. So soll sie eigentlich nur zwei Wochen im Heim für psychisch gestörte Jugendliche bleiben, doch schnell wird klar, dass irgendetwas dort nicht stimmt und die Mädchen und Jungen nicht zufällig dort gelandet sind…

Die Geschichte beginnt bereits sehr geheimnisvoll mit einer Rückblende in Chloes Kindheit und ist auch fortan nicht minder mysteriös. Lyle House, wo sich der größte Teil der Handlung abspielt, wird eindringlich beschrieben, sodass man sowohl von den Räumlichkeiten, als auch von den anderen Jugendlichen eine eigene Vorstellung entwickeln kann.
Kelley Armstrong schafft dabei eine Atmosphäre, die perfekt in die dunklen Herbsttage vor Halloween passt und mal übernatürlich-schauerlich und mal beängstigend realistisch daher kommt. Besonders faszinierend fand ich beim Lesen, dass die Beschreibungen des Heims gänzlich ohne Klischees wie knarrende Dielen und nackte, von der Decke baumelnden Glühbirnen auskommt und man dennoch sofort den Eindruck hat, dass es sich um ein regelrechtes Spukhaus handelt.
Der Erzählstil suggeriert und unterstreicht das, was dem Leser schnell klar ist: etwas stimmt nicht mit dem Haus. Es muss eine Geschichte haben.

Ähnlich gelungen finde ich die auftretenden Charaktere des Buches: auch hier schafft Armstrong etwas Eigenes und entwirft Figuren, die einen neugierig machen.
In die etwas unsichere Chloe kann man sich so sofort hineinversetzen. Man versteht wie verwirrt und überrumpelt sie ist, als sie an einen Ort gerät, an dem sie in vielerlei Hinsicht alles andere als die Normalität erfährt – obwohl sie eigentlich nur ein ruhiges, normales Leben führen möchte.
Ebenso interessant und fernab vom gängigen 08/15-Muster sind die anderen Jugendlichen gezeichnet: der einzelgängerische Derek, sein Bruder Simon, die problembehaftete Tori und nicht zuletzt auch Chloes Freundin Rae.

Alle Bewohner des Lyle-Hauses verbindet dabei eine Geschichte, die sich erst gegen Ende anfängt zu erklären. Das macht die Stunden, die man mit dem Buch verbringt, zu einem spannenden Abenteuer voller übernatürlicher Gestalten und einer außergewöhnlichen Idee mit leichtem Gruselfaktor.

Einzig das Ende des Buches hat mich etwas gestört, da die Handlung so plötzlich an Fahrt aufnimmt, dass alles etwas überstürzt erscheint. Das abrupte Ende lässt sich allerdings damit erklären, dass schon im Dezember der zweite Band („Seelennacht“) erscheint… und hoffentlich wieder gruselige Lesestunden garantiert!

Eine empfehlenswerte Geschichte über mysteriöse Kräfte, schauerliche Geheimnisse und Spannung, die ins Bücherregal eines jeden Fantasy-Fans gehört.

Bewertung: 4/5

Die dunklen Mächte: Schattenstunde von Kelley Armstrong
416 Seiten (Hardcover)
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN: 978-3426283417
14,99€

2 Comments
  • Stephie
    Posted at 20:38h, 27 Oktober Antworten

    Ui, na dann kann ich mich ja schon darauf freuen ;)

  • Irina
    Posted at 08:06h, 28 Oktober Antworten

    Hach … So langsam krieg ich doch Lust auf das Buch, das klingt wirklich gut. Danke für die Rezension! :)

    Liebe Grüße,
    Irina

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