Rezension: High Fidelity

Rezension: High Fidelity

High Fidelity von Nick Hornby
336 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3426612705
9,99€

Inhalt


Rob wurde sitzen gelassen. Schon wieder.
Wenn er sein Leben Revue passieren lässt, kommt es ihm so vor, als würde er immer sitzen gelassen werden. Seit seiner Jugend scheinen sich alle Frauen gegen ihn verschworen zu haben und lieber mit einem anderen Typen durch zu brennen, als bei ihm zu bleiben. Und so beginnt er sich zu fragen, ob die geballte Mittelmäßigkeit, die er in sich vereint, vielleicht doch nicht so ganz das Wahre ist. Er fragt sich, was da eigentlich immer schief läuft.
Auf einer sehr musikalischen und etwas chaotischen Odyssee begibt er sich deshalb in seine Vergangenheit und versucht zu rekonstruieren, welche Eckpfeiler in seinem Beziehungsleben dafür gesorgt haben, dass er nun, Mitte Dreißig, wieder einmal alleine in seiner Wohnung sitzt, noch immer in dem kleinen Schallplattenladen arbeitet und ihm nichts anderes bleibt, als seine gigantische Schallplattensammlung neu zu ordnen. Ach ja, und irgendwo dazwischen möchte er auch Laura wieder für sich erobern.

Bewertung


„High Fidelity“ ist ein heiteres, schräges Buch darüber, wie Männer erwachsen werden. Wie der Protagonist einen Tiefschlag nach dem anderen durchlebt und sich mit Hilfe einer Menge Musik und einer Reise in die Vergangenheit endlich darüber klar wird, was seine Zukunft noch für ihn bereit hält.

Rob hält sich selber für extrem mittelmäßig. Er sieht nicht schlecht aus, aber auch nicht besonders toll. Er liest ab und zu, schaut Filme und geht ins Kino aber ein Experte ist er auf keinem der Gebiete. Wo er allerdings ein echter Experte ist, ist die Musik. Zunächst war es nur ein Hobby, dann hat er in einem Club als DJ gearbeitet und irgendwie ist er dann in seinem eigenen, kleinen Plattenladen gelandet, der mehr schlecht als recht läuft und wo seine beiden Mitarbeiter Dick und Barry ihm eigentlich einfach nur auf die Nerven gehen. Wenn man so liest, wie er sein Leben beschreibt, scheint er auf Sparflamme zu laufen. Hat nie zu Ende studiert, hat keine großen Ambitionen mehr und fristet sein Dasein einfach nur so ab – wenn auch mit einem guten Soundtrack im Hintergrund. Und wessen Schuld ist das? Robs Meinung nach die seiner Exfreundinnen, die ihm das Leben so richtig versaut haben. So lesen wir gleich auf den ersten Seiten die Liste derjenigen, die ihm am Schlimmsten zugesetzt haben: Alison Ashworth, Penny Hardwick, Jackie Allen, Charlie Nicholson und Sarah Kendrew. Seine jüngste Ex, Laura, steht nicht auf der Liste. Denn gerade genießt er noch seine neu errungen Freiheit. Immerhin kann er jetzt in der Wohnung rauchen wann er möchte, kann treffen, wen er möchte und immer wieder bei neuen Bekanntschaften das aufregende Gefühl der ersten Dates verspüren. Aber wirklich zufrieden ist er auch nicht, denn ansonsten würde er nicht alles daran setzten Laura wieder zurück zu bekommen. Dafür geht auch schon mal unkonventionelle Wege und stolpert zwischen Vergangenheitsrekonstruktion, Gegenwartsaffären und Ambitionen als Stalker so durch sein Leben.

Mir hat dabei gut gefallen, wie ehrlich und ungeschönt Nick Hornby uns Leser in die Psyche seines Protagonisten schauen lässt. Bisweilen saß ich vor dem Buch, musste den Kopf schütteln, dabei etwas grinsen und habe doch nur gedacht: „typisch Mann!“. Denn Rob ist tatsächlich genau so, wie wir Frauen uns einen etwas verwirrten Mann Mitte Dreißig vorstellen. Zumindest einen, der noch nicht so genau weiß wo er eigentlich einmal hin will und was er noch so vom Leben erwarten kann. Und irgendwie ist dieses Bild auch wunderbar übertragbar auf so ziemlich alle Männer jeden Alters. Sex oder doch Liebe? Freiheit oder Beziehung? Marvin Gaye oder doch lieber Aretha Franklin?

