Rezension: Die Bestimmung

Rezension: Die Bestimmung

Die Bestimmung von Veronica Roth
480 Seiten (Hardcover)
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570161319
17,99€

Erscheint am: 19. März 2012
Originaltitel: Divergent
Band 1 der Reihe

Inhalt


Beatrice wird groß in einer Welt, in der die Menschen nach ihren Fähigkeiten aufgeteilt leben. Es gibt die wissbegierigen Ken, die friedlichen Amite, die freimütigen Candor, die furchtlosen Ferox und schließlich auch die selbstlosen Altruan, bei denen sie aufgewachsen ist. Doch mit dem sechzehnten Geburtstag darf jeder Jugendlicher entscheiden welcher der Fraktionen er sich anschließen möchte. Einmal gewählt, gibt es kein Zurück. Und so muss auch Beatrice sich entscheiden ob sie weiterhin ein selbstloses Leben führt oder ob sie ihren Impulsen nachgibt und sich einer anderen Fraktion anschließt. Ein Test soll ihr und allen anderen, die wählen müssen, die Entscheidung erleichtern doch ausgerechnet bei ihr ergibt sich kein eindeutiges Ergebnis – sie ist eine „Unbestimmte“, was nicht nur außergewöhnlich, sondern auch hochbrisant und gefährlich ist. Doch Beatrice muss sich entscheiden und als sie sich den Furchtlosen anschließt, beginnt für sie eine Zeit der Herausforderungen. Nicht nur die gefährlichen Tests der Ferox halten sie auf Trab, auch das so sorgfältige System der Fraktionen scheint zu wackeln und im Untergrund brodelt eine Verschwörung…

Bewertung


„Die Bestimmung“ ist eine neue Dystopie auf dem Jugendbuchmarkt, die mit viel Action und viel Potential aufwartet. Das Debut der damals erst 22 Jahre alten Autorin kann sich sehen lassen und verdient den Vergleich mit anderen großen Dystopien wie den Tributen von Panem trotz kleinerer Schwächen durchaus.

Die Charaktere sind allesamt sehr vielschichtig und man merkt, dass Veronica Roth sich sehr viele Gedanken darüber gemacht hat, wie sie ihren Protagonisten Leben einhaucht. Beatrice steht als Protagonistin dabei natürlich immer im Mittelpunkt und als Leser lernt man sie mit der Zeit sehr gut kennen. Ihre Ängste, Gedanken und Zweifel werden genauso thematisiert wie ihre Stärken. Anders als einige „Heldinnen“ aus anderen Büchern ist sie recht ungeschliffen und entwickelt ihren Charakter erst im Laufe der Geschichte. Manche ihrer Überlegungen haben Ecken und Kanten und mögen gerade deshalb glaubwürdig klingen. Allerdings hatte ich manchmal das Gefühl, dass ihre Zweifel auch zu ausführlich dargestellt werden. So macht sie zu Anfang klar, dass sie sich nicht wirklich bei den aufopferungsvollen Altruan zuhause fühlt weil sie sich selbstsüchtig vorkommt, doch schweift sie oft genug gedanklich in die genau entgegen gesetzte Richtung, als sie endlich bei den furchtlosen Ferox beheimatet ist. Gleichzeitig mit ihr muss der Leser den Spagat schaffen diese beiden unterschiedlichen Einstellungen und Lebensgefühle unter einen Hut zu bringen und zum Glück gelingt es der Autorin schließlich ihre Protagonistin auf einen selbstständigen Pfad zu bringen. Diese Gradwanderungen sind es dann auch eigentlich, die sowohl auf den Konflikt im Buch hinweisen als auch auf einer moralischen Ebene faszinieren. Beatrices Suche nach der eigenen Persönlichkeit ist eine erstaunlich präzise Metapher für die Probleme, die auch auf unsere Welt übertragbar sind.

