Rezension: Der Augenjäger

Rezension: Der Augenjäger

Der Augenjäger von Sebastian Fitzek
432 Seiten (Hardcover)
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3426198810
19,99€

Inhalt


Das Spiel des Augensammlers ist grausam: er sucht sich eine Familie aus, tötet die Mutter, entführt das Kind und gibt dem Vater 45 Stunden um sein Kind zu retten. Ist der Vater zu spät, erstickt das Kind qualvoll, ehe der Augensammler ihm das linke Auge entfernt. Der Polizeireporter Alexander Zorbach musste dies bereits am eigenen Leibe erfahren, als der Augensammler seinen Sohn entführte. Nun läuft ihm die Zeit davon und wenige Minuten nach Ablauf des Ultimatums klingelt sein Handy. Der Augensammler bietet ihm einen Handel an.
Ungefähr zu selben Zeit sitzt der Augenjäger bereits bei der Polizei. Der Spezialist für Augenchirurgie führt tagsüber ein normales Leben, doch hört er nachts nicht auf zu operieren. Seine Opfer sind allesamt Frauen und nachdem er ihnen die Augenlider abgeschnitten hat, setzt er sie Qualen aus, die sie zwar körperlich überleben, sie psychisch aber in den Selbstmord treiben. Die einzige Zeugin, an der die Verurteilung des Psychopathen hängt, scheint aber wie vom Erdboden verschluckt und eine Entlassung des Jägers aus der Haft scheint unumgänglich. Deshalb greift die Polizei nach ihrem letzten Strohhalm: Alina Gregoriev, die blinde Physiotherapeutin, der nachgesagt wird, dass sie in die Seele der Menschen schauen und ihnen ihre dunkelsten Geheimnisse entlocken kann. Doch als Alina sich darauf einlässt zu helfen, wird sie selber ein Teil des grausamen Spiels und niemand ist da um ihr zu helfen, da auch Zorbach in diesem Wahnsinn gefangen ist…

 

Bewertung


„Der Augenjäger“ ist mehr oder weniger die Fortsetzung zum „Augensammler“ – obwohl die Geschichten in sich selber abgeschlossen sind. Mit seinem ersten Fortsetzungsthriller erzählt Sebastian Fitzek eine neue Handlung mit bekannten Protagonisten.

Nun, über die bereits bekannten Charaktere aus „Der Augensammler“ gibt es nicht mehr viel zu berichten. Einzig die Tatsache, dass Fitzek seinen Protagonisten zusätzlich Leben einzuhauchen vermag, indem er ihnen eine Vergangenheit gibt, bietet einige neue Aspekte. Ansonsten bleibt Zorbach der Polizeireporter, der hitzig und unbedacht handelt. Für seinen Sohn würde er alles tun und so gibt es gleich zu Beginn von „Der Augenjäger“ einen Moment, der den Leser sehr überraschen wird. Alina zweifelt noch immer selber an ihren Fähigkeiten und möchte eigentlich gar nicht in den Fall des Augenjägers hineingezogen werden. Dass sie sich letztendlich doch entscheidet ihre Hilfe anzubieten und dann dadurch in Gefahr gerät, wird logisch und klug erzählt.

Überhaupt war ich wieder davon begeistert, wie Fitzek dem Leser zu Beginn eine Hand voll loser Fäden hinwirft, die sich im Verlauf der Handlung zu verknoten scheinen und sich am Ende ganz anders entwirren, als man es erwartet hätte. Immer, wenn man sicher war einen Handlungsstrang durchschaut zu haben, ergaben sich Wendungen, die für neue Spannung sorgten. So kommt wieder der bekannte fitzeksche Nervenkitzel auf, wenn man liest, wie der Augensammler und der Augenjäger in Verbindung stehen und wie Zorbach und Alina zwar an völlig verschiedenen Ausgangspunkten starten, ihre persönlichen Albträume sich jedoch schnell verbinden und sie sich über den Weg laufen.

Von der Spannung abgesehen, die wirklich konstant die gesamte Geschichte durchzieht, war ich wieder sehr davon angetan, wie glaubhaft Fitzek von „seinen“ Psychopathen berichtet. Hintergründe und Verhaltensmuster wirken (zumindest auf mich als Laien) extrem gründlich recherchiert und ergeben ein stimmiges Bild, das gerade aufgrund seiner Glaubwürdigkeit besonders erschreckend ist und einem schon mal die Haare zu Berge stehen lassen. Insbesondere Dr. Zuker, der Augenjäger, bekommt hier ein feines psychologisches Profil, das einen beim Lesen mit grauen erfüllt und das nur allzu möglich erscheint.

Nun aber zu dem, was mir leider dieses Mal überhaupt nicht gefallen hat. Das Buch hat knapp 400 Seiten und dafür geschehen tatsächlich einfach zu viele Dinge. Manche Wendungen kommen so unerwartet, dass man sich genauere Erklärungen gewünscht hätte. Denn so bleibt kein Platz mehr um die Beweggründe wirklich zu erklären. Insbesondere der Hintergrund des Augensammlers kommt mir hier viel zu kurz, nachdem doch einige neue Tatsachen ans Licht kommen. Auch eine gewisse Frau namens Iris, die hier maßgeblich zum Verlauf der Handlung beiträgt, erhält eigentlich nur eine Statistenrolle. Dafür, dass sie immer wieder eingreift, erfährt man meiner Meinung nach zu wenig über sie. Auf diese Weise kam bei mir beim Lesen ein wenig das Gefühl auf, dass sie nur in die Geschichte eingebaut wurde, um die Handlungsstränge etwas einfacher verbinden zu können. Insgesamt passiert so viel mit den parallel verlaufenden Geschichten zwischen Zorbach und dem Augensammler und Alina und dem Augenjäger, dass es teilweise schwer war allem zu folgen. Die Verbindungspunkte der beiden Geschichten sind mir durch die doch sehr überraschenden Wendungen manchmal zu konstruiert und erzwungen gewesen.

Eigentlich schade, denn man merkt sehr wohl, was für eine großartiges Erzähltalent Fitzek ist. Und auch hier kann man durchaus vor Spannung an den Nägeln kauen und sich ganz im Buch verlieren – nur ein paar Erklärungen und fließendere Übergänge mehr hätten nicht geschadet.

In Sternen: 3/5

3 Comments
  • Ela
    Posted at 05:12h, 22 Oktober Antworten

    Hi,
    eine tolle Rezension! Mir hat der AUgenjäger richtig gut gefallen und ich hab auch eigentlich nichts vermisst. Hast Du schon den Prolog gelesen der jetzt online ist?
    Vielleicht hätte man das lieber mit ins Buch einbringen sollen?
    Es erklärt doch noch ein klein wenig mehr.
    LG Ela

  • admin
    Posted at 08:35h, 22 Oktober Antworten

    Hallo Ela!
    Den Prolog habe ich bis jetzt noch nicht gelesen – sollte ich vielleicht mal schnell machen – vorallem, wenn es noch etwas mehr erklärt. Danke für den Tipp :)

  • Ela
    Posted at 12:42h, 22 Oktober Antworten

    Hi,
    ja mach ruhig mal, kannst mir ja kurz mal sagen was DU davon hälst :O))
    LG ELa

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