Rezension: Engelsnacht

Rezension: Engelsnacht

Wenn dein Leben zunehmend wie ein Albtraum erscheint, was könnte dir dann noch den Tag retten?

Lucinda (Luce) hat die Kontrolle über ihr Leben scheinbar verloren: als sie das erste Mal einen Jungen küssen will, steht dieser plötzlich in Flammen und stirbt, während sie sich noch gerade so retten kann. Ein Gericht verurteilt sie wegen Verdacht auf Mord daher dazu, auf ein Internat für schwer erziehbare Jugendliche zu gehen: die Sword & Cross-Schule.
Dort angekommen, muss das 17-jährige Mädchen nicht nur ihr Handy und somit den Kontakt zur Außenwelt, sondern auch ihre Privatsphäre aufgeben. Die Schule gleicht einem Hochsicherheitstrakt: bedrückende, alte Gebäude, überall Überwachungskameras und ein strenger Stundenplan. Zudem herrschen dort raue Sitten, da keiner ihrer Mitschüler ein unbescholtenes Lamm ist.
Luce hat aber Glück und kann schnell zwei gute Freundinnen für sich gewinnen: die etwas abgedrehte Arriane und die zurückhaltende Penn, die ihr gerade in der schwierigen Anfangszeit beistehen.
Bei den männlichen Bewohnern des Internates scheint das schwarzhaarige Mädchen gleich einen guten Eindruck zu machen, denn vom ersten Tag an umwirbt der freche und beliebte Cam sie unverhohlen und bringt sie ein ums andere Mal aus der Fassung. Eigentlich ist Luce aber viel mehr an Daniel Grigori interessiert – dem jungen Mann, der so abweisend ihr gegenüber ist, aber so vertraut zu sein scheint…

Schon der Prolog verspricht eine romantisch-tragische Geschichte, denn es beginnt an einem Septemberabend 1854 in England und einem Paar, das nicht zusammen sein kann…
Danach springt die Geschichte in die Gegenwart und beschreibt bedrückend und erschreckend wie die 17-jährige Luce im Internat ankommt. Sofort fühlt der Leser die erstickende Enge der Anstalt und spürt, wie das Mädchen dort leidet. Während man noch erfährt, wie sie ihre Kindheit zwischen Psychologen und Medikamenten verbracht hat, fragt man sich bereits was es mit den merkwürdigen dunklen „Schatten“ auf sich hat, die Luce seit ihrer Kindheit immer wieder sieht.
Die klaustrophobische Umgebung der Schule und Luces Probleme treten aber schnell in den Hintergrund, als sie anfängt zusammen mit ihrer Freundin Penn dem distanzierten Daniel hinterher zu stöbern. Wieso hat sie das Gefühl ihn schon zu kennen? Was hat es mit seinen Vorfahren auf sich, die ein Buch über gefallene Engel geschrieben haben?
Obwohl schnell klar ist, dass sie in Daniel verliebt ist, schwankt sie dennoch immer wieder zwischen ihm und Cam hin und her und unterliegt den gekonnten Annäherungsversuchen des vorlauten Schwarzhaarigen beinahe.
In diesem mittleren und umfassendsten Teil, hat sich die Geschichte meiner Meinung nach etwas gezogen. Luce hat schreckliches Unrecht in ihrem Leben erlebt und sitzt in einem Internat fest, in das sie nicht gehört – dennoch dreht sich bei ihr alles um Daniel. Sie scheint beinahe besessen wie sie versucht ihn näher kennen zu lernen und etwas über ihn herauszubekommen; die Geschichte verliert sich etwas in diesem quälend langsamen Tempo.
Erst gegen Ende geht alles plötzlich sehr schnell, der Erzählstrang nimmt wieder Fahrt auf und es kommt zu einem Gefecht zwischen den Guten und den Bösen Engeln, in das das Mädchen hineingeraten ist. In diesem letzten Teil konnte ich wieder richtig mitfiebern, was mir vorher leider etwas gefehlt hat. Luce ist nicht mehr nur gefangen in ihrer Rolle als liebeskrankes Mädchen, sondern fängt an die Hintergründe zu verstehen, die Zusammenhänge zu erkennen. Es werden sogar Andeutungen gemacht, die darauf schließen lassen, dass sie tiefer in diesem überirdischen Krieg verwickelt ist, als ihr bewusst zu sein scheint und auch die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt direkt vor den Augen des Lesers.

Gefallen hat mir am Buch also am Meisten der letzte Teil, der schwungvoll das Ende beschreibt. Dennoch muss ich sagen, dass ich etwas enttäuscht von „Engelsnacht“ war: ich nenne es das „1.-Band-einer-Reihe-Syndrom“. Die Charaktere wirken noch etwas oberflächlich und undurchsichtig, man konnte noch nicht ganz verstehen wie die agierenden Personen zu ihren Handlungen passen und was die Hintergründe sind. Wie gesagt lässt das Ende darauf hoffen, dass die Fortsetzung sehr spannend wird und sich aufklärt, was hier noch offen bleibt – aber für mehr als 3 Sterne reicht es bei mir deshalb bei diesem Band nicht, denn mehr als ein Auftakt zu einer Geschichte, die noch spannend werden kann, darf man hier nicht erwarten.

Für Fans von Engeln und Liebesgeschichten ist das Buch sicher empfehlenswert, wenn man genug Muse hat um auf die folgenden Bände zu warten. Ich selbst werde sicherlich in den zweiten Teil rein lesen, denn neugierig bin ich bei dem Potential, das die Geschichte hat, auf jeden Fall.

Bewertung: 3/5


Engelsnacht von Lauren Kate
448 Seiten (Hardcover)
Verlag: cbt
ISBN: 9783570160633
17,99€

2 Comments
  • Stephie
    Posted at 20:17h, 24 August Antworten

    Man, du bist immer so schnell mit den Neuheiten fertig …

  • Stephie
    Posted at 23:24h, 24 August Antworten

    Hab ich tatsächlich mal ein Buch vor dir gelesen ? XD

    Ja, Lucian musst du dir unbedingt auf die Wishlist setzen. Isabel Abedi schreibt einfach wunderbar und die Geschichte ist wirklich schön.

    PS: Danke für das Lob *freu*

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