Rezension: Die Einsamkeit der Primzahlen

Rezension: Die Einsamkeit der Primzahlen

Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano
368 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453408012
8,99€

Inhalt


Nur ein Tag, eine einzige Entscheidung und dein ganzes Leben steuert plötzlich auf einen ganz neuen Punkt zu. Dieser Tag ist für die junge Alice, als sie von ihrem Vater dazu gedrängt wird, an einem Skikurs teilzunehmen – obwohl sie es hasst. Eine Verkettung von Umständen führt dazu, dass sie alleine im Schnee zurückbleibt, mit einem gebrochenen Bein, gebrochenen Vertrauen in ihren Vater und einer gebrochenen Zukunft.

Für Mattia kommt dieser Tag, als er und seine geistig behinderte Schwester zu einem Kindergeburtstag eingeladen werden. Er ist es leid der Sonderling zu sein, der durch seine unglaubliche Intelligenz schon irgendwie anders ist, als die Kinder in seinem Alter. Dass er sich zudem immer um seine Schwester kümmern muss, ist zu viel für ihn und so trifft er an diesem Tag eine Entscheidung, die sein ganzes Leben verändern wird, die ihn fortan mit einer Schuld leben lässt, die er nicht verkraften kann.

Erst auf der Highschool treffen die beiden gebrochenen Jugendlichen auf einander und eine zarte Freundschaft entsteht. In ihrem Schmerz so ähnlich, klammern sie sich an einander um das Leben irgendwie zu meistern. Wie zwei Magnete stoßen sie sich in den folgenden Jahren immer wieder ab und finden doch wieder zusammen. Aber ist eine gemeinsame Zukunft möglich?

Bewertung


Paolo Giordanos Roman über die einsamen Primzahlen sorgt für Schlagzeilen. Anders soll das Buch sein. Und irgendwie ist es das auch.

„Die Einsamkeit der Primzahlen“ lebt und atmet durch ihre Protagonisten – auch, wenn diesen das freie Atmen oft schwer fällt. Oder gerade deshalb. Gleich von der ersten Seite wird deutlich, was im Leben dieser Kinder schief läuft und wie es dazu führen kann, dass ihre folgenden Lebensjahre immer im Schatten dieses einen Vorfalls stehen können.
Paolo Giordano beschreibt eindringlich, intensiv das Seelenleben von Alice und Mattia. Man leidet gemeinsam mit den beiden und quält sich ein wenig so durch die Seiten, wie sie sich durch ihr Leben quälen. Es gibt Lichtblicke, immer mal wieder, doch eine richtige Erleuchtung bleibt aus.

Vermutlich ist Giordanos Geschichte als Metapher zu verstehen. Sie steht für die Isolation, die Probleme der Kindheit, das Erwachsenwerden. Doch nachdem man den Roman beendet hat, bleibt irgendwie ein leicht schaler Geschmack zurück. Die ruhige und schöne Schreibweise des Autors kann doch über den deprimierenden Inhalt nicht ganz hinwegtäuschen. Und selbst wenn das Ende leicht versöhnlich stimmt, so ärgert man sich über den Ausgang. Oft bleiben Missverständnisse und unlogische Handlungen zwischen den Charakteren der Grund für ihre Einsamkeit und keineswegs die traumatischen Erlebnisse ihrer Kindheit. Große Ereignisse verschwinden unbeachtet unter dem großen Teppich der Geschichte, wirken ein wenig, als wäre sie eingestreut worden, um das Leid der Protagonisten zu potenzieren und den Leser tiefer in diesen Strudel hinein zu ziehen.

Ich persönlich war begeistert von der bemerkenswerten Erzählweise, die der Autor hier abliefert. Selten liest man ein ähnlich authentisches Portrait gescheiterter Existenzen. Dennoch überzeugt die Geschichte nicht wirklich. Was soll sie einem sagen? Wo ist der springende Punkt, den man übersehen hat? Am Ende ist man als Leser etwas unschlüssig, überrascht, deprimiert. Nein, „Die Einsamkeit der Primzahlen“ ist kein erheiterndes Buch das unterhalten will. Aber wenigstens etwas hoffnungsvoller könnte es stimmen.

In Sternen: 3/5

1 Comment
  • Ise
    Posted at 13:35h, 19 März Antworten

    Danke für´s Leser werden auf meinem Blog. Freut mich sehr. Habe mich auch gleich bei dir eingetragen.

    LG
    Ise

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