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Der verborgene Garten von Kate Morton
640 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Diana Verlag
ISBN: 978-3453354760
9,95€

Inhalt


Dass man die Vergangenheit nicht immer ignorieren kann, erfährt Cassandra, als sie nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter Nell plötzlich mit einem englischen Cottage dasteht. Die Australierin dachte eigentlich immer, dass sie alles über ihre Oma weiß, aber ihr Nachlass wirft einige Fragen auf. So erfährt Cassandra, dass Nell als kleines Mädchen mit nichts weiter als einem kleinen, weißen Koffer am Hafen in Maryland gefunden und von einem Paar adoptiert wurde. Und, dass Nell bis zu ihrem 21. Geburtstag selber nichts davon wusste, danach aber alles daran gesetzt hat, um das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften. Zwar konnte Cassandras Großmutter so eine Verbindung nach England auftun und eine mysteriöse Autorin scheint mit ihrer Übersiedlung nach Australien etwas zu tun zu haben… doch Zeit ihres Lebens war ihr nicht vergönnt heraus zu finden, wer ihre leibliche Mutter war. Deshalb macht sich nun Cassandra selber auf nach Cornwall, wo die Fäden scheinbar zusammen laufen, und entdeckt ein altes Familiengeheimnis, das beinahe hundert Jahre lang im Dunkeln lag…

Bewertung


Kate Morton ist eine Familiensaga gelungen, die nicht nur über einen (Zeit)Raum von knapp hundert Jahren, fünf Generationen und zwei Kontinenten verläuft, sondern auch mit jeder Seite mehr fesselt.

Wie man vielleicht gemerkt hat: schon eine Inhaltsangabe zu schreiben, fällt bei dieser komplexen Geschichte schwer. Es kommen unheimlich viele Charaktere in „Der verborgene Garten“ vor – und alle tragen zu dem Familiengeheimnis bei, das letztendlich die vollkommen unwissende Cassandra beschäftigen soll. Cassandra hat im Jahre 2005 bereits genug eigene Schwierigkeiten zu bewältigen, als sie von ihrem unerwarteten Erbe am anderen Ende der Welt erfährt. Zunächst weiß sie überhaupt nichts mit dem Cottage in Cornwall anzufangen, doch als sie heraus bekommt, dass ihre Großmutter adoptiert wurde, gibt sie sich einen Ruck und begibt sich auf die Suche nach Antworten. Wer war die Mutter ihrer Oma? Warum hat Nell an ihrem Sterbebett immer wieder von „der Autorin“ gesprochen und welche Geheimnisse verbergen sich in Blackhurst Manor? Cassandra ist für den Leser der Anker in der Gegenwart. Zu ihr springt die Handlung immer wieder zurück und sie hat letztendlich die Rolle der „Detektivin“, die das Rätsel um die Herkunft ihrer Großmutter löst.

Bis es so weit ist, springt die Perspektive aber immer wieder zu Generationen vor Cassandra. Ganze Abschnitte werden aus den Jahren 1906 bis 1913 erzählt, sowie aus 1975, als Nell sich damals auf den Weg nach England machte um selber etwas über ihre Herkunft herauszufinden. Die ständigen Perspektiv- und Zeitwechsel waren zu Anfang etwas anstrengend, da man sich erst einmal die vielen Namen merken musste um zu verstehen, wie die Zusammenhänge in dieser Familiensaga sind. Bald aber war das kein Problem mehr beim Lesen und da alle Zeitsprünge auch mit Jahreszahlen versehen sind, machte dies die Geschichte fortgehend nur noch spannender.

Für mich waren diese regelmäßigen Wechsel sogar eins der vielen Highlights des Buches. Ich konnte hinterher gar nicht mehr wirklich entscheiden, welche der Perspektiven meine „liebste“ war und habe mich von einer zur nächsten durchgelesen, wurde von den greifbar dargestellten verschiedenen Personen und Epochen regelrecht gefesselt. Man kann sich zwar als aufmerksamer Leser relativ schnell erschließen, was der springende Punkt in Nells mysteriösem Familiengeheimnis ist, doch tut das der Spannung keinerlei Abbruch. Man wird einfach so sehr in die Geschichte hinein gesogen, dass man jedes Detail wissen möchte und jedes neue Puzzlestück, das sich langsam erschließt, genießt.