Aber die Geschichte ist keinesfalls ein langatmiges, philosophisches Werk. Die junge Autorin versteht es hervorragend über die gesamte Länge des Buches eine Spannung aufrecht zu halten, die den Puls in die Höhe treibt. Zur Hilfe kommt ihr sicherlich der Hintergrund, das Beatrice sich den Ferox anschließt. Die wagemutige Gruppe ist bereits in ihrem Alltag von Gefahr umgeben – so steigen sie zum Beispiel nicht einfach in einen Zug ein, sondern müssen bei voller Fahrt auf- oder abspringen und es kann schon mal passieren, dass der Weg zum Hauptquartier tödlich endet. Hinzu kommen die vielen Test, denen sich die neuen Anwärter für die Ferox stellen müssen. Beatrice muss von brutalen Übungskämpfen über gruseligen Tests hin zu echter Konkurrenz mit vielen Problemen fertig werden. Wer gänzlich pazifistisch eingestellt ist, wird vielleicht einige Probleme damit haben, dass die toughe Protagonistin auch Schläge verteilt und anderen die Nase bricht. Ich selber war von dieser Rohheit zunächst auch etwas überrumpelt, doch entwickelt sich die Geschichte auf angenehme Weise so, dass man merkt, dass die Erzählung wichtig ist um die Umstände und Charaktere kennen zu lernen. Nur bei der Länge der beschriebenen Übungskämpfe und Gefahren, die Beatrice während der Trainings der Ferox durchlebt, war ich bisweilen etwas … genervt. Zwar bleibt es spannend ihren Werdegang nachzuvollziehen, doch hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass jetzt auch noch etwas anderes als noch ein Kampf und noch ein Kampf und noch ein Kampf passieren könnte. Zum Glück macht dies nur gut ein Fünftel des Buches aus während der Rest die Geschichte vorantreibt.

Das Ende macht definitiv Lust auf mehr und dürfte spätestens da alle Dystopienmuffel davon überzeugt haben, dass „Die Bestimmung“ der Auftakt zu einer lesenswerten und spannenden neuen Buchreihe ist, die im Regal keiner Leseratte fehlen sollte.

In Sternen: 4/5

Die Reihe


Die Trilogie kommt im März 2012 endlich nach Deutschland, nachdem sie in den USA bereits große Wellen geschlagen hat. Dass eine so junge Autorin sofort mit ihrem Debüt auf den Bestsellerlisten landet, ist selten. Im Mai erscheint dann auf englisch der zweite Band der Reihe („Insurgent“) – für den finalen 3. Teil gibt es leider noch kein Datum. Das Cover für Insurgent wurde allerdings schon bekannt gegeben und man darf hoffen, dass es auch in Deutschland übernommen wird.

4 Comments
  • Ankas Geblubber
    Posted at 11:48h, 01 Januar Antworten

    Ich lese es auch gerade, deshalb habe ich deine Rezi nur überflogen, komme aber darauf zurück, wenn ich durch bin.
    Liebe Grüße
    Anka

  • Kermit
    Posted at 12:03h, 02 Januar Antworten

    Vielen Dank für die Rezi!
    Das hört sich doch sehr danach an, als könnte es etwas für mich sein :) Ich war noch etwas unentschlossen, aber jetzt wandert das Buch auf alle Fälle auf die WuLi.

  • Mareike
    Posted at 17:02h, 02 Januar Antworten

    Das Buch bereichert meine Wunschliste ja auch schon und deine Rezi hat das gerade nochmal bestätigt :-)

    „Schattenblüte“ werde diese Tage noch lesen. Da habe ich schon Gutes und Schlechtes gehört und bin jetzt echt gespannt, in welche Richtung mein Eindruck so geht.

    Liebe Grüße
    Mareike

  • Charlousie
    Posted at 23:13h, 02 Januar Antworten

    Eine tolle Rezension. Du schreibst wirklich toll!
    Nur einmal ganz kurz bekam ich auch das Gefühl, dass es schon WIEDER einen Kampf gibt, aber das hat mich so gar nicht gestört, dass ich es nicht erwähnte und das im Vergleich zum umhauenden Rest wirklich bedeutungslos ist!

    Liebe Grüße,
    Charlousie

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