Rezension: Hex Hall

Rezension: Hex Hall

Ein kleiner Liebeszauber kann ja nicht schaden…

Doch alles geht schief und Sophie sieht sich wieder einmal gezwungen mit ihrer Mutter umzuziehen. Wie so oft bis jetzt bringen ihre Zauberfähigkeiten nichts als Ärger und dieses Mal scheint es einfach nicht mehr tragbar zu sein: Sophies Mutter schickt sie nach Hecate Hall, einem Internat für Hexen, Feen, Werwölfe und alle anderen magischen Wesen, die besser daran sind ihre Existenz vor den Menschen geheim zu halten.

An ihrem ersten Tag in der so genannten “Hex Hall” geht auch eigentlich schon alles schief, was schief gehen kann: ein Werwolf fällt sie an, die drei beliebtesten Mädchen (die auch noch die drei mächtigsten Hexen dort sind) macht sie sich zum Feind und ihre neue Zimmergenossin ist ausgerechnet der einzige Vampir der Schule. Hinzu kommt, dass sie sich sofort in den Schwarm aller Mädchen, Archer, verliebt, obwohl sie das nun wirklich nicht vor hat. Außerdem wird sie mit Problemen konfrontiert, die ihr bis dahin absolut unbekannt waren: es gibt mehrere Organisationen von Menschen, die es darauf abgesehen haben alle übernatürlichen Wesen von dieser Welt zu tilgen. Darunter die L’Occhio di Dio – das Auge Gottes, wie sich dieser besonders radikale Bund nennt.

Als schließlich mehrere Schülerinnen angegriffen werden und sich herausstellt, dass es schon eine Tote gab, wird zunächst Sophies einzige Freundin verdächtigt, doch sie glaubt an die Unschuld des Mädchens, das eine beinahe ungesunde Vorliebe für knallige Pinktöne hat und zieht als Einzige in Betracht, dass L’Occhio di Dio die so gut geschützten Mauern der Hex Hall durchbrochen haben könnte…

Ich bin ohne große Erwartungen an das Buch heran gegangen. Eigentlich habe ich es mir gekauft, weil das Cover so schön aussah und etwas leichtere Fantasylektüre zwischendurch eine nette Beschäftigung ist.
Dafür wurde ich von diesem ersten Band um Sophie umso mehr positiv überrascht. In der Tat wird das Rad hier nicht neu erfunden und man liest eine typische Geschichte, wie man sie in vielen Fantasy-Jugendbüchern vorgelegt bekommt: Protagonistin im Internat, sie ist irgendwie anders und tut sich schwer damit Freunde zu finden und dann gibt es da ja noch den Schwarm aller Mädchen der zunächst gar nicht nett zu ihr ist…
Dennoch hat “Hex Hall” etwas. Es liegt vielleicht daran, dass die Geschichte sich selber nicht so ernst nimmt. Sophie ist ein angenehmer Charakter mit oft sehr bissigen und witzigen Gedanken. Da alles aus ihrer Perspektive erzählt wird, kann man häufig nicht drum herum laut zu lachen wenn sie gedanklich das Geschehen kommentiert. Mit ihrer Art jedenfalls kann man sich als Leser gleich anfreunden und ist gespannt, wie es ihr weiter im Internat ergehen wird. Die Nebencharaktere wirken noch etwas oberflächlich gezeichnet und entsprechen leider oft dem Klischee (bzw. absichtlich dem Anti-Klischee, was alles ja irgendwie doch wieder zu einem Klischee werden lässt). Im Verlauf des Buches bekommen aber sogar die drei zickigen Diven der Schule etwas Tiefgang und auch der Schönling Archer wird zunehmend sympathischer. Insgesamt ist der Schreibstil so locker und lustig, dass die knapp 320 nur so dahinfliegen und manch inhaltliche Schwäche gar nicht weiter auffällt.
Als weiterhin positiv zu vermerken finde ich die Ideen, die Rachel Hawkins verarbeitet. Nur am Rande liest man immer wieder etwas über Werwölfe, Feen oder andere Wertiere – aber diese Beschreibungen sind herrlich komisch und einfallsreich zugleich. In einer Szene sabbert zum Beispiel ein Mädchen Sophie auf die Schulter und entschuldigt sich etwas peinlich berührt mit einem “‘tschuldigung, das ist so ein Werwolf-Ding”. Im Kontext ergeben solche Stellen die Highlights, die das Buch ausmachen und dafür sorgen, dass man gar nicht genug von der Geschichte bekommen kann.
Ich selber war jedenfalls vom angenehmen Schreibstil, den zwischendurch originellen Ideen und der leichten Lektüre begeistert und freue mich darauf, dass im März der zweite Band erscheinen wird. Volle Punktzahl gibt es nur nicht, weil die Rahmenhandlung relativ vorhersehbar und nicht gerade neu ist.
Für alle Fans von Fantasyliteratur, die sich selber nicht zu ernst nimmt, witzigen Dialogen und einer Prise Spannung ist das Buch auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung. Man sollte nur aufpassen, dass man nicht an öffentlichen Plätzen plötzlich anfängt laut zu lachen und nicht mehr aufhören kann. Ist mir nämlich passiert und hat mir ein paar irritierte Blicke eingebracht ;)

Bewertung: 4/5


Hex Hall von Rachel Hawkins
336 Seiten (Hardcover)
Verlag: Hyperion Book CHSprache: Englisch
ISBN: 978-1423121305
12,45€

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