Rezension: Der Todeskünstler

Rezension: Der Todeskünstler

Stell dir das Schlimmste vor, was einem Menschen passieren kann. Und jetzt vergiss das wieder und lass dir gesagt sein: es kann noch schlimmer kommen.

Als Smoky Barrett aus ihrem Urlaub gerufen wird um an den Ort eines dreifachen Mordes mit nur einer Überlebenden zu gehen, merk sie sofort, dass etwas nicht stimmt. Das 16-jährige Mädchen, das überlebt hat, sitzt verstört im selben Zimmer mit den Leichen ihrer Adoptiveltern und ihres Adoptivbruders und hält sich eine Pistole an den Kopf. Sie erzählt Smoky eine unglaubliche Geschichte: ein Mann – der Todeskünstler – verfolg sie seit ihrem 6. Lebensjahr und tötet alle, die sie liebt. Ausnahmslos. Er will sie in den Wahnsinn treiben, sie brechen und nach seinem Abbild neu formen. Dabei ist es ihm nicht genug den Lieben des Mädchens physische Gewalt anzutun, viel schlimmer sind die psychischen Folgen für das Mädchen.

Die Aufgabe des Teams um Smoky ist es also zu verhindern, dass der Todeskünstler sein Ziel erreicht und ihn zu schnappen, bevor er den letzten seidenen Faden zur Normalität des Mädchens kappt und erneut zuschlägt. Ein verworrenes Spiel entwickelt sich, in dem immer mehr unfassbare seelische Brutalität zum Vorschein kommt…

Cody McFadyens 2. Thriller wurde mir von so vielen Menschen empfohlen, dass ich es unbedingt lesen musste. Noch grausamer, noch schlimmer, noch spannender. Da waren sich alle einig.
Jetzt muss ich zu meiner Schande gestehen, dass mich das Buch nicht so sehr mitgenommen hat wie „Die Blutlinie“. Entweder ich bin also schon total abgestumpft (darüber sollte ich mir Gedanken machen ;)) oder ich war einfach auf etwas unbeschreiblich Schlimmes vorbereitet und es kam dann gar nicht so schlimm. Ein bedeutender Unterschied zum letzten Buch ist, dass diesmal nicht so sehr die physische Gewalt im Vordergrund steht. Der „Todeskünstler“ tötet zwar, aber er tötet eher auf psychisch grausame Weise indem er der 16-jährigen Sarah immer wieder vor Augen führt, dass sie alles verlieren wird, was ihr lieb ist. Ihre Geschichte schreibt das Mädchen in einem Tagebuch nieder und gibt es Smoky zu lesen, sodass der Leser auf verstörende und anrührende Weise erfährt, wie Sarah ihr Leben erfährt. Ohne jetzt zu viel verraten zu wollen: jeder normale Mensch wäre daran längst zerbrochen, was den Kampf, den Sarah immer noch führt, besonders traurig macht.

Zu den Charakteren und dem Schreibstil möchte ich auch noch kurz etwas sagen: Bei „Die Blutlinie“ habe ich noch kritisiert, dass die Charaktere flach wirken und die Sprache des Buches mich stört. Besonders Smokys beste Freundin Callie, die ununterbrochen „Zuckerschnäuzchen“ an jeden Satz anfügte. In „Der Todeskünstler“ hat McFadyen sich ganz eindeutig verbessert: Callie nervt nicht mehr so sehr wie vorher und die Charaktere wirken auf einmal schon so vertraut auf einen, dass man sie glaubwürdig empfindet. Besonders toll fand ich, dass McFadyen diesmal sogar schöne literarische Bilder geschaffen hat und Metaphern verwendete, die das Lesen weitaus angenehmer machten, als es noch im 1. Band der Reihe um Smoky Barrett war.

Insgesamt hat mich das Buch nicht so sehr geschockt – eben weil ich auf weitaus Schlimmeres innerlich schon vorbereitet war – aber es war nichtsdestotrotz ein spannender und packender Thriller voller Wendungen und einigen Stellen, die einem an die Nieren gingen. Ich kann das Buch allen hart gesottenen Thrillerfans empfehlen; man sollte allerdings den 1. Band vorher lesen damit man der Geschichte besser folgen kann.

Bewertung:4/5

Der Todeskünstler von Cody McFadyen
556 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: BasteiLübbe
ISBN: 9783404162734

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