Buchrezension: Der Übergang – Justin Cronin

Buchrezension: Der Übergang – Justin Cronin

Der Übergang von Justin Cronin
1040 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442469376
9,95€


Es beginnt wie alle großen Geschichten: mit einer dummen Idee der Regierung. Nicht etwa, um Ais zu heilen oder Krebs zu besiegen forscht das US-Geheimunternehmen an der Unsterblichkeit, sondern, um für militärische Einsätze gewappnet zu sein. Ein unbesiegbaret Soldat – der Traum einer jeden Weltmacht. Zwölf Versuchspersonen werden dafür vom FBI aus den Todestrakten der Gefägnisse und direkt in das geheime Labor geholt. Zwölf Personen, die nichts mehr zu verlieren haben und sich auf das Experiment einlassen. Und ein dreizehntter Proband: ein kleines Mädchen, gerade einmal sechs Jahre alt. Amy. Mit ihr soll sich alles verändern und der gewünschte Erfolg der Experimente endlich einstellen.

Viele Jahre später liegen die USA in Schutt und Asche. Statt Unsterblichkeit, bekamen die Menschen ein Virus, das tödlicher nicht sein könnte. Eine neue Spezies ist geboren: die Virals, blutrünstige Untote, deren Verhalten nicht mehr an die Menschen erinnert, die sie einst waren. Nur wenige Menschen überlebten und verschanzen sich seitdem in einem winzigen Dorf, umgeben von Flutlichtern, die die Virals in der Nacht fernhalten. Doch die lebenswichtigen Akkus, welche die Flutlichter speisen, drohen nun, beinahe 100 Jahre nach dem ersten Auftreten des Virus, zu versagen. Gerade in dese Phase taucht vor den Toren der Siedlung unerwartet eine weitere Überlebende auf: Amy. Das Mädchen, das vor nahezu einhundert Jahren Proband Nummer 13 werden sollte. Kaum gealtert und mit Fähigkeiten ausgestattet, die die Erlösung oder der Anfang vom Ende sein könnten…


Irgendwie dachte ich immer, in dem Buch ginge es um Zombies. Dass teilweise das Wort „Vampir“ in den Mund genommen wird, ist auch eine Beleidigung. Denn mit glitzernden Schönlingen oder alten Männern mit hochgeklapptem Kragen haben Justin Cronins Virals nichts gemeinsam. Auf jeden Fall bin ich froh, das Buch in die Hände bekommen zu haben – denn es entpuppte sich als eins der spannendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe.

Über eintausend Seiten. Bäh. Sowas mag ich gar nicht anfangen, weil ich schon weiß, dass ich dafür ewig brauchen werde. Kennt ihr den Gedanken? Ich hatte ihn mindestens so oft, wie ich Zeit zum Lesen des Buches gebraucht habe. Bereut habe ich das Buch nicht – wohl aber die blöden Überlegungen, die mich so lange davon abgehalten haben.

Zum Einen ist es bewundernswert, wie Justin Cronin seine Geschichte schreibt. Er lässt der Erzählung Zeit. Richtig viel Zeit. Ungefähr so, als wären wir alle kleine, unsterbliche Amys, die nicht innerhalb von 50 Seiten durch die Thematik hecheln müssen. So beginnt er auch dort zu erzählen, wo man eine Geschichte beginnen sollte: am Anfang. Es mag zunächst schwierig sein sich in die vielen Handlungsstränge hinein zu finden. Was haben denn nun FBI-Agenten, zum Tode verurteilte Sträflinge und ein kleines Mädchen mit einer Prostituierten als Mutter gemeinsam? Wozu muss ich die Hintergründe eines Sträflings lesen und die traurige Liebesgeschichte von Amys Mutter? So richtig will sich das einem zu Anfang nicht erschließen. Beinahe möchte man etwas mit den Augen rollen und denkt sich:
„Aha. Deswegen ist das Buch also so dick. Hätte man auch weglassen können.“

Aber nein! All die liebevoll ausgearbeiteten Details der Geschichte führen einen langsam an die Atmosphäre des Buches und lassen einen ganz hinterlistig viel zu nah an das Geschehen heran. Denn als plötzlich die Erzählung einen gewaltigen Zeitsprung macht und man sich in einer ganz anderen Welt (nicht wortwörtlich, wir haben hier ja keinen Fantasyroman. Zumindest nicht so richtig richtig. Ihr versteht.) wiederfindet, ist das ein Schlag ins Gesicht. Allerdings nicht nur für uns Leser, sondern auch für die eine Person, die alle Fäden der Erzählung in der Hand hält: Amy. Man braucht als stiller Beobachter der Geschichte alle Details und Hintergründe, um ein dauerhaft bedrücktes Gefühl beim Lesen zu haben.

Und das hat man nicht zu wenig. Die Verluste der Menschheit, persönliche Tragödien, immer wieder die düstere Bedrohung durch die Virals. Justin Cronin hat einen überaus dunklen Roman geschrieben, der mit seiner Atmosphäre ohne Probleme sogar Fernsehserien wie „The Walking Dead“ grün vor Neid werden lassen kann.

Für Fans von Endzeitgeschichten, die atmosphärisch dicht, detailverliebt und unglaublich intelligent geschrieben sind, ist Der Übergang ein absolutes Muss! Ich bin schon sehr gspannt auf Teil 2, der demnächst hoffentlich bei mir einzieht und warte schon jetzt sehnsüchtig auf den dritten, finalen Band.

In Sternen: 5/5

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Der Übergang

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1 Comment
  • Sweet Scent Stories
    Posted at 12:37h, 04 Juni Antworten

    Haha, das mit den Zombies habe ich auch immer gedacht! Vielleicht sollte ich dem Buch ja dann doch mal eine Chance geben ;-)

    Liebe Grüße,

    Nathy von
    sweetscentstories.blogspot.de

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