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Um einen Killer zu schnappen, muss man denken wie ein Killer – oder einer sein…

Das FBI steht vor einem Problem, denn eine grausam zugerichtete Frauenleiche nach der Anderen taucht auf. Das Muster ist immer das Selbe: die Opfer wurden gehäutet und dann in einem Fluss abgeladen, die Orte des Verbrechens scheinbar willkürlich gewählt. Ohne Anhaltspunkte greift das ermittelnde Team zu einer letzten Maßnahme um den als „Buffalo Bill“ in den Medien bekannt gewordenen Mörder ausfindig zu machen: Psychologische Profile anderer Massenmörder sollen zu Rate gezogen werden. Ausgerechnet der hochintelligente Ex-Psychiater und mittlerweile im Hochsicherheitstrakt inhaftierte Kannibale Hannibal Lecter verweigert aber seine Zusammenarbeit. Der Abteilungschef Jack Crawford wendet sich an die junge und attraktive FBI-Agentin Clarice Starling und bittet sie um Hilfe. Mit ihren Kenntnissen aus der Psychologie und Verhaltensforschung (und nicht zuletzt ihren äußeren Reizen) soll sie versuchen aus Lecter Informationen heraus zu holen. Wider Erwarten lässt der Kannibale sich darauf ein der Agentin kleine Informationshäppchen im Austausch gegen private Erinnerungen an ihre Kindheit zu geben. Nicht genug um Buffalo Bill ausfindig machen zu können, aber ausreichend um das FBI auf eine Spur zu bringen.

Als jedoch eine weitere Frau entführt wird und sich auch noch als die Tochter einer Senatorin herausstellt, wird die Zeit knapp und nicht zuletzt Lecters Vorliebe für perfide Psychospielchen machen die Suche nach Buffalo Bill zu einem Wettlauf um Leben und Tod…


Vorweg: ich kenne den Film und war auch von dem nicht sonderlich begeistert. Allerdings wird ja immer gesagt, dass die zugrunde liegenden Bücher immer besser als die filmische Umsetzung sind – und dem kann ich hier zustimmen.

Gefallen hat mir sehr gut, dass das Buch aus Starlings Sicht geschrieben ist. Die junge Frau ist eigentlich erst in der Ausbildung beim FBI und muss sich oft mit bürokratischen Vorgehensweisen rumschlagen, die man so nicht erwartet hätte. Es ist interessant ihre Gedankengänge zu verfolgen und ihren Fortschritt bei der Jagd auf Bill nach zu vollziehen. Ein besonderes Highlight sind zusätzlich ihre Besuche an Lecters Zelle und wie die Insassen des Gefängnisses beschrieben werden. Thomas Harris beschreibt dabei so intensiv und ungeschminkt den Wahnsinn der Massenmörder, dass es einem beim Lesen schon mal kalt den Rücken runter läuft… alles wirkt dermaßen glaubhaft, dass man das Gefühl hat es mit echten Personen zu tun zu haben.

Ehrlich gesagt war das aber auch schon alles, was mir an diesem Buch gefallen hat. Es kommt nämlich bis ganz kurz vor Schluss keine richtige Spannung auf. Auf dem Buchumschlag steht verheißend etwas von einer „blutigen Jagd“ und davon kann nicht die Rede sein. Viel mehr wird in dem Buch beschrieben wie Clarice Starling versucht Indizien zu einem Gesamtbild zu kombinieren und von einem Schauplatz zum nächsten fährt um sich nach weiteren Anhaltspunkten umzusehen. Dazwischen immer mal wieder ihre Besuche bei Lecter, der mit seiner intelligenten Art geradezu beängstigend wird. Aber eine blutige Jagd kommt sicher nicht vor. Auch das auf dem Buchrücken angekündigte „grausame[s] Spiel“, welches Lecter mit Clarice angeblich beginnt, hat auf mich nicht wirklich grausam gewirkt. Ohne Frage spielt er mit den FBI-Agenten weil er eine Genugtuung darin empfindet die Macht über Leben und Tod zu haben obwohl er in einer Zelle sitzt – aber gerade Starling gegenüber ist er die meiste Zeit eigentlich sehr handzahm.
Wer hier also einen atemberaubend spannenden Thriller erwartet, wird enttäuscht werden. Das Hauptmerk der Geschichte liegt meiner Meinung ganz klar auf der Ebene der Psyche. Sei es nun die von Buffalo Bill, Hannibal Lecter oder Clarice Starling.

Zudem muss ich meine Ausgabe des Buches (siehe Bild) noch deutlich kritisieren. Wenn ich das richtig sehe, kann man diese auch schon gar nicht mehr neu kaufen – aber man stolpert auf so ziemlich jedem Trödelmarkt darüber, daher noch ein paar Worte dazu.
Das gesamte Buch ist übersät mit Tippfehlern und die Interpunktion (besonders die Kommasetzung) ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern an vielen Stellen schlichtweg falsch, sodass das Lesen manchmal eine echte Qual war. Es entsteht beinahe der Eindruck, dass gar nicht Korrektur gelesen wurde. So kommt gehäuft vor, dass Wörter mit Umlauten wie ö, ä oder ü einfach stattdessen mit o, a oder u abgedruckt wurden. Einen Satz musste ich sogar erst mehrere Male lesen bevor mir klar wurde, wo hier der Fehler lag: „Er gab den Spielstand oft durch, aber nicht oft genug, um die Wetter zufriedenzustellen.“ (S. 204)
Gemeint waren die „Wärter“ des Gefängnisses… also ein etwas merkwürdiger Fehler.
Kurzum: wenn jemand das Buch gerne lesen möchte, rate ich von der BILD-Ausgabe dringend ab da man sich seine Lektüre nicht auch noch mit unzähligen Fehlern vermiesen muss.

Insgesamt ein interessantes Buch, welches mich aber nicht fesseln konnte und nicht den erwarteten „Thrill“ bot. Für Fans von Psychologie sicherlich eine gute Wahl wenn man sich vorher darüber klar ist, dass man eben keinen gewöhnlichen Thriller vor sich liegen hat.

Bewertung: 2/5


Das Schweigen der Lämmer von Thomas Harris
384 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453432086
8,95€
Die Angaben sind diesmal nicht von der von mir gelesenen Ausgabe, sondern von der noch käuflichen von Heyne!

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