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Shadow Falls: Geboren um Mitternacht von C.C. Hunter
503 Seiten (Broschur)
Verlag: Fischer Fjb
ISBN: 978-3841421272
14,99€


Vom Freund verlassen, vom Vater im Stich gelassen, von einem mysteriösen Soldaten gestalked und von der Mutter in ein Camp für Schwererziehbare gesteckt. Kylie kann gar nicht fassen, wie viel in ihrem Leben schief geht. Daher ist sie auch alles andere als begeistert, als sie erfährt, dass sich im Camp zwar keine schwererziehbaren Jugendlichen, dafür aber Hexen, Vampire, Werwölfe und Co. tummeln – und sie soll eine von ihnen sein!

Doch Ablenkung von der Identitätskrise folgt schnell. Zum einen wäre da der ehemalige Nachbar aus Kindheitstagen, der sich nun als verboten gut aussehender Werwolf entpuppt und auch noch ein Auge auf sie geworfen zu haben scheint. Oder der nette und ebenso gut aussehende Derek, der sie irgendwie an ihren Exfreund erinnert. Aber etwas geht nicht ganz mit rechten Dingen zu. Agenten der Regierung tauchen immer wieder im Camp auf und drohen schließlich damit, es zu schließen. Für Kylie und ihre Freunde steht fest, dass sie das verhindern müssen und versuchen herauszufinden, woher die Bedrohung kommt…

„Geboren um Mitternacht“ ist der Auftakt zu einer Fantasy-Jugendbuchreihe, die für Fans von House of Night oder Vampire Academy etwas sein dürfte. Trotz einiger Schwächen bietet es einen durchaus gut lesbaren Einstieg in Kylies Welt.

Wobei Kylie selber gleich auf den ersten Seiten einen Vorgeschmack darauf gibt, auf was man sich als (älterer) Leser einstellen muss: sie ist kindisch. Mit ihren sechzehn Jahren steckt sie mitten in der Pubertät und ihre Hormone spielen verrückt. Kein Wunder, dass sie sich nicht zwischen dem Werwolf Lucas und Derek entscheiden kann. Ist der eine doch so dunkel und gefährlich wie die Nacht, der andere hingegen hell und fröhlich wie ein Sommertag. Abgesehen vom Liebesdreieck beschäftigen sie natürlich auch noch andere Sachen. Wie zum Beispiel die Scheidung ihrer Eltern, ihre Identitätskrise und nicht zuletzt auch der Soldatenstalker, der sich als Geist entpuppt. Kylie erfährt nämlich im Camp, dass sie ebenso eine Übernatürliche ist, wie die anderen in Shadow Falls – doch was, das bleibt für alle ein großes Geheimnis.

Abgesehen von den beiden potentiellen Freunden Lucas und Derek gibt es im Camp natürlich noch andere Schüler. Für einige lustige Einlagen sorgen definitiv die Hexe und die Vampirin, mit denen sich Kylie ein Wohnhaus teilen muss. Die beide lassen nämlich täglich die Fetzen fliegen und entwickeln dadurch den einen oder anderen „running gag“. Andere Nebencharaktere erhalten im ersten Band leider noch nicht ganz so viel Spielraum und bleiben eher den Stereotypen „böse“, „schüchtern“ oder „hormongesteuert“ treu.

Gefallen werden allen Verfechtern von Neuerungen, wie C.C. Hunter das Miteinander der verschiedenen Übernatürlichen beschreibt. Natürlich gibt es verfeindete Gruppen (die man auch aus anderen Büchern kennt), doch fügt die Autorin immer wieder interessant Details hinzu, die einen doch beim Lesen an der Stange halten. Dazu gehört die Möglichkeit von Übernatürlichen einander zu „lesen“ und so zu erfahren, welcher Gruppe diese angehören. Dass dies ausgerechnet bei Kylie nicht möglich scheint und so eine schnelle Auflösung ihrer Identitätskrise verhindert, macht eigentlich den Hauptreiz des Buches aus.

