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Maikes Leben verläuft nicht annähernd so, wie sie es sich vorgestellt hat: ihr Freund verlässt sie knall auf Fall, das Jurastudium kann sie – dank erneut verpatzter Prüfung – nun endgültig an den Haken hängen und einen vernünftigen Job hat sie auch nicht. Mit beinahe 30 Jahren im Sonnenstudio für gerade einmal 7,50 Euro die Stunde zu arbeiten, deckt nämlich nicht annähernd das, was sie eigentlich für ein Leben in Hamburg brauchen würde.
Zum Glück gibt es noch ihre beste Freundin, Cousine und gleichzeitig Coach Kiki: sie übernimmt den Löwenanteil der Miete, tröstet Maike und erträgt seit Jahren geduldig jede Stimmungsschwankung der 29-jährigen.
Außerdem lässt sie sich dazu hinreißen ihrer Cousine ein kostenloses Lebenscoaching zu erteilen und erklärt ihr das Gesetz der Anziehung: Wünscht man sich etwas nur fest genug, dann kann es auch wahr werden. Ganz ähnlich dem Spruch „Wie es in den Wald hineinruft, schallt es auch wieder heraus“, sodass eine positive Lebenseinstellung automatisch zu einem positivem Leben führen soll.
Genau das, was Maike also gut gebrauchen kann. Blöd nur, dass sie es gleich etwas übertreibt mit den Wünschen und sich das Leben ihrer Cousine herbeisehnt: erfolgreich, glücklich vergeben und ohne finanzielle Sorgen sein. Da geht nicht nur erwartungsgemäß ein bisschen schief, sondern Maike erlebt auch einen schrecklichen Schlag, mit dem sie niemals gerechnet hätte.
Ob sie dennoch ihr Leben in die Hand nehmen kann und sich (fast) alles wieder zum Positiven wendet?

Eine Rezension zu schreiben, fällt mir dieses Mal nicht gerade leicht. Ab und zu lese ich gerne Bücher aus der berühmten „Chick-Lit“-Ecke, aber normalerweise mache ich einen kleinen Bogen um die Regale in den Buchhandlungen, die geradezu von pinken, lilanen und glitzernden Büchern mit Herzchen und frechen Sprüchen drauf, überquellen. „Goldstück“ hat mich zwar nicht enttäuscht, aber auch nicht gerade von sich und dem Genre überzeugt.

Zunächst habe ich das Buch einfach nur „heruntergelesen“ und mich teilweise schon sehr über Maike amüsiert. Sie ist zum Glück weder eine perfekt aussehende Protagonistin, noch wird ständig – und meiner Meinung nach viel zu gewollt – betont, dass sie „pummelig“ oder „durchschnittlich“ oder etwas Ähnliches ist (denn genau das läuft einem ja im Moment ständig über den Weg. Diese pseudo „ich-betone-aber-ganz-ganz-dolle-dass-es-hier-um-eine-normale-Frau-geht“-Bücher).
Insofern fand ich es sehr angenehm über Maike und ihr etwas lädiertes Gefühlsleben zu lesen. Nach knapp der Hälfte des Buches hatte sie sich dann aber so unglaublich in Schwierigkeiten gebracht, dass ich schon gar nicht mehr weiter lesen wollte. Da kam so langsam die Erkenntnis, dass es sich hier um eine Geschichte handelt, in der die Protagonistin erst einmal in Selbstmitleid versinkt und dann von einer Lüge in die nächste tappt, sich immer weiter reinreitet und verstrickt – und das ganz unnötig. Wenn ich schon als Leser vor einem Buch sitze und die Protagonistin schütteln und sie anbrüllen will („Verdammt, sag doch einfach die Wahrheit! So schlimm ist es gerade noch nicht!“), dann bin ich immer etwas genervt.
Weiter habe ich natürlich trotzdem gelesen, denn neugierig war ich ja doch irgendwie, wie Maike es schaffen will dem Mann ihrer Träume zu erklären, warum er sie seit Monaten (!) mit einem falschen Namen anspricht. Auch beim Küssen. Oder vermutlich noch privateren Dingen.
Das war dann auch mein so ziemlich größter Kritikpunkt: Vermutlich ist es ganz normal, dass man hin und wieder um eine Lüge nicht drum herum kommt. Und als Maike ihren Traummann kennen lernt, bietet es sich gerade an, dass sie kurz in eine andere Rolle schlüpft und sich nicht als sie selbst zu erkennen gibt. Dann aber trifft sie sich weiterhin mit ihm, fängt eine Beziehung mit ihm an und führt diese dann auch über 3 Monate hin. Da frage ich mich schon: wie realistisch ist das? Oder eher: Wo liegt die Schmerzgrenze? Meine persönliche Schmerzgrenze jedenfalls war irgendwann überschritten.
So war ich auch heilfroh, als gegen Ende doch noch die Wahrheit raus kam und sogar noch ein schönes Ende in Sicht war. Damit meine ich nicht das etwas sehr rosane Ende der Geschichte, sondern die Botschaft, die das Buch vermittelt: nimm dein Leben selbst in die Hand, jammer nicht bloß rum und lass dich nicht in eine Rolle zwängen.

