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Dschinnland (Die Sturmkönige #1) von Kai Meyer
432 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404164264
9,99€

Inhalt


Tarik schlägt sich in Samarkand durch. Mit illegalen Teppichrennen verdient er sich das Geld, was er zum Leben und Trinken braucht. Das Schmuggeln von Waren durch die Wüste bis nach Bagdad hat er vor Jahren schon aufgegeben, damals, als die wilde Magie und die bösartigen Dschinne ihm Maryam nahmen. Jetzt versucht er zu vergessen und sich selber zu verzeihen indem er einem stetigen Trott zwischen Rausch und Ernüchterung folgt. Bis zu dieser Nacht, in der er bei einem Teppichrennen auf Sabatea trifft. Die selbstbewusste Frau stellt sich ihm kurzerhand in den Weg und verlangt das Unmögliche: sie will nach Bagdad gebracht werden. Und obwohl Tarik sich mit aller Macht dagegen sträubt, findet er sich schon bald wieder in der Wüste, in der hinter jeder Düne die Gefahr lauern kann, wo die Dschinne nur darauf warten ein Menschenleben zu beenden…

Bewertung


„Dschinnland“ ist der Auftakt zu einer Trilogie, die bereits im ersten Band zu begeistern versteht.

So ist Tarik ein überraschender Hauptcharakter. Er ist alles Andere als das, was man ein Vorbild nennen würde – denn er trinkt, besucht die Freudenhäuser der Stadt und verdient sein Geld mit illegalen Teppichrennen. Trotzdem merkt man ihm gleich an, dass hinter seiner harten Schale noch viel mehr steckt. Als er vor Jahren seine Jugendliebe Maryam auf dem Weg nach Bagdad verlor, brach für ihn die Welt zusammen. Er gibt sich die Schuld dafür, das Mädchen nicht vor den brutalen Dschinnen und ihrem Fürsten beschützt haben zu können. Seit diesem Ereignis ist auch der Kontakt zu seinem jüngeren Bruder erstarrt und zufällige Zusammentreffen in der Stadt sind allerhöchstens frostig. Somit ist es kaum verwunderlich, dass er nun ganz berechnend und etwas verloren sein Leben fristet. Diese Umstände machen ihn zu einem unheimlich greifbaren und spannenden Charakter, dessen Werdegang man gerne verfolgt. Ich weiß nicht ob es an der Umgebung der Geschichte lag oder daran, dass er ein Teppichreiter ist oder vielleicht auch an etwas ganz Anderem; aber beim Lesen hatte ich unwillkürlich immer ein bisschen den Aladdin aus dem Disney Film vor Augen – nur erwachsener und ernsthafter, dennoch etwas spitzbübisch, clever und gewieft.

Sabatea hingegen ist ein Charakter, den man bis relativ spät im Buch nur schlecht durchschauen kann. Man erfährt, dass sie aus dem Palast flüchtet und nach Bagdad will – aber wo man über Tariks Beweggründe, Vergangenheit und Gedanken etwas erfährt, bleibt sie ein Mysterium. Dennoch – oder gerade deshalb – folgt man auch ihrer Entwicklung gebannt und ist an einigen Stellen im Text mehr als überrascht, welche Wendungen dieser Charakter noch in die Geschichte bringen mag.

Abgesehen von den schön gezeichneten Charakteren, glänz „Dschinnland“ vor allem durch die Atmosphäre und die Welt, die Kai Meyer schafft. Ich war zu Anfang sehr überrascht, dass es sich hier keineswegs um ein Jugendbuch handelt; „Die Sturmkönige“ sind anspruchsvolle Fantasy für Erwachsene. Sehr direkt und bisweilen auch sehr düster wird so der Verlauf der Erzählung beschrieben. Beim Lesen saß ich oft staunend vor den Seiten und musste eine kurze Pause einlegen, so genial sind hier Details verwendet worden, die im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch sind. Gerade die plastischen Beschreibungen des „Narbennarrens“, der Dschinne oder anderer Phänomene der wilden Magie, die Tarik und Sabatea auf dem Weg nach Bagdad begegnen, führen nicht selten zu einer kleinen Gänsehaut.
Und auch, wenn das insgesamt sehr düster und schaurig klingt, hat Kai Meyer die richtige Balance gefunden um auch wunderschöne, faszinierende Details in seinen Text einzubauen. Die gesamte Mischung vor dem Hintergrund Bagdads/Samarkands macht letztendlich aus, dass man sich tatsächlich wie in einer Erzählung aus 1001 Nacht fühlt – nur mit deutlich mehr Fantasy.
Durch und durch verzaubernd ist also dieser erste Band der Trilogie. Unbedingt lesenswert, wenn man ein wenig Fernweh hat, gerne das arabische Flair gemischt mit bedrohlicher Fantasy lesen möchte oder einfach ein paar Stunden aus dem Alltag abtauchen will.

Einen einzigen Minuspunkt gibt es von mir nur dafür, das am Ende ein wirklich gemeiner Cliffhanger steht und dieser 1. Teil nicht in sich abgeschlossen ist.

In Sternen: 4/5

Über den Autor


Bevor er 1993 sein erstes Buch veröffentlichte, hat Kai Meyer Film- und Theaterwissenschaften studiert und als Journalist gearbeitet. Seine Erfahrungen im Bereich Film und Theater merkt man ihm bei seinen vielfältigen Fantasy-Geschichten auch ohne Frage ab. Mittlerweile hat er über 50 Bücher veröffentlicht und die in rund 28 Sprachen übersetzt wurden. Seine neusten Werke sind die Arkadien-Reihe (Jugendbuch, Fantasy) sowie die Sturmkönige-Trilogie.

Homepage: www.kaimeyer.com

Die Reihe


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2 Comments

  • Sheerisan 29. Juli 2011 11:09

    Eine wirklich tolle Rezi wieder einmal von dir. Jetzt freue ich mich um so mehr auf die Reihe, habe zum Glück alle drei Bände auf meinem SuB, so dass ich nach dem Cliffie gleich weiter lesen kann. LG Vanessa

  • Sarah 31. Juli 2011 08:08

    Danke :)
    Dann wünsche ich dir mal viel Spaß beim Lesen! Du hast ja echt Glück, wenn du schon die ganze Reihe auf dem SuB hast. Ich muss mir demnächst den 2. und 3. Band unbedingt noch besorgen :)

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