Rezension: Grave Mercy

Rezension: Grave Mercy

Grave Mercy – Die Novizin des Todes von Robin LaFevers
544 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570401569
14,99€

 


Ismae ist erst vierzehn Jahre alt, als ihr Vater sie verheiratet. Seiner Meinung nach liegt ihm die ungewünschte Tochter schon viel zu lange auf der Tasche und als er endlich jemanden findet, der sie trotz ihrer Narben will, ist er nur allzu froh sie endlich los zu werden. Doch Ismae merkt sofort, dass ihr zukünftiger Mann ihrem Vater in seinem Temperament und seiner Brutalität ähnelt. Daher zögert sie nicht lange als sich die Gelegenheit bietet der Heirat und dem trostlosen Leben, das vor ihr liegt, zu entkommen. Sie nimmt die Hilfe eines Fremden an und flüchtet in das Kloster St. Mortain. Dort wird sie aufgenommen in den Kreis der Frauen, die noch immer den alten Göttern dienen – und die sich dem heiligen Mortain, dem Tod, verschrieben haben. Ismaes Ausbildung umfasst nicht die konventionelle Erziehung einer jungen Dame obwohl sie sich ebenfalls über die Sitten am Hof informieren muss. Viel mehr wird ihr beigebracht wie man tötet: auf hundert und mehr Wegen.

Als ihre Ausbildung nach drei Jahren abgeschlossen ist, bekommt sie ihren ersten Auftrag. Sie soll sich an den Hof der Herzogin der Bretagne begeben und die Verräter des Landes aus dem Weg schaffen. Doch die Intrigen und Verstrickungen des Adels gehen tiefer, als sie zu glauben scheint und als sie den Befehl bekommt einen vermeintlichen Verräter umzubringen, weiß sie nicht mehr ob sie ihrem Herzen oder ihrer Berufung folgen soll…

 

Der Auftakt zu Robin LaFevers historischer Fantasy-Trilogie besticht durch seine Andersartigkeit und hebt sich mit viel Gefühl und einer starken Heldin von der Masse ab.

Da das Buch im Jahr 1485 beginnt, ist einem sofort klar, dass Ismae es als junges Mädchen nicht einfach haben kann. Doch was gleich zu Anfang liest, verschlägt einem erst einmal die Sprache. Ismae berichtet darüber, dass sie von einer furchtbaren Narbe gezeichnet ist weil ihre Mutter sie mit Gift töten wollte, noch bevor sie überhaupt geboren war. Ihre Mutter starb schließlich und sie bleibt als Überlebende mit einem sie verachtenden Vater zurück. Die Verheiratung könnte beinahe ein Segen sein um seinen Schlägen und seinem Hass endlich zu entkommen, doch scheint ihr Mann aus einem ganz ähnlichen Holz geschnitzt zu sein wie der Tyrann zu Hause.

Man atmet erleichtert auf, als sie die Flucht ins Kloster antritt und fühlt mit ihr mit, als sie dort beginnt sich einzuleben. Und trotz all der schlechten Erfahrungen, die sie bis jetzt machen musste, ist Ismae eine sehr liebenswerte und selbstbewusste Protagonistin. Mit jeder Seite schließt man sie mehr ins Herz und durchlebt mit ihr gemeinsam wie sie zu einer starken jungen Frau heranwächst.

Gerade ihr Mut und ihr freches Mundwerk sind es auch die man zu schätzen weiß, als sie auf Gavriel Duval trifft. Sie traut ihm nicht und lässt sich nur ungerne auf die Aufgabe ein mit ihm gemeinsam an den bretonischen Hof zu reisen um die Herzogin zu beschützen. Immer wenn sie und Duval an einander geraten, sind Wortgefechte an der Tagesordnung und überzeugen mit ihrem Witz und Charme schnell so weit, dass man als Leser schnell ahnt, wohin sich das entwickeln wird.

„Ich tröste mich mit dem Wissen, dass es, falls Duval sich je von mir erdrückt fühlt, daran liegen wird, dass ich ein Kissen auf sein Gesicht halte und Mortain seine Seele empfehle.“ (S. 232)

Umso schöner ist es, dass Robin LaFevers ihren Charakteren genügend Zeit gibt um sich zu entwickeln. Erst einmal findet Ismae zu sich selber anstatt sich Hals über Kopf zu verlieben. Und genau dieser Werdegang umwebt die ansonsten sehr spannende Geschichte mit leisen Tönen.

Da es sich um einen historischen Roman handelt, ist tatsächlich nicht das Fantasyelement im Vordergrund, sondern die Geschichte der Herzogin der Bretagne, die zu der Zeit in ständiger Bedrohung durch Frankreich lebte. Ismae begibt sich an den Adelshof und mischt sich mitten unter die Herzogin, ihre Familie und ihre Berater. Dadurch liegt der Fokus stark auf dem höfischen Leben und den Intrigen, die scheinbar damals über Tod und Leben entschieden. Ähnlich faszinierend und verstrickt habe ich bis jetzt nur in Philippa Gregorys Büchern über das englische Königshaus (z.B. „Die Schwester der Königin“) einen Einblick in diese Zeit bekommen. Denn selbst wer kein großer Fan von historischen Romanen ist (wie zugegebenermaßen ich), der wird sich hier sehr gut unterhalten fühlen und mitfiebern, mit raten und sich nicht zuletzt auch mitreißen lassen von all den Ränkespielen, die dem Adel das Leben schwer gemacht haben.

„Dieser ganze Raum stinkt nach Verzweiflung und Verrat.“ (S397)

Nicht nur der Inhalt, auch die Sprache der Erzählung erinnern dabei an einen typischen historischen Roman. Der Einstieg in das Buch ist daher vielleicht nicht ganz einfach, doch gewöhnt man sich schnell daran und Robin LaFevers macht es ihren Lesern mit ihrem bildhaften Schreibstil und Wortwitz leicht sich darin zurecht zu finden.

Die Mischung aus historischem Roman und Fantasy wird durch die starke Persönlichkeit Ismaes wunderbar herüber gebracht, sodass man der toughen Heldin gerne über die Schulter schaut und gar nicht merkt, dass das Buch über 500 Seiten umfasst.

Für mich weniger ein üblicher Fantasyroman als eine außergewöhnliche Geschichte zum Schmökern, sich verlieben und Spaß haben. „Grave Mercy“ stellt den Auftakt zu einer Trilogie, die bereits im ersten Band überzeugt und hoffentlich bald mit den Fortsetzungen für weitere schöne Leseabende sorgt.

In Sternen: 5/5

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3 Comments
  • Melissa
    Posted at 19:32h, 31 August Antworten

    Zu diesem Buch gibt es so geteilte Meinung, ich weiß da immer noch nicht, ob ich es lesen will…*grübel*
    Aber deine Rezension klingt wirklich toll!

  • Sarah
    Posted at 10:15h, 01 September Antworten

    @Melissa: Stimmt, ich habe auch schon viele schlechte Rezensionen gesehen. Aber mir hats gefallen ;) Man darf vielleicht auch einfach nicht mit der Erwartung dran gehen, dass es sich um ein Fantasybuch handelt sondern muss im Kopf behalten, dass der Schwerpunkt auf historischer Erzählung und einer Liebesgeschichte liegt :)

  • Vivi
    Posted at 13:01h, 24 Oktober Antworten

    Ich hab das Buch letztens erst in der Buchhandlung gesehen und wusste nicht ob ichs mitnehmen soll, aber nach der rezi scheint es ja sehr gut zu sein ;) Vielleicht wenn ich das nächste Mal davonstehle…

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