Rezension: Faunblut

Rezension: Faunblut

Faunblut von Nina Blazon
480 Seiten (Hardcover)
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570160091
18,95€

Inhalt


Es sind düstere Zeiten in Jades Stadt. Angriffe der geheimnisvollen Echos mehren sich und Jades Existenz hängt an einem seidenen Faden – am Wohlwollen einer grausamen Herrscherin, die ihr Gesicht hinter einer Maske aus Eisen verbirgt. Dann kommen Jäger in die Stadt und mit ihnen der fremde Faun, der das Mädchen mit den flussgrünen Augen ganz und gar in seinen Bann zieht. Doch Jade muss schnell erkennen, dass er sie und er auf verschiedenen Seiten stehen, als sich Aufstände gegen die Herrscherin erheben und sie beginnt daran zu zweifeln, dass die Echos wirklich so gefährlich sind, wie den Bewohnern der Stadt immer erzählt wird. Verstrickt in den Kampf der Rebellen und der Herrscherin, will Jade eigentlich nur den Glauben an eine bessere Zukunft und ihre Liebe nicht verlieren. Wie sie sich jedoch entscheidet – sie scheint niemals beides haben zu können…

Bewertung


Mit „Faunblut“ hat Nina Blazon eine eigene Welt geschaffen, die unserer zwar ähnelt, aber in so vielen Belangen zugleich exotisch, zauberhaft und fremd ist, dass man in ihr versinken möchte.

Auch Jade scheint in vielerlei Hinsicht dem Wasser nahe zu sein. Ihre Augen sind grün wie die Wila; der Fluss, der direkt neben der Gaststätte ihres Vater fließt. Der Fluss, der immer wieder über seine Ufer tritt und den Keller ihres Zuhauses überflutet. Der Fluss, aus dem ihr Spiegelbild ihr zuwinkt. Und nicht zuletzt der Fluss, auf dem das Flussvolk lebt – unter ihnen ihr bester Freund Martyn. So wie das Wasser ungehindert durch die Stadt fließt, wünscht sich auch Jade ein befreiteres Leben. Die harten Gesetze und Regeln der Herrscherin scheinen sie bisweilen zu erdrücken und langsam schleicht sich der Gedanke des Widerstandes in ihren Kopf. Es ist von daher nicht verwunderlich, dass sie auf die Echos neugierig wird. Diese fremdartigen Wesen tauchen erst seit kurzem vermehrt in der Stadt auf und obwohl immer wieder gepredigt wird sie seien gefährlich, will Jade mehr über sie erfahren. Erst, als dann Faun aus dem Nordland auftaucht und im Auftrag der Lady diese mysteriösen Wesen jagt, beginnt alles für sie noch viel komplizierter zu werden. Eigentlich schon viel zu tief drin in den Geschehnissen um noch einen Rückzieher zu machen, beginnt das Mädchen ein gefährliches Spiel.
Als Leser verfolgt man diese Verstrickungen bisweilen atemlos und voller Spannung, hat schon beiahe keine Hoffnung mehr, dass es irgendwie gut ausgehen kann. Dabei fiebert man mit Jade jede Sekunde mit, denn man schließt das etwas eigensinnige Mädchen schnell ins Herz.

Faun hingegen bleibt zunächst ein Mysterium. Er tritt zu Anfang sehr arrogant und gefühlskalt auf – ändert sein Verhalten jedoch schnell, als er Jade näher kennen lernt. Genau wie sie ihre Geheimnisse hat, scheint auch er etwas zu verbergen und ist erpicht darauf, dass es nicht ans Licht kommt.
Meiner Meinung nach war es etwas schade, dass Faun das gesamte Buch über eine gefühlte Randfigur bleibt. Immerhin wird seine Liebesgeschichte mit Jade bereits auf dem Buchrücken groß betont. Um diese verbotene Liebe der beiden Jugendlichen allerdings als das Hauptmerkmal zu sehen, bleibt Faun viel zu undurchsichtig. Es wird zwar sehr zart und einfühlsam beschrieben, wie beide ihre Zuneigung zu einander entdecken – aber eine richtige Romeo und Julia Geschichte konnte ich hier nicht entdecken. Dafür nimmt Jades Werdegang und ihr persönlicher Kampf für ein besseres Leben zu viel Platz ein.

Wer also durch und durch eine Liebesgeschichte erwartet, wird hier vielleicht bitter enttäuscht werden. Viel mehr geht es um Geheimnisse, um einen Kampf zwischen verschiedenen Völkern, Macht und sogar Politik. Mich hat besonders fasziniert, wie Nina Blazon so geschickt schauerliche Fantasyelemente zu einer Geschichte verstrickt, die dennoch ganz realistisch und klug erzählt daherkommt. Nicht bloß schwarz oder weiß existieren – die Autorin stellt gekonnt eine ganze Palette von Grautönen dar.

Gerade auch Nebencharaktere wie die Jägerin Moira, Jades beste Freundin, ihr Vater oder der (vielleicht nicht ganz so verrückte) Ben tragen mit kleinen aber bedeutenden Aspekten zum Gesamtwerk der Erzählung bei.