Weniger gelungen erscheint mir dafür aber so ziemlich alles andere. Zum einen nervt das allzu offensichtliche und am Reisbrett konstruierte Liebesdreieck. Mehr Klischees wären beinahe nicht möglich, wenn man bedenkt dass Kylie sich selbst nicht besonders attraktiv findet, dafür aber die beiden bestaussehendsten Übernatürlichen des Camps ihr zu Füßen liegen. Davon einer der mysteriös-gefährliche Werwolf, der andere ein lieber, braver Feen-Mann. Hinzu kommt der etwas befremdliche Faktor der gesamten sexuellen Spannung zwischen Kylie und den beiden Männern. Denn an manchen Stellen im Buch darf man schon mal überrascht über die direkte Ausdrucksweise der Autorin sein. An sich nicht schlimm, doch im Kontext der ansonsten doch sehr kindischen Charaktere einfach nicht „rund“ und irgendwie falsch.

Einige Stellen im Buch sind von Humor durchzogen, der geradezu Slapstick-Charakter hat. Muss man mögen oder ignorieren können, ansonsten wird man vermutlich häufig bei der Lektüre mit den Augen rollen (ich erinnere besonders an die Szene, in der Perry Kylie seine Fähigkeiten demonstrieren soll).

All diese leichten Schwächen würde ich dem Buch aber ohne zu zögern verzeihen, wenn nicht der Klappentext schon falsche Erwartungen geschürt hätte. Die mysteriöse Bedrohung, die das Camp heimsucht, erscheint nämlich erst auf den allerletzten Seiten überhaupt einmal. Davor weiß man gar nicht, dass sie überhaupt existiert und ist knapp 450 von 500 Seiten damit beschäftigt das ganze Teenie-Drama und Hin und Her zwischen Kylie und den Jungs zu verfolgen. Von Spannung und Action keine Spur, dafür aber viel Herzschmerz, kindisches Geschmolle, Streiterein und Spaziergänge im Wald.

Wirklich faszinierend daran ist jetzt aber, dass das Buch dennoch leicht und angenehm zu lesen ist. Wenn man sich lesetechnisch etwas berieseln lassen möchte, ist „Geboren um Mitternacht“ genau das passende Buch. Es ist an den richtigen Stellen lustig und hält einen immer auf Trab – und wenn auch nur, weil man kopfschüttelnd das ganze Drama verfolgt. Jüngere Leser (zwischen 12 und 16 Jahre) dürften mit meinen Kritikpunkten auch keine Probleme haben und sind sicher vom Auftakt dieser Reihe mehr als begeistert. Nur wer schon aus der Pubertät raus ist und überlegt das Buch zur Hand zu nehmen, sollte meine Kritik vorher überdenken um Enttäuschungen zu vermeiden. Insgesamt bietet „Geboren um Mitternacht“ eine solide Mischung aus Fantasy, Liebesgeschichte und Internatsgechichte, die zumindest das Potential hat in den folgenden Bänden noch mit mehr Spannung und weniger kindischem Verhalten zu begeistern.

In Sternen: 2/5


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5 Comments

  • crini 8. Juli 2012 16:18

    Klingt schwer danach, als würde das Buch bei mir ne ziemliche Bruchlandung hinlegen. Mich hat es immer gereizt weil ich es total mag, wenn man viele verschiedene Wesen in einer Geschichte hat, aber die Dinge die du so kritisierst wären genau die, die mich auch stören würde.
    Mal sehen ob ich bald mal anlese, damit es vom Sub runter kommt :D

  • Sarah 9. Juli 2012 11:33

    Normalerweise mag ich ja sogar „leichte“ Bücher sehr gerne. Deshalb hatte ich mich total auf das Buch gefreut… aber irgendwie… ach, wir wurden nicht warm miteinander. Vielleicht geht es dir ja auch ganz anders. Ich bin jedenfalls gespannt, was du dann hinterher sagst ;)

  • Bücherphilosophin 15. Juli 2012 22:20

    Ich hatte mit dem Hörbuch geliebäugelt, aber nun weiß ich nicht mehr so recht…

    LG, Katarina :)

  • Ladys-Books 21. Juli 2012 13:44

    Hey!

    Du bekommst von uns den „Liebster Blog Award“!
    Schau bitte auf http://ladys-books.blogspot.co.at/ vorbei.

    Liebe Grüße! :)

  • Elle 24. Juli 2012 19:32

    Tolle Rezi ! Ich dachte das Buch wäre ein potenzieller Anwärter in meinem Buchregal, sieht wohl nicht so aus. Eigentlich wäre es genau meine Genre, doch jede Rezension, die ich zu diesem Buch gelesen habe, hat es nicht sehr gut bewertet.

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