Rezension: Die Mechanik des Herzens

Rezension: Die Mechanik des Herzens

Die Mechanik des Herzens von Mathias Malzieu
192 Seiten (Broschur)
Verlag: carl’s books
ISBN: 978-3570585085
12,99€

Es ist kalt. Bitterkalt. Ausgerechnet in diesem menschenfeindlichen Wetter kommt Jack auf die Welt – und scheint nicht lange bleiben zu können, denn sein Herz ist genauso gefroren wie die Vögel, die draußen vom Himmel fallen. Aber obwohl seine Mutter ihn nicht behalten will, sind seine Umstände die glücklichsten, die er erhoffen kann, denn die Hebamme Madeleine, die ihn zur Welt bringt, versteht sich auf eine ganz besondere Kunst: sie repariert Menschen. Und so setzt sie Jack eine Kuckucksuhr in die Brust, die sein Herz fortan antreibt und ihn am Leben hält.

Die folgenden Jahre ticken beständig wie seine Uhr voran und bieten ihm nicht viel in seiner Unterkunft bei Madeleine und in der Gesellschaft allerhand schräger Figuren. Zumindest bis zu dem Tage, an dem er in die Stadt darf und die kleine Tänzerin erblickt. Die Mechanik seines Herzens gerät dabei vollkommen außer Kontrolle und die Zeiger seiner Uhr spielen verrückt, als ihn das tollpatschige Mädchen mit der wunderschönen Singstimme anschaut. Für ihn ist sofort klar: er muss sie wiedersehen. Doch seine Miss Acacia scheint verschwunden zu sein. Dem Jungen mit der Uhr als Herz bleibt nichts anderes übrig als sich auf die Suche nach seiner Liebe zu machen und begibt sich auf eine lange und schwierige Reise um sein Glück zu finden…


Mathias Malzieus Märchen für Erwachsene ist durchzeichnet von düsteren Sprachbildern und zauberhaften Elementen, die einen ganz und gar in die Welt des Jungen mit dem Uhrenherz entführen.

Schon der Anfang löst eine Gänsehaut beim Leser aus. Jacks Leben beginnt frostig und scheint in eine stumme Melancholie über zu gehen, die von leiser, tragender Musik begleitet wird. Zwar gibt es immer wieder verzaubernde Vergleiche und ausgefallene Ideen, die einem beim Lesen ein Schmunzeln ins Gesicht malen, doch bleibt die Grundstimmung düster.

Angesiedelt im viktorianischen Zeitalter, fügen sich Fiktion, Traurigkeit und schreiend bunte Akzente tatsächlich zu einer märchenhaft anmutenden Geschichte zusammen, die sich von ganz alleine zu Bildern vor Augen des Lesers formen. Teils sprachlich wunderschön, teils todtraurig oder überraschend, beeindruckt die Geschichte auf jeden Fall nachhaltig. Diese gewisse Eigendynamik fasziniert und erinnert bisweilen an die düster-schrägen Filme von Tim Burton.

Doch was wie eine Liebesgeschichte im märchenhaften Gewand erscheint, beinhaltet noch viel mehr. Ganz wie in richtigen Märchen scheut sich Malzieu nicht, auch die eine oder andere Botschaft zu verstecken. So bleibt am Ende ein kleiner Kloß im Hals des Lesers übrig und klappt man das Buch zum Schluss doch zu, sitzt man seufzend davor, betrachtet das schöne Cover und wünscht sich, es wäre doch alles anders gekommen.

Einzig die Zeitabschnitte, die der Autor wählt, stören bisweilen den Lesefluss. Als Jack sich unsterblich verliebt, ist er gerade einmal 11 Jahre alt und auch die folgenden Ereignisse sind – streng genommen – doch sehr früh in seinem Leben angesiedelt. Meiner Meinung nach hätte es dem Buch nicht geschadet alles um 4 oder 5 Jahre zeitlich nach hinten zu versetzen.

Dennoch: Wer gerne von der Liebe liest, düster-melancholische Geschichten mag und sich nur allzu gerne von fantastischen Bildern zum Träumen anregen lässt, der sollte „Die Mechanik des Herzens“ zur Hand nehmen. Mathias Malzieu schreibt endlich die Art von Büchern, die es viel häufiger geben sollte und die man leider viel zu selten in den Regalen der Buchläden findet.

In Sternen: 4/5

4 Comments
  • Melissa
    Posted at 16:38h, 28 Juli Antworten

    Das Buch ist schon auf meiner Wunschliste! ICh glaub, das wird mein Wunterbuch.

  • admin
    Posted at 00:00h, 29 Juli Antworten

    Dann wünsche ich dir viel Spaß beim Lesen, wenn du es hast! :)

  • Streifenzebra
    Posted at 00:00h, 29 Juli Antworten

    Eine sehr gute Rezension! Ich hab es hier auch schon liegen und freue mich darauf, es möglichst bald schon anzufangen. :-)

  • Konstantin [derschoeneblog.de]
    Posted at 11:34h, 05 August Antworten

    Unglaublich. Ich habe eine wirklich lange Liste in meinem Feed Reader und stoße jetzt zum dritten Mal auf einen Blogpost von dir. Ich stalke nicht! Vielen Dank für dieses Buch, es landete ebenfalls (auch für den Winter) gleich auf meinem Wunschzettel. LG

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