Dafür jedenfalls gab es schon gleich wieder einen Punkt mehr in meiner Bewertung.

Abschließend kann ich sagen, dass ich zwar stellenweise sehr genervt von der Protagonistin und der Entwicklung der ganzen Geschichte war, ich jedoch auch an vielen Stellen zumindest schmunzeln musste. Mit „Goldstück“ hält man ein solides Frauenbuch in der Hand, das wohl genau das Richtige für alle Fans der pink-glitzernden Abteilung in der Buchhandlung ist.

Bewertung: 3/5


Goldstück von Anne Hertz
354 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN: 9783426638705
8,95€

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9 Comments

  • Cara 8. Juni 2010 19:00

    Ich habe bisher nur ein Anne Hertz Buch gelesen, und war ja auch nicht so begeistert. Falls du meine Rezension noch nicht kennst: http://the-lines-between.blogspot.com/2010/06/anne-hertz-gluckskekse.html

    Irgendwie ist Chicklit nicht so meins. Hast du mal einem Frauenbuch 5 Sterne gegeben? Das würde mich schon interessieren!

    lg, Cara

  • Sarah 8. Juni 2010 19:42

    Mhmm kommt drauf an wie eng man den Begriff Chicklit fasst. Kerstin Gier gehört meiner Meinugn nach als Autorin schon dazu… aber auch mit Rubinrot/Saphirblau? Die haben beide 5 Sterne von mir bekommen. Ansonsten habe ich die volle Punktzahl noch nicht an ein Chicklit-Buch vergeben, soweit ich mich erinnern kann. 4 Sterne kamen dafür schon öfters vor, z.B. bei „Me and Mr. Darcy“ von Alexandra Potter oder „Die Knebel von Mavelon“ von Steffi von Wolff weil ich beide Bücher herrlich witzig fand :)

    Hattest du denn schon mal ein Frauenbuch, das dich vom Hocker gehauen hat? „Glückskekse“ scheint mir vom Inhalt her schon so unglaublich vorhersehbar zu sein ^^ Kein Wunder, dass du nicht komplett begeistert warst :)

  • Pia 8. Juni 2010 19:46

    Wow, nach der Rezension werde ich das Buch sicher nicht kaufen… Gott sei dank hab ich die Rezension gelesen, denn ich wollts mir eigentlich kaufen, da hätt ich mich auch nur geärgert ._.

    • Sarah 8. Juni 2010 19:50

      Naja, wenn du normalerweise gerne und oft Bücher aus dem Genre liest, wird dir das hier bestimmt auch gefallen. Ich fand das Buch auch nicht grottenschlecht… nur hat mich eben zu viel gestört um es als 4-Sterne-Buch (oder gar besser) zu bewerten ;)
      Auf jeden Fall will ich niemanden vergraulen und plädiere immer dafür, dass sich jeder seine eigene Meinung bildet :)

  • Stephie 8. Juni 2010 19:50

    Also das „Fazit“ klingt ja doch eher positiv, die Sterne machen allerdings einen anderen Eindruck

  • Sarah 8. Juni 2010 19:54

    Neee, das Fazit ist eher: mir hats nicht gefallen, aber ich bin fast sicher, dass Fans von Frauenbüchern mit „Goldstück“ richtig liegen dürften ;)

  • anne 9. Juni 2010 19:10

    Also mir hatte es wirklich gut gefallen gehabt! Aber ich bin auch son typischer Kitsch-/ Frauenromanleser!!
    Man muss es mögen! ;)

    • Sarah 10. Juni 2010 14:36

      Ab und zu lese ich auch sehr gerne Frauenromane, so ist es ja nicht ;) Finde es auch total schade, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Vielleicht bin ich einfach mit zu hohen Erwartungen an Goldstück herangegegangen :(

  • Ailis 16. Juni 2010 19:39

    Ich kann gut verstehen, was dich an dem Roman gestört hat, mir ging es vor kurzem genau so! :)

    Schöne Seite übrigens!

    Liebe Grüße,
    Ailis

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