Rezension: Ruht das Licht

Rezension: Ruht das Licht

Ruht das Licht von Maggie Stiefvater
400 Seiten (Hardcover)
Verlag: Script5
ISBN: 978-3839001189
18,90€
Erscheint am: 1. September 2011

Achtung: Die Rezension kann Spoiler enthalten, wenn man den 1. Teil der Reihe nicht kennt!

Inhalt


Der Winter ist schon fast vorbei, die knisternde Kälte macht zumindest an manchen Tagen den ersten Sonnenstrahlen platz. Für Sam ist dies der erste Winter seit er denken kann. Denn jetzt, wo er die erzwungenen Verwandlungen in einen Wolf unterdrücken kann, genießt der Junge mit den gelben Augen seine neu gewonnene Freiheit und kostet jedes Minusgrad aus, als wäre es ein kostbares Geschenk.
Doch den Wechsel der Jahreszeiten kann er mit Grace nicht in Frieden verleben. Immerhin gibt es nun neue Jungwölfe im Rudel und seit Beck sich das letzte Mal gewandelt hat, ist es Sams Aufgabe sich um die Zufluchtsstätte der Wölfe zu kümmern. Diese Aufgabe wird auch nicht einfacher, als er dahinter kommt, dass das gesamte Rudel in großer Gefahr schwebt und das gut gehütete Geheimnis vielleicht nicht mehr so sicher ist, wie es sein sollte. Zudem scheint eine schwere Krankheit an Grace zu nagen und wenn die Temperaturen wieder fallen und die Wölfe im Wald heulen, rufen sie nach seinem Sommermädchen…

Bewertung


Die Fortsetzung von „Nach dem Sommer“ führt die Geschichte um den Wolfsjungen und sein Mädchen genauso poetisch und wunderschön fort, wie sie begonnen hat.

Genau wie Isabel auf den ersten Seiten prophezeit: „In Mercy Falls war es nie vorbei“ (S. 25). Denn wer gedacht hat, dass damit, dass Sam seine Verwandlungen unterdrücken kann, der ganze Ärger vorbei ist, wird hier eines Besseren belehrt.

Zunächst einmal wäre da einer der neuen Jungwölfe: Cole. Er wünscht sich nichts sehnlicher als seine Erinnerungen und seine Geschichte gleichzeitig mit seiner menschlichen Gestalt hinter sich zu lassen, doch eine dauerhafte Verwandlung in einen Wolf scheint ihm selbst bei niedrigen Temperaturen nicht vergönnt zu sein. So taucht er immer wieder in Sams Haus auf und stiftet Unruhe. Erst langsam scheint er sich ein wenig zu fangen – und das liegt daran, dass seine Vergangenheit ihn einfach nicht loslassen will.

Sam und Grace sind zum Glück beinahe noch die Alten. Es ist merkwürdig anrührend von diesem jungen Paar zu lesen, wo sie ganz das nüchterne Mathegenie ist und er für Lyrik und Musik lebt. Aber gerade in ihren Gegensätzen scheinen sich beide perfekt zu ergänzen und so ist es nicht verwunderlich, dass sie immer enger zusammenwachsen. Sogar so sehr, dass sie den Bogen überspannen und sich damit in Schwierigkeiten bringen, die von Grace verlangen eine harte Entscheidung zu treffen.

Während Grace also ganz mit der Gegenwart beschäftigt ist, werden die anderen Charaktere scheinbar immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt. Besonders Cole und Sam. Gerade, Sams Geschichte einmal tatsächlich zu lesen, seine Erinnerungen hautnah verfolgen zu können, bringt einem seine Person noch einmal viel näher.

Davon abgesehen habe ich mich gleich wieder in die Sprache des Buches verliebt. Beschreibungen, die so wunderschön anklingen, lassen einen verträumt in die Geschichte eintauchen. So wird aus einem langweiligen Regenschauer gegen Ende des Winters eine Beschreibung, die dafür sorgt, dass man sich die Decke enger um die Schultern zieht und ganz und gar bei den Protagonisten in Mercy Falls ist: „Ich beobachtete, wie ein Regentropfen vor dem Fenster niederfiel und dann, zu Eis erstarrt, auf dem Gehsteig landete.“ (S 11)
Und wie auch schon in „Nach dem Sommer“ fügen sich Fetzen aus Gedichten genauso wie Zeilen aus Sams Songtexten ergänzend in den Text ein und machen ihn zu etwas Besonderem.

Hinzu kommt, dass die Geschichte nicht an Spannung und Intensität verliert, wie es ja leider in zweiten Teilen einer Trilogie normalerweise oft der Fall ist. Hier werden neue Personen eingeführt, ergeben sich neue Probleme und verändert sich so viel, dass die ruhige Erzählung von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Mit dieser Steigerung beendet man den zweiten Band mit gemischten Gefühlen. Froh, dass Maggie Stiefvater einem wieder wunderschöne Lesestunden bereitet hat, etwas melancholisch, dass das Buch schon wieder durch ist und sehnsüchtig auf den Abschluss der Reihe wartend.

In Sternen: 5/5

Über die Autorin


Maggie Stiefvater wurde 1981 in Virgina geboren. Nach dem College musste sie bald einsehen, dass ein „normaler“ Job nichts für sie ist – denn sie scheiterte als Kellnerin und Zeichenlehrerin gleichermaßen weil sie die liebenswürdigen Angewohnheiten hat mit sich selbst zu sprechen, in die Luft zu starren oder auch schon mal im Pyjama auf der Arbeit zu erscheinen. Kein Wunder also, dass sie lieber ihrer Kreativität freien Lauf lässt und heute mitten in der Einöde zurückgezogen mit ihrem Mann, ihren Kindern, Hunden und einer Katze lebt und ihre Energie auf das Schreiben konzentriert.

Homepage: www.maggiestiefvater.com
Deutsche Homepage: www.maggiestiefvater.de

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