Rezension: Oksa Pollock

Rezension: Oksa Pollock

Schon mal Vertikaliert? Oder einen Knock-Bong eingesetzt?


Oksa Pollock ist ein ganz normales Mädchen in Frankreich. Ihr bester Freund Gus und sie verbringen die meiste Zeit zusammen und träumen davon Ninjas zu sein. Als jedoch ein überstürzter Umzug nach London ansteht, verändert sich für die Zwölfjährige alles. Ihr Vater und der Vater von Gus wollen in der englischen Hauptstadt ein eigenes Restaurant eröffnen und kurzerhand werden die beiden Familien gepackt und der Umzug findet inklusive Großmutter Dragomira statt.

Oksa und Gus werden auf eine französische Schule geschickt und müssen gleich am ersten Tag Bekanntschaft mit etwas unangenehmen Zeitgenossen machen: einem Rüpel aus der 9. Klasse und ihrem Klassenlehrer McGraw, mit dem alles andere als gut Kirschenessen ist. Aber es kommt sogar noch schlimmer, denn Oksa bemerkt kurz darauf, dass sie Fähigkeiten besitzt, die nicht gerade alltäglich sind und dazu führen, dass ihre Puppe mitten in der Nacht in Flammen aufgeht.

Ihre neuen Zauberkräfte verunsichern das Mädchen zutiefst und ihr Lehrer benimmt sich so scheußlich, dass sie anfängt auf eigene faust zu Recherchieren um herauszufinden, was McGraw im Schilde führt. Erst als sie ihrer Großmutter ein merkwürdiges Mal zeigt, dass ich überraschend um ihren Bauchnabel gebildet hat, wird sie in ein altes Familiengeheimnis eingeweiht, das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt und zudem ihre Familie und Freunde in große Gefahr bringt.

Die Geschichte um das Mädchen mit der zauberhaften Familiengeschichte beginnt gleich spannend und man wird als Leser in das Geschehen hinein geworfen. Dabei lernt man die einzelnen Charaktere im Buch wunderbar kennen, denn sowohl Oksa als auch ihre Eltern, ihre Großmutter und ihr bester Freund Gus kommen immer wieder zu Wort.
So zeichnet sich gleich ein Bild von der etwas anderen Familie und ihren Freunden. Baba Dragomira hat dabei alle folgenden Generationen im Griff und meistert mit ihren fantastischen Helfern so ziemlich jede Situation.
Besonders die ulkigen Plemplems, kleine menschenähnliche Wesen in Latzhosen, bringen den Leser immer wieder zum Schmunzeln durch ihre tollpatschige Art und ihre Angewohnheit in etwas umständlichen Sätzen zu sprechen.

Mir ist aufgefallen, dass Oksa bisweilen sehr erwachsen für ihre zwölf (beziehungsweise später dann dreizehn) Jahre wirkt: sie neigt zu ironischen, beinahe sarkastischen Bemerkungen und verwendet Wörter wie “Ethik” selbstverständlich. Das mag ganz unterhaltsam wirken und die etwas älteren Leser der Geschichte ansprechen, ich persönlich fand es jedoch etwas befremdlich. Überhaupt konnte ich manchmal nicht umhin mich zu fragen, wieso die Familie Pollock überhaupt in so großen Schwierigkeiten steckt: denn alle Familienmitglieder scheinen so fantastische Fähigkeiten zu haben, dass sie jedem Übel sofort entgegen wirken können. Zumindest, nachdem das Übel geschehen ist.
Es gab also ein gewisses Nervpotential von Seiten der Charaktere, da sie doch manchmal “zu perfekt” wirkten.

Die Sprache des Buches ist relativ einfach gehalten und somit flüssig zu lesen. Nur das Kauderwelsch der Plemplems fordert manchmal dazu heraus sich auf die Sätze konzentrieren zu müssen – was aber nicht schlimm, sondern im Gegenteil recht unterhaltsam ist. Etwas gestört haben mich dennoch die eigens erfundenen Begriffe in der magischen Welt. Da gibt es Fähigkeiten wie das “Vertikalieren”, den “Gründaumen” und die “Filmaugenvorführungen” – ganz zu schweigen von einem Gegenstand namens “Granuk-Spuck” oder einem pelzigen Armband namens “Ringelpupo”. Hier fällt dann doch stark auf, dass das Buch sich an ein jüngeres Zielpublikum wendet und die Wortwahl für ältere Leser zu einfach wirkt. Dabei bin ich der Überzeugung, dass auch Kinder gut mit etwas anspruchsvolleren Begriffen klarkommen – als bestes Beispiel gäbe es da wohl die angelehnt lateinischen Begriffe aus den Harry Potter Büchern.

