Rezension: Der Fall Jane Eyre

Rezension: Der Fall Jane Eyre

Was würdest du tun, wenn ein Schurke aus deinem Lieblingsroman eine Figur klaut und damit droht, sie zu ermorden? Wenn dein Vater ein anarchistischer Zeitreisender ist und immer in den unmöglichsten Augenblicken auftaucht? Und wenn du beim Tierarzt im Wartezimmer einen pinken Dodo siehst?

Thursday Next steht mit beiden Beinen eigentlich ganz gut im Leben: Sie hat einen Job bei den SpecOps-27 (kurz: SO-27), den so genannten LiteraturAgenten, die sich mit Fälschungen wertvoller literarischer Werke beschäftigt und hat sich ihr Dasein in London recht gemütlich eingerichtet.
Als das Originalmanuskript von Charles Dickens „Martin Chuzzlewit“ gestohlen wird und ein Agent der SO-5 (was genau die tun, ist aber streng geheim!) Thursday bittet sich ihnen anzuschließen, da sie wertvolles Wissen zu den Ermittlungen beitragen kann, ändert sich dies aber schlagartig. Denn der Erzschurke, der das Manuskript gestohlen hat, ist scheinbar niemand anders als Acheron Hades: 3.-meist-gesuchter Mann der Welt, 42-facher Mörder, Betrüger, Lügner, Genie und ehemaliger Professor für Literatur von Thursday.
Der Einsatz geht aber völlig schief und mehrere Kollegen von Thursday sterben, Acheron scheint tot zu sein und sie selbst landet verletzt im Krankenhaus.
Dort begegnet sie sich selbst: scheinbar aus der Zukunft kommt ein quietschgrüner Porsche mit ihr als Fahrerin direkt im Krankenzimmer zum Stehen und rät ihr, sich in Swindon für den Job der LiteraturAgentin zu bewerben, denn Hades sei nicht tot…

Gesagt, getan. Zwar gefällt es Thursday nicht wieder in ihre alte Heimatstadt zurückkehren zu müssen, da sie ihrer Vergangenheit dort nicht entkommen kann, als aber erneut ein Manuskript gestohlen wird und ihre Familie direkt in die Geschehnisse verwickelt ist, fängt sie an Hades zu jagen …

Also dieses Buch! Ich bin mir gar nicht sicher wo man es genau einordnen kann; Humor, Science Fiction, Fantasy, Krimi? Irgendwie hat es von allem etwas. Von Japser Ffordes Ideen war ich köstlich amüsiert. So ist Thursdays Welt unserer gar nicht so fremd, aber irgendwie auch ganz anders. Literatur und Kunst spielen in der Gesellschaft eine unglaublich große Rolle, sodass es nicht unüblich ist eine Straßenschlacht zwischen Raffaeliten und modernen Malern oder Francis Bacon- und Shakespeare-Anhängern zu beobachten. England und Russland befinden sich außerdem seit 130 Jahren im so genannten „Krim-Krieg“, aber abgesehen davon, und von den geklonten Dodos, den Zeitreisen und den Werwölfen ist alles wie bei uns. Naja, fast.
Auf jeden Fall ist es herrlich schräg und witzig zu lesen was Thursday alles widerfährt, während sie versucht Hades zu schnappen. Dabei ist die Geschichte nicht einmal so spannend wie eine Agentengeschichte… aber einfach so skurril, dass man weiter lesen will und muss!

Um wirklich Spaß an dem Buch zu haben, ist es ganz gut sich ein wenig mit Literatur und Kunst auszukennen – so versteht man dann auch alle Witze. Ich persönlich hatte besonders Spaß an der das ganze Buch immer mal wieder durchziehenden Debatte ob Shakespeare wirklich seine Werke verfasst hat, oder ob Bacon (oder noch jemand anders) dahinter steckt. Am Schluss wird diese Frage sogar sehr interessant beantwortet und ich ärgere mich ein wenig, dass ich meine „Facharbeit“ in der Schule über eben dieses Thema schon hinter mir habe ;-)
Auch sonst findet man alle nur möglichen Elemente um dem Leser ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern: Namen, bei denen „Nomen est Omen“ definitiv gilt, Verunstaltung der Rechtschreibung zu Anschauungszwecken, verrückte Erfindungen und immer wieder Dodos.

