Rezension: Schattenspieler

Rezension: Schattenspieler

Schattenspieler von Michael Römling
352 Seiten (Hardcover)
Verlag: Coppenrath
ISBN: 978-3815753071
14,95€

 

Während in Berlin die Bomben fallen und die Russen vor den Toren der Stadt stehen, beginnt die Geschichte von einem Kunstschatz, dessen Spuren sich in den Kriegswirren verloren haben.

Leo ist ein U-Boot: ein jüdischer Junge der, gut versteckt bei einem geheimnisvollen Kunstliebhaber, den Nationalsozialisten versucht zu entfliehen. Doch als eine Bombe das Haus trifft, wird er von Wilhelm getrennt und taucht in dem allgemeinen Chaos der Besetzung unter. Sein Weg führt ihn dabei direkt in die Arme einer russischen Truppe, die ihn unter ihre Fittiche nimmt und bei der Besetzung Berlins in einem Haus einquartiert.

Dieses Haus gehört Friedrichs Mutter, die sich nun mit ihm und seiner blinden Schwester versucht der neuen Situation anzupassen. Friedrichs Vater hingegen ist verschollen. Als Teil einer Gruppe von Plünderern zog er die letzten Jahre durch das besetze Europa und klaute Kunstschätze von unermesslichem Wert zusammen.

Leo und Friedrich geraten an Informationen die darauf hinweisen das einer dieser Kunstschätze mitten im zerstörten Berlin liegt. Neunundzwanzig Gemälde der bekanntesten Maler, versteckt zwischen Ruinen und Schutt. Für die beiden Jungen ist klar, dass sie die Herausforderung annehmen und den Schatz finden wollen. Doch sind sie bei Weitem nicht die Einzigen, die den Kunstwerken auf der Spur sind: die Russen, die Engländer und nicht zuletzt ein skrupelloser Nationalsozialist starten in diesem Wettlauf um das große Geld in dieser gefährlichen Zeit…

 


Wo fängt man am besten an über „Schattenspieler“ zu sprechen? Vielleicht ganz unkonventionell am Ende. Denn Michael Römlings Abenteuerroman ist eines jener Bücher, bei denen man sogar das Nachwort noch mit Begeisterung liest.
Die Charaktere, denen man als Leser auf den Seiten begegnet, sind allesamt auf ihre ganz eigene Art und Weise interessant. Leo und Friedrich, Wilhelm, Friedrichs Schwester Marlene und auch die russischen Soldaten schließt man schnell ins Herz. Dabei sind die Figuren nicht fehlerlos.

Dadurch, dass Römling die Schrecken des Krieges und dessen Nachwehen nicht auf eine Randnotiz beschränkt, entstehen auch erst die Ecken und Kanten der Protagonisten. Realistisch und mitnehmend wird man als Leser immer wieder daran erinnert, dass Krieg Menschen verändert und dass nicht einmal eine Abenteuergeschichte um zwei Jugendliche und einen Kunstschatz dies zu verdecken schafft – oder überhaupt will.

Dennoch ist das Buch weder deprimierend, noch belehrend. Tatsächlich hat man zwischendurch das Gefühl sich in einer Geschichte zu befinden, die an Meisterwerke wie „Emil und die Detektive“ erinnert. Dieser Kontrast macht „Schattenspieler“ erst für alle Altersklassen wirklich interessant. Denn so heimelig es mit den netten Charakteren und so spannend es mit der an einen Detektivroman erinnernden Geschichte auch sein mag – das gesamte „Drumherum“ gibt dem Buch Tiefe. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Nachwort bestätigt, was manch einer vielleicht bis dahin noch nicht wusste: historische Tatsachen und Fiktion verschwimmen hier zu einer bunten Geschichte, die Spaß macht gelesen zu werden und die dem Leser am Schluss ein verschmitztes Lächeln ins Gesicht zaubert und mit Hunger nach mehr Hintergrundwissen zurücklässt.

„Schattenspieler“ ist also ein wenig von allem: ein gemütliches Roman, ein Abenteuerbuch mit historischer Kulisse, ein Buch über Freundschaft und die Liebe zur Kunst und nicht zuletzt auch einfach ein verdammt schönes Buch, das einen berührt.

 

In Sternen: 5/5

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