Da “Oksa Pollock” schon als die weibliche Harry Potter gehandelt wird, möchte ich auch zu diesem Vergleich noch etwas sagen. In der Tat kann man einige Parallelen entdecken: so wirkt der fiese Lehrer McGraw wie eine Mischung aus dem Unsympathen Severus Snape und dem einschüchternden Professor Mad-Eye Moody. Auch einen ungehobelten Schüler wie Draco Malfoy kann man in der Geschichte um die junge Französin entdecken und ihre Großmutter Dragomira wirkt ein wenig wie Albus Dumbeldore: alt und weise, mit vielen Geheimnissen die erst nach und nach ans Licht kommen.
Besonders interessant fand ich auch, dass es in der Welt von Harry Potter Zauberstäbe mit individuellem “Kern” gibt (zum Beispiel aus Phönixfedern) und Oksa Pollock ein so genanntes Granuk-Spuck erhält, das ebenfalls mit individuellen Zutaten maßgeschneidert wird und seinen Besitzer erkennt.
Damit hören die Vergleiche zwischen den beiden Büchern aber eigentlich auch schon auf. Die Welt von Oksa ist auf ihre eigene Art und Weise vielfältig, fantastisch und spannend. Es gibt für den Leser Unglaubliches zu entdecken und nicht selten wird man überrascht aufgrund des Ideenreichtums der beiden Autorinnen.

Insgesamt handelt es sich bei dem Auftakt zur Reihe um die zaubernde “Unverhoffte” um ein schönes fantastisches Buch. Für Leser ab 15 mag es stellenweise etwas kindisch und zu glatt wirken, deshalb empfehle ich es besonders für Kinder und Jugendliche die gerne eine magische Geschichte um Freundschaft, Familie und eine andere Welt lesen möchten. Denn dann hält man mit dem Erstling von Anne Plichota und Cendrine Wolf ein schönes Buch in der Hand, das mit seinem ganz eigenen Charme zu begeistern weiß.

Bewertung: 3/5

Oksa Pollock. Die Unverhoffte von Anne Plichota und Cendrine Wolf
592 Seiten (Hardcover)
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3789145025
19,95€
Erscheint: am 03.03.2011

4 Comments
  • Stephie
    Posted at 12:37h, 24 Dezember Antworten

    Hmm, also so toll wie Harry Potter ist es also doch nicht?

    Ich war ja sowieso etwas skeptisch, worin ich mich jetzt eher bestätigt sehe, zumal du nur drei Sterne vergeben hast ;)

  • Sarah
    Posted at 12:56h, 24 Dezember Antworten

    Also für wesentlich Jüngere ist das Buch sicher toll! Aber es fehlt halt das gewisse Etwas, das zum Beispiel Harry Potter auch für ältere Leser so interessant gemacht hat. Für mich wars also nicht wirklich was weil mich schon gewisse Sachen genervt haben :P

  • Rishu
    Posted at 17:41h, 26 Dezember Antworten

    Ich bin ja erst auf Seite 158 angekommen und hab das Buch erstmal zur Seite gelegt, um mich anderer Lektüre zu widmen. Ich finde das Buch anstrengend. Und die Begriffe sind wirklich gewöhnungsbedürftig, du hast ganz vergessen die Da-Draußen und Rette-sich-wer-kann zu erwähnen XD

  • Miss Bookiverse
    Posted at 16:31h, 28 Dezember Antworten

    Hmm, ich bin nicht überzeugt. Ich glaube ich warte mal die Folgebände ab. So im Rückblick ist ja der erste Harry Potter Band auch nicht so der Knaller sondern wird erst später vielschichtiger und spannender.

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