Manchmal tut es sogar etwas weh die Geschichte zu lesen. Denn frau möchte Rob in manchen Situationen am liebsten packen und durchschütteln, damit er sich mal zusammenreißt und eine klare Linie in sein Leben bringt. Umso irritierter war ich von Laura, der omnipräsenten jüngsten Ex. Warum will er sich eigentlich nicht an sie binden? Sie scheint ziemlich perfekt zu sein und auch wenn er darauf herumreitet, dass sie ihn hat sitzen lassen, muss ihm dennoch klar sein was er an ihr hatte – ansonsten würde er nicht zehn mal am Tag bei ihr anrufen.
Das ist es dann auch, was mich an dem Buch etwas genervt hat. Vielleicht, weil ich mich einfach nicht in die männliche Psyche versetzen kann, oder weil Rob einfach wirklich etwas schwierig ist. Denn er jammert viel. Sehr viel. Alle sind so ungerecht zu ihm, er hat so wenig Selbstbewusstsein, er sitzt in seinem Plattenladen fest, und sowieso und überhaupt. Wären nicht die ganzen gemeinen Exfreundinnen gewesen, wäre er jetzt sicher nicht so verkorkst.
Das wird auch nicht schlagartig besser, als er endlich beginnt über seine Vergangenheit nachzudenken. Denn was uns Lesern dann schon schnell klar ist, muss er sich erst mühevoll erarbeiten und versaut kurz vorm Ende beinahe noch einmal alles.

Ebenfalls etwas schwierig fand ich die ganzen Anspielungen und Vergleiche auf diverse Musiker und ihre Stücke. Vermutlich muss man selber ein kleiner Musiksnob (oder zumindest -nerd) sein, um „High Fidelity“ in vollen Zügen genießen zu können, denn mir persönlich haben Vergleiche mit Chuck Berry, Marvin Gaye und Aretha Franklin nur ein unwissendes Schulterzucken abgerungen. Kenn ich nämlich alle nicht und habe absolut null Ahnung was für Musik die so gemacht haben. Natürlich versteht man die Geschichte auch ohne dieses Wissen aber ich komme nicht umhin das Gefühl zu haben, dass es mit einer gewissen Musikkenntnis doch noch einmal etwas Schöner gewesen wäre.

Insgesamt ist „High Fidelity“ auf jeden Fall ein nettes Buch, das sich einmal mit der männlichen Seite in Beziehungen auseinander setzt und wunderbar erfrischend davon berichtet, wie man(n) erwachsen wird. Diese Impressionen, die man dort erhält, scheinen ein ums andere Mal tatsächlich genau ins Schwarze zu treffen und sind dadurch wirklich interessant. Vom Hocker gehauen hat mich das Buch allerdings nicht, da Rob mir viel zu wehleidig und anstrengend war. Man muss schon eine gehörige Portion Geduld mitbringen, wenn man ihn auf seinem Weg begleiten möchte. Und ja, vielleicht schadet ein guter Soundtrack im Hintergrund auch nicht.

In Sternen: 3/5

Über den Autor

1957 in Surrey, England geboren, besuchte Nick Hornby zunächst die Universität in Cambridge. Bevor er allerdings anfing als Autor zu arbeiten, verdiente er sein Geld zunächst als Englischlehrer, Journalist und Musikkritiker für den New Yorker. Dann begann er damit Bühnenstücke zu schreiben und entdeckte darüber, dass er auch Talent zum Autor hat. Mittlerweile lebt er in Highbury (London) und kann gut von seiner Arbeit leben. Mehrere seiner erfolgreichen Bücher wurden bereits mit bekannten Schauspielern wie Hugh Grant, John Cusack und Colin Firth verfilmt und begeistern genauso, wie die literarischen Vorlagen.

2 Comments
  • Miss Bookiverse
    Posted at 19:00h, 20 August Antworten

    Kennst du den Film zum Buch? Den mag ich recht gern :) Daher werde ich aber wahrscheinlich nie das Buch lesen, wär einfach langweilig. Nick Hornby kann mich meistens auch nicht so ganz überzeugen, weil er einfach nicht für meine Generation schreibt, habe ich oft das Gefühl, mit den meisten Künstlern aus High Fidelity kann ich nämlich auch nichts anfangen.

  • Katarina Liest
    Posted at 20:26h, 26 August Antworten

    Ich war ewig nicht mehr bei Dir zu Besuch, keine Ahnung warum. Aber ich sehe, ich hab einiges verpasst…

    Von Nick Hornby kenne ich schon „Juliet, Naked“ und „About a Boy“ und mag die Art, wie er seine Geschichten erzählt sehr gerne. Ich bin nun auf der Suche nach einem dritten Hornby – vielleicht versuche ich es einfach mal mit „High Fidelity“, auch wenn der Roman nicht perfekt ist ;)

    LG, Katarina :)

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