Rezension: Die Beschenkte

Rezension: Die Beschenkte

Das Mädchen mit einem grünen und einem blauen Auge ist in allen sieben Königreichen gefürchtet, denn sie hat die Gabe des Tötens.

Kein Mensch ist stark genug um es mit ihr auf zu nehmen und so benutzt ihr Onkel, der König Randa, sie für seine Zwecke. Als Waffe gegen seine Feinde ist Katsa in allen Königreichen bekannt, aber sie ist es leid als wilde Bestie berüchtigt zu sein und gründet heimlich den „Rat“ um ihre Gabe zu nutzen und Menschen, denen Unrecht getan wurde, zu helfen. Zuerst hat sie nur wenige Verbündete, doch schon bald findet der Rat Freunde weit über die Grenzen des Königreichs von Randa hinaus.

So steigt die Geschichte ein mit einer Rettungsaktion im benachbarten Königreich, wo Katsa und ihre Freunde einen Mann, den Großvater des Prinzen von Lienid, aus der Gefangenschaft befreien. Dabei trifft sie auf einen weiteren Beschenkten: Bo, der die Gabe des Kämpfens hat und sich als der Prinz von Lienid zu erkennen gibt.
Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Auftraggeber der Entführung und kommen einem grausamen König auf die Spur, der Freunde und Feinde gleichermaßen geblendet hat…

Mit der Rezension tue ich mich etwas schwer. Kristin Cashores Schreibstil ist beeindruckend direkt und fesselnd. Einmal in die Geschichte abgetaucht, fiel es mir schwer das Buch wieder aus der Hand zu legen. Sie schafft vor den Augen des Lesers eine Welt, die mittelalterlich angehaucht ist und dezent einen funken Magie versprüht, sodass man gerne alles um sich herum vergisst.
Es gibt keine Längen im Buch durch die man sich hindurchquälen muss und kann verzaubert in die sieben Königreiche abtauchen.

Jedoch bin ich nicht ganz von den Charakteren überzeugt. Katsa ist kein gewöhnliches Mädchen – schon allein wegen ihrer Gabe. Man merkt deutlich eine Entwicklung von einer, wie sie es selber nennt, „wilden Bestie“ zu einer jungen Frau hin, die für ihre Liebe und die Gerechtigkeit kämpft. Dabei weicht sie aber nie von ihrer Sturheit und ihrer Kampfeslust ab… und das war mein Problem. Ihre Liebe zu Bo (und Bos Liebe zu ihr) war für mich nicht immer nachvollziehbar. An einem Tag prügeln die beiden sich gegenseitig blutig und am nächsten Tag gestehen sie sich ihre Gefühle zu einander ein.
Das Bild der unabhängigen, unbezähmbaren Frau wird bei Katsa dermaßen überstrapaziert, dass ich mich gegen Ende hin sogar darüber geärgert habe.
Auch die anderen Charaktere des Buches bleiben ein kleines Rätsel: Bos Cousine beispielsweise scheint so aufgeweckt und feinfühlig zu sein, dass man sich beim Lesen fragt, ob sie auch eine Beschenkte sein könnte. Dies wird aber nicht bestätigt und so bleibt man mit der Frage zurück, warum das Kind so weitsichtig ist.
Es ist schade, dass die begleitenden Personen nur so oberflächlich behandelt werden und sich kein Gesamtbild für den Leser ergeben kann.

Alles in allem liegt mit „Die Beschenkte“ ein netter Fantasy-Roman vor, der auch ohne Vampire, Werwölfe oder Engel versteht zu begeistern. Durch den angenehmen Schreibstil und die stetige Spannung macht es Spaß die Protagonisten auf ihrer Reise und dem Aufdecken des Geheimnisses des grausamen Königs zu begleiten. Wären die Charaktere etwas ausgefeilter und sympathischer, würde ich die volle Punktzahl vergeben. So jedoch muss ich kleinere Abstriche machen und werde mir, da Kristin Cashore eine ohne Frage talentierte Schriftstellerin ist, noch andere Bücher der Autorin zu Gemüte führen.

Bewertung: 3/5


Die Beschenkte von Kristin Cashore
496 Seiten (Hardcover)
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551582102
19,90€

5 Comments
  • Stephie
    Posted at 14:39h, 20 Oktober Antworten

    Schade, dass es dich dann doch so gestört hat.

    Über Bitterblue wird es aber auch noch einen Roman geben, da wird deine Frage dann sicher beantwortet ;)

  • Sarah
    Posted at 14:48h, 20 Oktober Antworten

    Dann bin ich darauf mal gespannt! An sich gefällt mir Cashores Schriebstil nämlich wunderbar und ich möchte unbedingt noch mehr Bücher von ihr lesen :)

  • Pia
    Posted at 19:08h, 20 Oktober Antworten

    Schade, dass es dir nicht so gefallen hat, ich fand das Buch unglaublich gut :)

  • Sarah
    Posted at 20:03h, 21 Oktober Antworten

    Tief in meinem Herzen bin ich einfach eine schrullige Pazifistin, deshalb haben mir die ganzen Kampfszenen wohl nicht gefallen und ich konnte mich nicht in die Charaktere hineinfühlen ;)

  • Paula
    Posted at 01:38h, 01 Januar Antworten

    Hab das Buch noch nicht ganz fertig, freue mich aber schon auf die beiden anderen „Fire“ und „Bitterblue“.
    Ich bin ein absoluter Fan von dem Buch wobei auch mich zwei Punkte gestört haben, zum einen, dass Katsa einen auf superunabhängig macht und zum anderen, dass sie nicht mit jeder Berührung tötet versteht mich nicht falsch aber das wäre spanneder.
    Ich habe auch noch eine Buchempfehlung für dich, und zwar „Ich, Prinzessin Elisabeth von England“ von Carolyn Meyer.
    Frohes Neues!

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