Rezension: Die Welt, wie wir sie kannten

Rezension: Die Welt, wie wir sie kannten


Es beginnt wie ein großes Spektakel, das man sich nicht entgehen lassen möchte: ein Meteorit soll auf dem Mond einschlagen. Als sich alle Anwohner aus Mirandas Stadt auf den Straßen versammeln um diesen aufregenden Moment zu beobachten, ahnt noch keiner welche Folgen der Einschlag um 21.37 Uhr an diesem 18. Mai haben wird. Denn etwas läuft nicht so, wie es vorher gesehen wurde: anstatt eines harmlosen Schauspiels, werden die Menschen Zeuge davon, wie der Meteorit den Mond aus seiner Umlaufbahn wirft und ein ganzes Stück näher an die Erde drängt. Bedrohlich wie ein Mahnmal steht er am Himmel und kündigt an, was danach kommt. Die Welt, wie sie einmal war, hört auf zu existieren.
Durch die veränderte Distanz des Mondes zur Erde wird das gesamte Gleichgewicht der Gezeiten und Natur aus den Fugen gehoben und Naturkatastrophen suchen jeden Ort der Welt heim. Tsunamis, Hurrikanes, Schneestürme, Vulkanausbrüche… von heute auf morgen ändert sich alles.
Mirandas Mutter begreift schnell den Ernst der Lage und fährt mit ihren Kindern und ihrer Nachbarin zum Supermarkt um sich mit Konserven und allem Wichtigen einzudecken. Aber wie können ein paar Konserven reichen um 4 Menschen über lange Zeit zu ernähren?

Das Buch besteht aus Tagebucheinträgen von Miranda und erzählt uns eine Geschichte, die man nicht glauben will und doch muss, weil es einfach zu realistisch, zu möglich erscheint. Man wird in die Geschehen direkt hineingeworfen weil man alles durch die Augen des 16-jährigen Mädchens sieht und wirken die ersten Seiten noch wie ein Abenteuerroman, so ändert sich die Stimmung schnell hin zu einer handfesten Katastrophe. Ohne Strom und mit nur begrenzten Nahrungsvorräten muss die Familie zu Recht kommen und als auch noch die Temperaturen rapide sinken, da Vulkanausbrüche den Himmel verdunkeln, wird es zu einem schweren Kampf ums Überleben.

Als Fan von Katastrophenfilmen, war ich gespannt wie ein Jugendbuch ein solches Thema verarbeitet. Und wer hätte das gedacht? – Ich war noch von keinem Film so mitgenommen, wie von diesem Buch. Zwischendurch hätte ich es sogar am liebsten einfach zur Seite gelegt weil es mir so an die Nieren ging zu lesen, wie die Situation für Miranda, ihre Mutter und ihre beiden Brüder Matt und Jon immer schlechter wird. Die Ungewissheit, was mit Familienangehörigen passiert ist, der Verlust von vielen Menschen die sie kannten und liebten und die ständige Bedrohung ebenfalls zu verhungern, zu erfrieren oder von einer Krankheit dahingerafft zu werden, war wirklich schlimm zu lesen. Nicht falsch verstehen: Schlimm in dem Sinne, das es mich sehr berührt hat und ich – wohl aufgrund der Ich-Perspektive in der das Buch geschrieben ist – absolut alles nachempfinden konnte. Susan Beth Pfeffer hat mit „Die Welt wie wir sie kannten“ ein Buch geschrieben, das gleichermaßen verstört sowie Hoffnung gibt, denn es erzählt auch wunderschön davon, wie wichtig die Familie ist und was im Leben eigentlich zählt. Manchmal merkte man dem Buch den „Jugendroman“ schon an, aber nachdem ich das Buch nun beendet habe, würde ich es fast als zu heftig für (junge) Jugendliche einstufen. So glaubwürdig und erschreckend wie auch alles geschildert wird, genauso viel beschreibt das Buch aber auch die Liebe zum Leben und den Willen zu überleben.
Was bleibt mir noch anderes zu sagen als: Packend, verstörend und absolut lesenwert für alle, die sich für Endzeitszenarien interessieren und auch nach der Lektüre mit einem ungutem Gefühl in der Magengegend leben können.

Als kleinen Tipp kann ich noch sagen: Auf Englisch ist schon ein 2. Band erschienen („The Dead and the Gone“), der die Geschichte einer anderen Familie erzählt und im April soll der 3. Band herauskommen („This World we lived in“), in dem die beiden Familien aus den ersten Büchern auf einander treffen.

Bewertung: 5/5


Die Welt wie wir sie kannten von Susan Beth Pfeffer
Gebundene Ausgabe: 409 Seiten
Verlag: Carlsen
ISBN: 9783551582188

No Comments

Post A Comment