Rezension: Rebellen der Ewigkeit

Rezension: Rebellen der Ewigkeit

Rebellen der Ewigkeit von Gerd Ruebenstrunk
416 Seiten (Hardcover)
Verlag: arsEdition
ISBN: 978-3760765396
17,99€

Inhalt


Zeit ist eine merkwürdige Sache. Mal tröpfelt sie wie Sirup langsam vor sich hin und mal vergeht sie wie im Flug. Und manchmal, aber nur ganz selten, bringt sie einen genau im richtigen Moment an den richtigen Ort.

So jedenfalls trifft der junge Fahrradkurier Willis auf die Privatdetektivin Karelia und die begabte, junge Klavierspielerin Valerie. Wie man es dreht und wendet: nicht nur der Unfall auf der Straßenkreuzung bringt die drei zusammen, auch die Firma Tempus Fugit: Karelia erhielt den Auftrag für die Firma über eine potentiell gefährliche Untergrundorganisation zu recherchieren, Valerie hat an Tempus Fugit gerade zehn Jahre ihres Lebens verkauft um ihrer kranken Mutter zu helfen und Willis steckt noch viel tiefer in der Geschichte drin, als er ahnt. Als die beiden beginnen Karelia bei ihren Untersuchungen zu helfen, stoßen sie auf die Rebellen der Ewigkeit – eine Gruppierung, die vor den Gefahren der Technologie von Tempus Fugit warnt. Tatsächlich häufen sich die merkwürdigen Vorkommnisse und Willis beginnt sich zu fragen, ob der An- und Verkauf von Zeit dafür verantwortlich sein kann. Doch seine Recherchen bringen die Detektive in große Gefahr, denn was sie herausfinden, stellt sie genau in den Krieg, der zwischen den Rebellen und der Firma herrscht. Auf welche Seite soll er sich stellen?


Bewertung


„Rebellen der Ewigkeit“ mag auf den ersten Blick wie eine neue Dystopie auf dem Jugendbuchmarkt klingen, entpuppt sich jedoch viel mehr als eine Mischung aus Science Fiction und Detektivroman mit einigen Höhen und leider auch ein paar Tiefen.

Zunächst einmal fällt der Einstieg in die Geschichte etwas schwer. Viele Perspektivwechsel erwarten den Leser und zwingen dazu, etwas im Dunkeln zu tappen, ehe man Zusammenhänge erkennt und die Charaktere richtig zuordnen kann. Danach jedoch wachsen sie einem schnell ans Herz. Da Willis der Protagonist der Geschichte ist, wird das Hauptmerkmal auf ihn gelegt. Seine Verunsicherung und seine Hin- und Hergerissenheit über die Entdeckungen, die er gemeinsam mit Karelia und Valerie im Laufe der Zeit macht, kommen glaubwürdig rüber. Gerade weil man als Leser auch an seinen Gedanken teilhaben kann, wird er von Seite zu Seite realistischer. Allerdings vermisst man an ihm manchmal das, was dafür Valerie auszeichnet: eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Wo das Mädchen durch ihre Sturheit und ihr besonderes Talent zum Klavierspielen punktet, schleicht sich manchmal bei Willis das Gefühl ein, dass er allein durch seine – zugegeben interessante – Vergangenheit definiert wird. Es fehlen außergewöhnliche Merkmale, Talente oder einfach einzigartige Erkennungspunkte beim Protagonisten, die nicht nur durch seine Vergangenheit, sondern durchaus durch seine Gegenwart geprägt sind.

Dennoch verfolgt man das Geschehen gespannt und lässt sich von der Erzählung mitreißen. Ich war mehr als begeistert davon, wie Gerd Ruebenstrunk es schafft konsequent die Spannung auf einem hohen Niveau zu halten. Die brisante Mischung aus Detektivroman und Sci-Fi ist neuartig und weiß zu überzeugen. Denn anders als eine „gewöhnliche“ Detektivgeschichte, wird in „Rebellen der Ewigkeit“ nicht bloß eine Spur verfolgt und Ermittlungsarbeiten durchgeführt. Es gibt unzählige „Actionszenen“, die den Leser vor Anspannung an den Nägeln kauen lassen. Und das alles eben doch irgendwie im Umfeld einer soliden Ermittlungsgeschichte.

Hinzu kommt, dass man nicht vor unerklärte Tatsachen gestellt wird. Ich rechne es Autoren immer sehr hoch an, wenn sie nicht nur über eine neue Technologie berichten, sondern sie auch zu erklären wissen. So hat man das Gefühl, dass der An- und Verkauf von Zeit gar nicht so unrealistisch ist und fiebert demnach mehr mit. Gerd Ruebenstrunk erklärt für jeden verständlich bereits bestehende Überlegungen aus der Physik und nutzt sie so, dass sein Geschichtengerüst ein solides Fundament erhält – ich weise als Beispiel nur einmal auf „Schrödingers Katze“ hin.

Nur gegen Ende hin dürfte sich bei dem einen oder anderen Leser ein etwas ungutes Gefühl in der Magengegend einnisten. Zuerst ist Ruebenstrunk mutig und schreckt nicht davor zurück, seine Charaktere auch ohne Samthandschuhe anzufassen, geht dann aber wieder drei Schritte rückwärts.

Ohne das allzu rosa-flauschige Ende, wäre „Rebellen der Ewigkeit“ eine beinahe makellose Geschichte, die nicht nur Fans von Science Fiction und Detektivgeschichten begeistern könnte. So ist sie immer noch eine spannende Lektüre mit kleineren Kritikpunkten, die ohne Frage für Spannung und gut konzipierte Unterhaltung sorgt. Dass sie nicht in die Schiene „Dystopie“ greift, sondern sich von dem momentan sehr beliebten Thema etwas distanziert ohne auf innovative Ideen zu verzichten, zeichnet bereits eine gute Anschaffung für das Bücherregal zu Hause aus – also: kaufen, lesen und begeistern lassen!

In Sternen: 4/5

Mein herzlicher Dank für das Rezensionsexemplar geht an BloggDeinBuch und arsEdition!

2 Comments
  • Pia
    Posted at 16:21h, 05 Februar Antworten

    Kommt auf die Wunschliste, danke für die tolle Rezension :D Hoffentlich gefällts mir mehr als die Arthur-Reihe :)

  • admin
    Posted at 16:49h, 05 Februar Antworten

    Die Arthur-Reihe habe ich noch gar nicht gelesen. Was hat dir daran denn nicht gefallen? Bis jetzt habe ich irgendwie am Rande immer mitbekommen, wie begeistert alle davon waren und wollte nun auch mal reinschauen. Aber vielleicht würd mir ja das Gleiche nicht gefallen, was auch dir Probleme bereitet hat. Ich schau am Besten mal… hast ja sicher ’ne Rezension dazu geschrieben ;)

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