Rezension: Kuss der Nacht

Rezension: Kuss der Nacht

Achtung: Wer den ersten Teil noch nicht kennt, den erwarten hier unter Umständen kleinere Spoiler!

Vier Jahre sind vergangen, seit Cat das letzte Mal mit Bones zusammen auf Vampirjagd gegangen ist. Mittlerweile arbeitet sie für das FBI und hat ihr eigene Einheit zur Bekämpfung der Untoten aber über ihren Exfreund ist sie – trotz neuer Beziehung – noch nicht hinweg. Aus diesem Grund lässt sie auch einen Bekannten von Bones entkommen, anstatt ihn außer Gefecht zu setzten und muss kurz darauf wieder in ihre Heimatstadt zurückkehren, denn ein grausamer Doppelmord im ehemaligen Haus ihrer Großeltern sieht verdächtig nach dem Werk eines Vampires aus.
Ob sie Bones wieder sehen wird, dort wo alles vor vier Jahren begann? Zunächst einmal muss Cat feststellen, dass ein ganz anderer Vampir es auf sie abgesehen zu haben scheint…

Der zweite Band um die Halb-menschliche Vampirjägerin Cat beginnt gleich wieder mit einer Ladung Action und schlägt die Brücke über die zeitliche Distanz zu ihrer Vergangenheit. Wie bereits in „Blutrote Küsse“ ist die Geschichte eine gute Mischung aus Spannung, Erotik und leichtem Humor. Durch den flüssigen Schreibstil und die kurzen Kapitel kann man sich auch hier wieder leicht verlieren und kann, ohne es zu merken, das Buch von Anfang bis Ende ohne größere Stopps lesen.

Leider sind das aber auch schon so ziemlich alle positiven Aspekte, die das Buch zu bieten hat. Cat selber wirkt nicht mehr so besonders und stark wie im ersten Band – ihr Charakter degeneriert zu einer langweiligen, durchschnittlichen Romanheldin. Auch ihr Wiedersehen mit Bones verläuft vorhersehbar und wenig spektakulär. Dass die beiden noch an einander hängen, wird dem Leser mehr als offensichtlich immer wieder auf die Nase gebunden und alles gipfelt schließlich in einer recht langweiligen Begegnung. Sogar das erwartete (Wort-)Gefecht zwischen den beiden bleibt größtenteils aus.

Besonders gestört hat mich zudem die Entwicklung von Bones als Hauptcharakter. Mittlerweile sind wir Viel-Fantasyleser ja schon daran gewöhnt, dass Vampire übernatürlich gut aussehen, übermenschlich stark und unfassbar schnell sind. Meinetwegen kann ich mich sogar damit abfinden, dass Vampire fliegen können (obwohl ich selbst das schon am Rand zu schmerzhaft empfinde)… aber was Jeaniene Frost sich hier ausgedacht hat, ist der Gipfel des Lächerlichen. Man stelle sich das einmal wirklich vor: eine der vampirischen Superfähigkeiten ist es, dass sie kontrollieren können, wohin ihr Blut fließt! Wirklich! Als ich zu dieser Passage des Buches kam, war ich froh, nicht gerade etwas zu trinken.

Bei mir kommt da die Frage auf: was ist aus dem bösen Vampiren geworden? Denen, die zur Sünde verführen, gar selber die Sünde sind. War es nicht einmal ursprünglich so, dass die Untoten für eine verbotene, dunkle Versuchung standen? Etwas, das metaphorisch für die düstere Seite der Menschen steht? Seit Bella und Edward hat sich scheinbar mehr getan, als dass die blutsaugenden Lover zu Teenieschwärmen wurden – sie werden zunehmend zu schlichten Sexobjekten umfunktioniert (ernsthaft: kontrollieren, wo das Blut hin fließt als vampirische Superfähigkeit???). In diesem Sinne empfinde ich Bones als doppelt nervig und langweilig: bis auf seine übernatürliche Ausdauer hinter geschlossenen Türen, hat der Mann einfach nichts zu bieten. Als Leser erfährt man zu oberflächlich nur etwas über seinen Charakter und sein wahres Wesen, sodass er schlicht ein Lover mit untoter Ausdauer ist. Würde man ihm diese Eigenschaft nehmen, würde niemand mehr einen zweiten Blick auf ihn werfen und sich wünschen, dass Cat endlich einen Freund mit richtigen Wesenszügen findet.

Aus diesem Grunde schwächelt die ganze Story so vor sich hin – weder Spannung noch Mitgefühl wollen beim Lesen so recht aufkommen, da die Protagonisten allesamt „0-8-15“ sind. Gegen Ende wird es sogar noch einmal richtig abstrus und gewisse Sachen, die eigentlich ein großes, ausführliches Happy End verdient hätten, werden viel zu schnell und zwischen den Seiten abgehandelt.

Insgesamt schwindet so beim Leser nicht nur die Freude an der Geschichte, die eigentlich großes Potential hätte, sondern senkt auch gleich schon die Erwartungen für die folgenden Bände auf ein Minimum.

Empfehlenswert ist „Kuss der Nacht“ wohl nur für die leichte Unterhaltung zwischendurch, da es vor sich hinplätschert ohne großartig mitzureißen oder zu begeistern. Wer sowieso schon die Schnauze voll hat von stereotypen Vampiren, der sollte von Jeaniene Frosts Reihe besser die Finger lassen.

Bewertung: 2/5


Kuss der Nacht von Jeaniene Frost
368 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3442266234
8,95€

Die Reihe:
1. Blutrote Küsse
2. Kuss der Nacht
3. Gefährtin der Dämmerung
4. Der sanfte Hauch der Finsternis
5. Dunkle Sehnsucht

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