Hinzu kommt, dass Kate Morton einen äußerst verträumt-poetischen Schreibstil hat. Der verwunschene Garten von Blackhurst Manor entsteht regelrecht vor den Augen des Lesers und bisweilen detailreiche Beschreibungen tun den Rest. Früher oder später ist man so versunken in der Geschichte, dass man sich genauso heimisch auf dem Cottage fühlt wie die Charaktere und empfänglich für alle Stimmungen der handelnden Personen ist.

Ein riesengroßer, weiterer Pluspunkt war für mich der Bezug zu Literatur, den Kate Morton immer wieder einbringt. Es ist geradezu eine Hommage an die großen Schriftsteller (und –innen), wie Parallelen auftauchen, die einem bekannt vorkommen. Ganz besonders, als plötzlich sogar Frances Hodgson Burnett persönlich auf einer Gartenparty in Blackhurst Manor auftaucht (für Unwissende: Burnett ist die Autorin von „Der geheime Garten“ – na, kommt der Titel bekannt vor?).
Aber es ist keinesfalls so, dass Kate Morton sich bekannter Autoren bedient um eine Geschichte zu erzählen und selber nichts zu sagen hat. Die viel erwähnte „Autorin“ aus Nells Vergangenheit zum Beispiel, war auf das Schreiben von Märchen spezialisiert. Und zum Glück macht Kate Morton uns Lesern die Freude und erzählt einige dieser Märchen, die wirklich wunderschön sind.

Alles in Allem kann man „Der verborgene Garten“ gar nicht mit einer Rezension gerecht werden. Die fast 640 Seiten sprechen ihre eigene Sprache und dürften jeden, der Familiensagen genauso wie dunkle Geheimnisse, England, Literatur und Märchen mag, begeistern. Ich selber bin jedenfalls mehr als überzeugt von dieser Geschichte und gestehe gerne, dass ich erst einmal richtig frustriert war, als ich das Buch durch hatte. Denn es hätte auch gerne noch einmal 600 Seiten haben können.

In Sternen: 5/5

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5 Comments

  • catbooks 8. November 2011 19:20

    Ich liebe dieses Buch/ Hörbuch! :D
    Freue mich sehr, dass es dir genauso gut gefallen hat! ;)

  • admin 8. November 2011 19:24

    Jaaa, ich fand es auch fantastisch! Dabei hatte ich gar nicht unbedingt damit gerechnet, weil ich normalerweise kein Fan von solchen Büchern bin. Hatte eigentlich unendlichen Kitsch und eine nervige Geschichte erwartet. Bin deshalb umso glücklicher darüber, dass das Buch so wunderbar ist und werde mir bei Gelegenheit auch die anderen Bücher von Kate Morton zulegen :)

  • Stephanie 8. November 2011 20:20

    Ui, wie schön. Das Buch landet direkt auf meinem Wunschzettel. Ich mag derartige Geschichten, obwohl mich die hohe Seitenanzahl ja schon etwas abschreckt. Nicht jeder Autorin gelingt es, die Spannung durchgehend zu halten. Kate Morton scheint das aber ja gelungen, von daher kann man ja eigentlich nichts falsch machen. Ganz besonders entzückend finde ich Frances Hodgson Burnetts Besuch im Buch, denn „Der geheime Garten“ zählt zu meinen Lieblingsbüchern. Dank dir für deinen tollen Bericht. ;-P Vlg Steffi

  • Karo 8. November 2011 23:25

    Hui, ich glaube, das Buch muss doch noch etwas weiter nach oben rutschen auf meinem SuB. Liegt auch schon länger darauf… Schöne Rezi, hat mir sehr viel Lust aufs Buch gemacht!!

  • Nanni 13. November 2011 10:03

    Wie immer eine wunderschöne Rezi :)
    Ich habe letzten Winter (?) „Die fernen Stunden“ von Kate Morton gelesen und war hin und weg. Wie schön, dass ich „Der verborgene Garten“ noch auf meinem SuB habe :)

    Liebe Grüße und ein wunderschönes Wochenende :)
    Nanni

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