Rezension: Hexenschwester

Rezension: Hexenschwester

Wir befinden uns in der Zeit des 30-jährigen Krieges. Clara und Lene sind zwei hübsche Zwillinge, die eigentlich ein gutes Leben bei ihrem Vater, einem Winzer, führen. Aber einer der Mitarbeiter ihres Vaters hat es sowohl Lene als auch Clara angetan: der junge und gebildete Velten.
Als er Clara einen Heiratsantrag macht, bricht für Lene eine Welt zusammen und sie muss ihre Gefühle für den jungen Mann geheim halten. Doch das sind ist nicht das einzige Problem, dass Lene bewältigen muss: immer öfter werden in der Stadt Frauen als Hexen angeklagt und verbrannt und zwischen den Wirren des Krieges und den brennenden Scheiterhaufen muss sie um ihr Leben kämpfen…

Ich mag gar keine historischen Romane. Ehrlich nicht. Allerdings bin ich mit dem Thema Hexenverfolgung immer etwas zu ködern und habe mir deshalb Hexenschwester“ geschnappt und es sogar relativ schnell gelesen.
Die Protagonistin ist Lene, aus deren Sicht man die Jahre 1624 bis 1635 miterlebt. Immer wieder spielt auch ihre Zwillingsschwester Clara eine Rolle, die entscheidend für den ganzen Verlauf von Lenes Leben ist. Zu viel möchte ich nicht von der Handlung erzählen, da es doch sehr verworren ist und nicht unbedingt erwähnt werden kann ohne zu viel zu verraten.
Aber ich kann erzählen, dass sowohl Lene, als auch Clara zwei sehr interessante Charaktere sind. Lene ist eigensinnig, mutig und klug. Sie lieb ihre Schwester sehr und behält ihre Gefühle dem Schwager gegenüber selbstlos zurück. So leidet man als Leser mit der jungen Frau durch dir Jahre die sie erlebt und die Schicksalsschläge, die sie erfährt. Lene wächst einem ans Herz und man gönnt der erstaunlich Selbstständigen eigentlich nichts von den schlimmen Dingen, die ihr widerfahren. Manchmal war ich etwas überrascht darüber wie gebildet Lene daher kommt. Sie kann nicht nur fließend lesen und selber schreiben sondern hat ganz nebenbei auch die eine oder andere revolutionäre (Geschäfts-)Idee. Das war für meinen Geschmack etwas viel des Guten, aber hatte letztendlich keinen großen Effekt auf die Handlung und ist somit eher unwichtig. Im Großen und Ganzen sind alle Charaktere des Buches glaubhaft und interessant gezeichnet. Sie wirken „echt“ und man kann sich die meisten sofort bildlich vorstellen. Meiner Meinung nach ein sehr wichtiges Kriterium um einen historischen Roman realistisch wirken zu lassen.

Lediglich, dass die Geschichte selber so unglaublich verworren ist, hat mich manchmal gestört. Nicht nur der Krieg und die Hexenverfolgung, auch unglückliche Ehen, Vergewaltigung, Kindheitstraumata, Fehlgeburten,… irgendwie kommt alles vor, was man sich nur denken kann. Gegen Ende war ich manchmal etwas genervt davon, dass die arme Protagonistin schon wieder in eine auswegslose Situation geraten ist und dann – siehe da! – doch noch gerettet wird. Bisweilen wirkten die Lösungen der Probleme etwas an den Haaren herbei gezogen und konstruiert, meistens auf jeden Fall sehr dramatisch und nervenaufreibend.

Das mag jetzt nach einer vernichtenden Kritik klingen, ist es aber eigentlich gar nicht. Katerina Timms Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten damit mich in das beginnende 17. Jahrhundert hinein zu versetzen und das Leben zu dieser Zeit ist eindringlich und (meistens) glaubhaft beschrieben. Mit seinen fast 450 Seiten hat man auch mit „Hexenschwester“ einen dicken, historischen Wälzer in der Hand und die ganze Dramatik ist von Vorteil um den Leser über die Zeit nicht zu langweilen. Besonders gefallen hat mir dabei, wie die Beziehung der beiden Schwestern beschrieben wird und wie das Schicksal der beiden verworren ist, sodass ihre Leben gar nicht auseinander zu denken sind. Sogar, wenn die beiden nicht zusammen sind.

Trotz für mich persönlich übertriebener Dramatik und einer etwas überladenen Geschichte mit leicht gequältem Happy End hat mir „Hexenschwester“ erstaunlich gut gefallen. Dafür, dass ich normalerweise historische Romane absolut nicht anfasse, war ich überrascht wie gerne ich das Buch zur Hand genommen und mich darin verloren habe. Für Fans von historischen Romanen und Leuten, die gerne verworrene, überwältigende Schicksale lesen, ist dieses Buch sicherlich empfehlenswert. Ich gebe gerne gute 3 Sterne und bin gespannt ob ich irgendwann über ein weiteres Buch von Katerina Timm stolpern werde – vielleicht traue ich mich dann sogar auch daran.

Bewertung: 3/5


Hexenschwester von Katerina Timm
445 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: List Tb.
ISBN: 978-3548610078
8,95€

No Comments

Post A Comment