Dabei ist das Buch aber keinesfalls oberflächlich und albern, denn Thursdays Gedanken zum Thema Krieg und Schuld, Vergebung und Heldenmut bringen auch eine tiefer reichende Komponente ein. Oh: und es gibt sogar eine ganz kleine Liebesgeschichte, wenn auch (zum Glück) nicht schnulzig.
Meiner Meinung nach wird Fforde zu Recht oft mit Douglas Adams verglichen, denn beide haben (bzw. hatten) offensichtlich eine Begabung dazu, sich total bekloppte Sachen auszudenken, die einfach nur Spaß machen. Da Fforde niemals schwachen, oberflächlichen Humor verwendet, möchte ich ihn aber auch noch zusätzlich mit Walter Moers vergleichen: beide versteht man am Besten, wenn man etwas Ahnung von Literatur hat.

Auf jeden Fall ein sehr empfehlenswertes Buch, dessen Nachfolger ich mir nun ganz bestimmt kaufen werde!

Bewertung: 5/5


Der Fall Jane Eyre von Jasper Fforde
384 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783423210140
8,95€

No Comments
  • Stephie
    Posted at 12:45h, 25 April Antworten

    !?!? Ich hatte mir unter diesem Buch irgendwie immer etwas völlig falsches vorgestellt XD Da ich mir nie eine Beschreibung oder gar eine Rezesion durchlas bin ich davon ausgegangen, dass sei wieder so ein übeflüssiges Buch, das einem ein literarisches Werk, in diesem Fall Jane Eyre, erklären will. (Hab neulich ein Buch im Laden gesehen, dass man Lesen soll, um Dan Browns „Das verlorene Symbol“ zu verstehen!?)
    Da habe ich mich ja wohl gewaltig getäuscht! Das Buch hört sich bei dir richtig gut an, vielleicht setze ich das auf meine Wishlist.

    PS: Hast du was an deinem Layout verändert? Die Schrift der Navi steht bei mir auf einmal höher, also nicht mehr da, wo sie eigentlich hingehört.

    • Sarah
      Posted at 14:15h, 25 April Antworten

      Ich hab das Buch auch erst gar nicht wahrgenommen, weil ich das Cover so hässlich fand, dass ich mir nie die Mühe gemacht hab mal den Klappentext zu lesen XD Letztens bin ich aber noch mal darüber gestolpert und fand, dass es doch recht interessant klingt. Immerhin hatten mich auch Douglas Adams und Walter Moers erst im Nachhinein von sich überzeugt ;)
      Und jetzt bin ich froh es gelesen zu haben! Vermutlich muss man schon etwas mit so bekloppter Literatur anfangen können und den britischen Humor mögen, aber mir gefällts.

  • Sarah
    Posted at 14:33h, 25 April Antworten

    Oh und wegen dem Layout: Eigentlich habe ich nichts verändert!? In wiefern sieht das denn bei dir verrutscht aus? Und benutzt zu Firefox oder den InterExplorer? Ich habe gerade extra noch mal mit beiden bei mir geschaut und da sieht alles so weit in Ordnung aus. Hoffentlich ist da nicht irgendwas total im Eimer :(

  • Ramona
    Posted at 15:18h, 25 April Antworten

    Also zum Layout: Bei mir ist alles normal. :)

    Die Rezi klingt gut, ich bin mir aber unsicher, ob dieses Buch in mein Beuteschema passen würde…

  • Stephie
    Posted at 16:45h, 25 April Antworten

    Ich benutze IE und bei mir sind die 4 Wörter (Rezis, SUB, etc) jetzt gute 20-30 Pixel über den buntn Flächen. Gestern war da noch nicht.

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