Rezension: Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter

Rezension: Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter

Das Leben des 15-jährigen Eragon besteht aus harter Feldarbeit und Jagen in den Wäldern um seinem Onkel und seinem Cousin zu helfen. Es ist nicht immer einfach für die ärmlichen Bewohner des Dorfes, aber keiner beschwert sich, denn im Prinzip könnte es auch noch viel schlimmer kommen.
Für Eragon sind die Geschichten über die alten Legenden der Drachenreiter, die der verschrobene Brom gerne zum Besten gibt, so das Highlight seines Daseins – bis er eines Tages über einen merkwürdigen blauen Stein stolpert, während er im Wald auf der Jagd ist.

Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem vermeintlichen Stein um etwas ganz Anderes handelt: um ein Drachenei.
Der Junge ist fasziniert von dem blauen Drachen und zieht ihn heimlich auf. Dabei muss er erkennen, dass das Wesen seine ganz eigene Magie mit sich bringt und sogar telepathisch mit Eragon sprechen kann.
Die magische Idylle wird aber bald gestört als bedrohliche Männer im Dorf auftauchen und den Stein suchen. Ehe Eragon sich versieht, liegt sein Heim in Trümmern und ihm bleibt nur gemeinsam mit seinem Drachen die Flucht vor den Schergen des Königs, den ein schreckliches Geheimnis zu umgeben scheint…



Ich muss gestehen, dass das Buch Ewigkeiten bei mir im Zimmer stand, bis ich die Muse hatte es auch zu lesen. Vor einigen Jahren habe ich den Film „Eragon“ gesehen und war so enttäuscht, dass mich die knapp 700 Seiten abgeschreckt haben. Wie es aber so kam, nahm ich das Buch doch zur Hand und war schnell gefangen von der Geschichte, die gelesen so viel besser ist als ich erwartet hatte.

Eragon und sein Drache (Drachin? Gibt es ein weibliches Wort dafür?) sind zwei Charaktere, die sich toll ergänzen. Wo der Junge dazu neigt hitzköpfig und unüberlegt zu handeln, bringt Saphira ihn zur Räson und erheitert den Leser ein ums andere Mal sogar mit ihren typischen weiblichen Verhaltensweisen. Auch der Geschichtenerzähler des Dorfes, Brom, schleicht sich schnell in das Herz der Leser. Mit seiner brummbärigen aber dennoch herzlichen Art baut man direkt eine Verbindung zu ihm auf und nimmt ihm, ganz ohne mit den Augen zu rollen, den Lehrer und Vaterersatz für Eragon ab.
Gemeinsam reisen die Drei durch die Gegend und schaffen es zwischen Flucht und Versteckspiel immer wieder in Situationen zu geraten, die das Lesen spannend machen.

So verfolgt der Leser Eragons Weg von einem einfachen Bauernjungen zu einem Drachenreiter und fühlt sich auf den 700 Seiten nicht einmal gelangweilt. Leider muss man sich hier und da von lieb gewonnenen Wegbegleitern verabschieden – aber gemeinsam mit Eragon lernt man auch immer wieder neue kennen.
Mir hat gut gefallen, dass Christopher Paolini nicht davor zurückgeschreckt ist manche Charaktere schnell wieder aus der Handlung heraus zu nehmen und den harten Weg des Jungen auf seiner Reise so zu beschreiben. Dabei blieb die Vielschichtigkeit der handelnden Personen aber niemals auf der Strecke und jeder Einzelne hatte eine eigene Geschichte, die es zu ergründen gab.
Meiner Meinung nach hat man mit „Eragon“ so ein Fanatsybuch in der Hand, das komplex gestrickt ist – ganz im positiven Sinne – und glaubhaft aus einer uns fremden Welt erzählt. Dass die Geschichte niemals langweilig wird und sich gegen Ende hin sogar noch steigert (und für viel Stoff in den folgenden Bänden liefert), hat mich letztendlich davon überzeugt mir auch die Fortsetzungen zu kaufen.

Einzig die extra etablierten Sprachen in dem Buch und die Ortsnamen sind mir bis zum Ende hin fremd geblieben. Mittlerweile habe ich schon einige High-Fantasy-Romane gelesen und hatte immer früher oder später einen Draht zu den dort verwendeten Begriffen – nur hier wollte sich das nicht recht einstellen. Wo ich bis jetzt die Fantasiebegriffe immer als wohlklingende Ergänzungen verstanden habe, wirkten Wörter wie „Ithrö Zhada“ oder „Gil’ead“ nur befremdlich. Wen das nicht stört, für den gibt es am Ende des Buches einen Anhang mit Vokabelerklärungen und sogar eine Seite, die für die richtige Aussprache reserviert ist. Ich bin allerdings der Meinung, dass ein ideales Fantasybuch ohne so etwas auskommen müsste – die Begriffe sollten sowohl von der Aussprache als auch vom Wortklang dem Leser sofort zugänglich sein.

Deshalb bekommt „Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“ von mir 4/5 Sternen. Was die Geschichte, die Charaktere, Spannung und Umsetzung angeht gibt es aber nichts zu meckern und ich kann das Buch allen empfehlen, die eine typische High-Fantasy-Geschichte zu schätzen wissen und sich positiv überraschen lassen wollen.
Wer noch immer skeptisch ist, dem empfehle ich einfach einen kurzen Blick ins Buch… und schaut um Himmelswillen nicht den Film, der kommt nicht annähernd an das Buch ran!

Bewertung: 4/5

Eragon von Christopher Paolini
736 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570303337
9,95€

Die Reihe umfasst:
1. Das Vermächtnis der Drachenreiter
2. Der Auftrag des Ältesten
3. Die Weisheit des Feuers
4. Titel noch unbekant (Letzter Band, soll 2011 erscheinen)

3 Comments
  • Stephie
    Posted at 18:31h, 30 November Antworten

    Ich mochte den Film trotzdem ;)

  • Sarah
    Posted at 20:25h, 30 November Antworten

    Hast du denn auch das Buch gelesen? Ich fand beim Film die Effekte und den Drachen toll, aber die Geschichte wurde unsinnig gekürzt und umgeschrieben, deshalb war ich etwas enttäuscht.

  • Pia
    Posted at 15:12h, 04 Dezember Antworten

    Ich mochte den Film und das Buch nicht. Eigentlich mag ich ja so eine Art von Fantasy aber irgendwie hat mich Eragon garnicht überzeugt. So mittelmäßig. Hat für mich den ganzen Hype auch nicht verdient :/

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