Rezension: Little Brother

Rezension: Little Brother

„[…] dieser M1k3y steckt in dir und mir…“
(Andrew Huang, Nachwort „Little Brother“)

Dieser M1k3y – oder: W1n5t0n aka Marcus – ist ein 17-jähriger Schüler in San Francisco. Er ist vielleicht nicht genau wie du und ich, denn er ist ein Hacker, ein Computerflüsterer, aber er ist uns verdammt ähnlich.
Und als er und seine Freunde unschuldig verhaftet werden nachdem Terroristen die Oakland Bay Bridge in San Francisco in die Luft gesprengt haben, schwört er Rache. In illegalen Verhören wird er gedemütigt und eingeschüchtert – aber seinen Willen können sie nicht ganz brechen.
Nachdem er wieder feigelassen wird, und San Francisco plötzlich zu einem Ort ohne Privatsphäre mit ständiger Überwachung geworden ist, beschließt er die Regierung und die DHS (Department of Homeland Security) mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen und sich seine Freiheit und Privatsphäre zurückzuholen.

Diesen spannenden, dystopisch angehauchten Thriller konnte ich nur schwer aus der Hand legen. Marcus ist ein unglaublich glaubwürdiger Charakter: er ist nicht der geborene Held, aber ganz sicher steckt in ihm genug Mumm um etwas zu verändern. Mit Hilfe seiner Freunde gründet er eine ganze Bewegung von Jugendlichen, die auf ihre Grundrechte bestehen und nicht akzeptieren, dass die Regierung sie als potentielle Terroristen auf Schritt und tritt überwacht.
Realistisch wird dabei beschrieben, welche Mittel zur Verfügung stehen um totale Überwachung zu garantieren – das hat mir das eine ums andere Male doch einen leichten Schrecken versetzt. Als Leser hat man nicht nur Spaß an der mitreißenden Geschichte, sondern fängt auch an sich zu fragen, wie weit das im Buch geschilderte Szenario eigentlich noch von der Realität entfernt ist. So viel soll verraten sein: nicht sehr weit. Gerade da das Thema staatliche Überwachung auch in Deutschland aktuell in den Medien ist, ist ein Buch wie „Little Brother“ wichtig. Es schärft das Bewusstsein für Dinge, über die man normalerweise nicht nachdenkt, über die man aber dringend nachdenken sollte.

Insgesamt also ein wirklich spannender Thriller der garantiert nicht nur Jugendliche anspricht, sondern für jeden eine Botschaft enthält. Wie Bruce Schneier im Nachwort passend formuliert: „Nimm dir genug Zeit, dann wirst du erkennen, wie anders du plötzlich über die Welt denkst, wie du sie mit ganz anderen Augen wahrnimmst. Also los, […] mach dich auf den Weg. Die Welt steckt voller Sicherheitssysteme. Vielleicht kannst du ja eines knacken.“

Little Brother von Cory Docotorow
ISBN: 9783499215506
Verlag: Rowohlt Tb
489 Seiten (Broschiert)
14,95€

1 Comment
  • Rob Randall
    Posted at 13:51h, 08 Februar Antworten

    Mir hat der Roman auch ganz gut gefallen, wenn er mich auch nicht ganz so vom Hocker gehauen hat…machmal fand ich ihn ein wenig einfach gestickt… aber das ist ja auch ein Jugendbuch :) Aber Recht hast du: Er öffnet für einige Dinge die Augen!

Post A Comment