Rezension: Erebos

Rezension: Erebos

Es wirkt wie ein ganz normales Computerspiel. Man wählt seinen Charakter, läuft durch eine fantastische Welt, kämpft gegen Monster und muss Aufgaben erledigen.
Aber Erebos ist mehr. Es ist gefährlich.

In einer Londoner Schule werden heimlich DVDs unter den Schülern ausgetauscht, sodass Nick schnell neugierig wird und herausfinden will, was es mit dem Inhalt auf sich hat. Sein Kumpel Colin hat sich, seit er das mysteriöse Spiel bekommen hat, stark verändert: er wirkt gereizt, übermüdet und schwänzt Schule und Basketballtraining.
Als sich Nick schließlich die Gelegenheit bietet und ihm die DVD angeboten wird, nimmt er Erebos entgegen ohne zu ahnen, was das Spiel auslösen wird.
Er ist schnell fasziniert und gefangen von den realistischen Darstellungen und dem abenteuerlichen Charakter des Spiels, stellt sogar verwundert fest, dass es ihm intelligent auf Fragen antworten kann.
Auf diese Weise merkt er gar nicht, wie er in einen Sucht-ähnlichen Strudel gesogen wird und immer mehr, immer längere Zeit in der virtuellen Welt verbringt. Sogar als das Spiel ihn auffordert Aufträge in der realen Welt auszuführen, hinterfragt er das System zunächst nicht – beschert es ihm doch ein heiß ersehntes, ganz reales T-Shirt als Belohnung, hinter dem er schon lange her ist.
Erst, als die Aufträge immer gefährlicher und immer radikaler werden, fängt er an zu hinterfragen. Doch da ist es schon beinahe zu spät…

Ursula Poznanski ist mit „Erebos“ ein außergewöhnlicher Thriller gelungen! Sogar als Nicht-Spieler wird man selber immer mehr in den Bann des Spiels gezogen du fiebert mit Nick mit, wenn er sich vor den Computer setzt. Dabei verschwimmt die Realität immer mehr mit der virtuellen Welt und sowohl Nick, als auch der Leser können beides kaum noch auseinander halten. Zu verlockend sind die einfachen Belohnungen, die man erhalten kann, zu verführerisch ist es ein einziges Ziel vor Augen zu haben: den Level steigern.
Ich selber habe mich beim Lesen sogar dabei ertappt, wie ich überlegt habe, was ich tun würde, wie weit ich gehen würde. Eine fremde Person beobachten und fotografieren? Einen Botengang mit einer Kiste mit unbekanntem Inhalt erledigen? Oder sogar jemanden umbringen?
Die Welt von Erebos ist knallhart und stellt strenge Regeln auf: wer ein Mal versagt, ist draußen. Wer dem „Boten“ nicht bedingungslos gehorcht, wird in der realen Welt bedroht. Nur, wer sich ganz und gar auf das Spiel einlässt, kann am Ende der Sieger sein.

Die Mischung und Vermischung von Spiel und bitterem Ernst ist es, die den Reiz von Erebos ausmacht und beim Lesen dazu führt, dass man atemlos die Seiten umblättert. Zwar schwebt von Anfang an ein Schatten von Gefahr über den Geschehnissen, aber erst nach und nach kommt man dahinter, wie gefährlich das Spiel wirklich ist. Bis kurz vor dem Ende hat man absolut keine Ahnung wer oder was dahinter steckt und was es mit den mysteriösen Aufträgen, die die Spieler erledigen müssen, auf sich hat.

Selten habe ich ein Jugendbuch gelesen, das so unglaublich gut ist. Auch als Erwachsener hat man sicher keine Probleme sich in der Computerwelt zurecht zu finden und wird ebenso mitfiebern wie ein 15-jähriger. Besonders toll fand ich auch, dass es sich mit dem Buch um viel mehr als einen gigantischen Thriller handelt: An manchen Kapitel-Enden finden sich Textpassagen, die zugleich verstörend düster und beinahe philosophisch angehaucht sind. Man fängt an darüber nachzudenken, wie leicht man sich von den modernen Medien manipulieren lässt und kann dennoch nichts dagegen tun sich dabei zu ertappen, dass man fasziniert von dieser Welt ist und das Abenteuer auch miterleben möchte. Zumindest bis zu dem Punkt, an dem es kein Spiel mehr ist.
Diese erschreckende Erkenntnis ist viel besser als ein Schlag mit der Moralkeule, die man eventuell beim Lesen erwartet. Denn diese bleibt aus, ohne jedoch trotzdem ihre Wirkung zu verfehlen.
Und am Ende klappt man das Buch zu: erleichtert, verstört, fantastisch unterhalten!

Ich kann Erebos wirklich jedem empfehlen; Frauen, Männer, Mädchen, Jungen… jeder wird in diesem Buch etwas finden, was ihn fasziniert und fesselt!

Bewertung: 5/5


Erebos von Ursula Poznanski
485 Seiten
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 9783785569573
14,90€

3 Comments
  • Nici
    Posted at 22:09h, 26 Mai Antworten

    Au. Ich will es auuuch lesen!
    Aber es liegt immer noch auf meinem Sub und zuerst ‚muss‘ ich noch andere Bücher lesen bzw. will ich andere Bücher beenden xD
    Das muss ich also noch ein wenig gedulden oô

  • Cara
    Posted at 15:30h, 29 Mai Antworten

    War gestern in der Stadtbibliothek und habs mehr durch Zufall im Regal entdeckt. Ich war ein bisschen erstaunt, hatte ich doch gedacht, da gibt’s ne ellenlange Vorbestell-Liste…Aber so stehts nun in meinem Regal und schreit schon ein bischen nach mir =)

  • Sarah
    Posted at 11:07h, 30 Mai Antworten

    @Nici: Ich musste ja auch lange warten, bis ich es endlich lesen konnte ;) Macht aber gar nichts – das Buch ist einfach toll!

    @Cara: Wow, da hattest du aber echt Glück! In meiner Heimatstadt in der Bücherei muss man das Buch vormerken, wenn man es denn irgendwann mal haben will ^^ Ich glaube, das ist da immer auf ca. 3 Monate vorgemerkt.
    Ich wünsch dir auf jeden Fall ganz viel Spaß mit dem Buch :)

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