Ebenfalls absolut bemerkenswert und wunderschön sind wieder einmal die Bilder, die beim Lesen vor den Augen entstehen. Die Beschreibung der Lady, die in einem trostlosen Palast herrscht und sogar Asche in ihren Wein kippt, sorgen für eine dichte Atmosphäre und manchmal sogar etwas Gänsehaut.

Für fünf Sterne reicht es bei mir aber dennoch nicht, denn ich hätte gerne noch mehr über die Welt, in der Jade lebt, erfahren. Man lernt viel über die Umstände und erhält immer wieder kleine Einblicke – aber ganz und gar möchte sich dem Leser diese Welt nicht erschließen und bleibt merkwürdig distanziert und unergründlich. Auch, dass die angepriesene Liebesgeschichte meiner Meinung nach nicht im Mittelpunkt steht, war für mich eine große Überraschung, die beim Lesen etwas für Verwirrung gesorgt hat.

Im ganzen betrachtet ist aber auch „Faunblut“ wieder eine gelungene Erzählung, in der man gerne für einige Stunden abtaucht. Ein wenig schaurig, ein bisschen romantisch, sehr spannend, geheimnisvoll und einfühlsam erzählt auf jeden Fall. Für alle Fans von intelligenter Fantasy ein absolutes Muss.

In Sternen: 4/5

Über die Autorin


Nina Blazon wurde 1969 in Slowenien geboren und wuchs in Neu-Ulm in Bayern auf. Sie studierte Slawistik und Germanistik bevor sie begann als Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten und Texterin in einer Werbeagentur zu arbeiten. Heute arbeitet sie als Journalistin und Autorin verschiedener Jugendbücher – ihr Repertoir umfasst dabei historische Romane genauso wie Krimi und Fantasy. Ihren ersten Fantasy-Jugendroman verfasste sie 2003 und wurde noch im selben Jahr mit dem Wolfgang-Hohlbein-Preis, sowie 2004 mit dem Deutschen Phantastik-Preis dafür ausgezeichnet. Privat hat sie großes Interesse an Skandinavien und Kino, was man ihren Büchern immer wieder anmerkt (so z.B. „Totenbraut“, welches in Serbien spielt, oder auch „Zweilicht“, in dem die Liebe zum Film hier und da durchblitzt). Mittlerweile zählt sie unter den Jugendbuchautoren schon lange nicht mehr zu den Geheimtipps und hat eine große Fangemeinde. Für ihre Bücher erhielt sie bis heute zahlreiche Auszeichnungen.

Homepage: www.ninablazon.de

Weiteres


Wem die Hardcover-Ausgabe zu teuer ist, hat Glück: seit Dezember 2010 ist es auch als Taschenbuch mit dem hübschen Cover für 12,99€ erhältlich. Außerdem stellt Nina Blazon auf ihrer Homepage eine kurze Leseprobe aus einem Kapitel zur Verfügung.

5 Comments
  • Sabrina
    Posted at 07:38h, 26 Juli Antworten

    Ich habe zwar schon viel von Nina Blazon gehört, aber noch kein Buch von ihr gelesen. Deine Rezension macht Lust auf mehr und daher werde ich mir „Faunblut“ auch besorgen und hoffentlich auch so gut finden wie du.

  • Miss Bookiverse
    Posted at 13:36h, 26 Juli Antworten

    Ich fand die Faunblut-Welt auch totaaal toll und einfach so riesig und komplex, dass ein Buch eigentlich gar nicht dafür ausreicht und das obwohl Faunblut schon echt nicht dünn ist. Aber du hast total recht, was Faun angeht und auch über die Lady hat man viel zu wenig erfahren, fand ich. Gerade die Enthüllung über sie am Ende hat doch nach viel mehr geschrieen.

    @Sabrina: Lies das auf jeden Fall! :D War auch mein erstes (und bisher einziges) Buch von der Autorin.

  • Damaris
    Posted at 22:07h, 16 August Antworten

    Ich liebe die Bücher von Nina Blazon! Faunblut war genial. Einziger Wehrmutstropfen, ich wollte mehr Faun!!! :-)
    LG,
    Damaris

  • Svenja
    Posted at 17:06h, 19 August Antworten

    Ich habe eine Liebesgeschichte erwartet und wurde dadurch, wie du vermutet hast, enttäuscht.
    Meine Rezension dazu ist hier: http://wondersbuecherkiste.blogspot.com/2011/08/faunblut.html

  • maju und juma
    Posted at 05:12h, 10 April Antworten

    Hei:) Schönen Blog hast du!;) Ich habe das Buch auch gelesen und war genauso begeistert wie du:) Echt ein total schönes aber auch spannendes Buch. Ich finde auch das Cover echt total schön;)
    Wenn du willst kannst du dir ja auch mal meine Rezension zu diesem Buch anschauen: http://jumaundmaju.blogspot.de/2012/02/buchrezennsion-faunblut-nina-blazon.html
    lg Madeleine

Post A Comment