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„Nichts bringt mehr Freude in die Bude als umherspritzende Innereien“ (Brom in seinem Nachwort)

Zugegeben: der Satz ist jetzt komplett aus dem Kontext gerissen – aber beim Lesen von „Der Kinderdieb“ überkommt einen manchmal das Gefühl, dass dieser Satz nicht ganz so ironisch gemeint ist, wie er präsentiert wird.

Peter hat sein Zuhause in Avalon gefunden, dem letzten magischen Ort auf der Welt. Beschützt wird dieser Hort des Übernatürlichen für gewöhnlich von der „Dame“, aber sie wird zusehends schwächer und „Fleischfresser“ bedrohen die Idylle von Avalon. Um das Sterben des magischen Ortes zu verhindern, kehrt Peter immer wieder in das New York der Gegenwart zurück: auf der Suche nach ausgestoßenen und verlorenen Kindern. Diese überredet er dann, mit sich nach Avalon zu kommen und verspricht ihnen ein besseres Leben.

Als er auf den 14jährigen Nick stößt, der Probleme mit Drogendealern hat, ist ihm das Potential des Jungen sofort bewusst. Nick und Peter sind sich in vielerlei Hinsicht ähnlich aber allzu oft auch genau gegensätzlich.

Kurz nachdem Nick dem Kinderdieb bis nach Avalon gefolgt ist, wird ihm klar, dass die Kinder dort von Peter ausgebildet werden – um zu kämpfen…

Wir alle kenne wohl die Geschichte von Peter Pan, dem Jungen der niemals erwachsen werden wollte. Aber abgesehen von der kinderfreundlichen Disney-Version: wie kann die Geschichte wirklich aussehen?
Brom schafft es die bekannte Geschichte James Matthew Barries ganz neu zu erzählen und unter Anderem mit Elementen der irischen Mythologie zu verknüpfen. Peter ist nicht bloß ein liebenswerter Junge, der schlecht behandelt wurde und nun für seine Freiheit kämpft, nein, er ist auch unberechenbar, brutal und rücksichtslos.

Es hat mich gerade auf den letzten 200 Seiten fasziniert, wie Brom sich mit dem Aspekt der Schuld befasst. Wer ist Schuld am Zerfall Avalons? Wie sieht es mit der persönlichen Schuld jedes Einzelnen aus? Ganz klar, geht das Buch unter die Oberfläche eines einfachen Unterhaltungsromans und regt auch zum Nachdenken an. Nicht jeder, der zu Anfang wie der große Held aussah, kann diesem Image bis zum Ende gerecht werden und diejenigen, die zunächst wie das personifizierte Böse wirkten, gewinnen plötzlich an Sympathie. Genau wie manchmal im wahren Leben also – nur viel spannender und mitreißender verpackt.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir dabei der passende Satz: „Beide Seiten waren vor Angst und Hass aufeinander so verblendet, dass sie nicht einmal merkten, dass sie eigentlich das Gleiche wollten […]. Was für ein Irrsinn!“

Ich kann nur jedem empfehlen dieses wunderschöne, vielschichtige Buch zu lesen! Einzige Vorraussetzung: ein starker Magen, da wirklich häufig Innereien durch die Gegend fliegen.

Bewertung: 5/5

Der Kinderdieb von Brom
ISBN: 9783426283295
Verlag: Pan (Droemer/Knaur)
655 Seiten (Hardcover)
16,95€

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