Rezension: Dark Queen – Schwarze Seele, schneeweißes Herz

Rezension: Dark Queen – Schwarze Seele, schneeweißes Herz

Dark Queen von Kimberly Derting
362 Seiten (Hardcover)
Verlag: Ink
ISBN: 978-3863960179
17,99€

Inhalt


Vorzugeben, nur zwei Sprachen sprechen zu können, ermüdet Charlie. Sie lebt im strengen System des Königreiches Ludania, in dem jeder nur die Universalsprache und die seiner Klasse sprechen darf. In ihrem Falle wäre dies die Sprache der Händler, Parshon. Jede andere Sprache anzustimmen oder überhaupt zu verstehen, ist unter Todesstrafe verboten. Sobald jemand einer höheren Klasse in seiner Sprache spricht, ist es für Charlie verpflichtend ihren Kopf unterwürfig zum Boden zu beugen und keinen Blickkontakt mit der anderen Person aufzubauen. Doch sie hat eine besondere Fähigkeit: sie versteht alle Sprachen aller Klassen. Gelesen oder gesprochen macht für sie keinen Unterschied. So ist es manchmal nicht einfach sich genauso wie alle anderen zu verhalten. Dabei ist es lebensnotwendig nicht aufzufallen – das jedenfalls trichtern ihr ihre Eltern seit Kindesbeinen ein. Als sie eines Nachts in einem Club Max kennen lernt, ist sie fasziniert von der fremden Sprache, die er spricht. Noch nie hat sie jemanden sonst in diesem Dialekt sprechen hören. Und als sie beginnt mehr über den mysteriösen jungen Mann herauszufinden, erfährt sie auch mehr über sich selbst und muss erschrocken feststellen, dass bereits die Königin, sowie die Widerstandskämpfer hinter ihr her sind…

Bewertung


Kimberly Derting ist bekannt für ihre „Bodyfinder“-Reihe, mit der sie weltweit viele Leser(innen) begeistern konnte. Nun hat sie sich an einer Mischung aus Fantasy und Dystopie versucht – und leider keine neuen Ansätze gefunden.

Zunächst einmal sind alle Charaktere im Buch leider sehr oberflächlich gestaltet, sodass man einfach nicht „warm“ wird mit ihnen. Voran Charlaina „Charlie“, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird. Mit ihrer außergewöhnlichen Gabe ist sie sofort interessant und rückt automatisch in den Fokus, doch dort, wo man nach etwas mehr Tiefgang sucht, wird man enttäuscht. Ihre Verhaltensmuster sind teilweise widersprüchlich. So scheint sie ein freches Mundwerk zu haben und nicht unbedingt schüchtern zu sein, doch empfindet sie sich selbst als nicht besonders hübsch und unauffällig. Wenn man genau darauf achtet, hat man beim Lesen das Gefühl, dass die Autorin Charlies Figur sehr stereotyp geplant hat. Sie muss auffallen? Okay, sie bekommt eine spezielle Gabe. Sie muss eine Heldin darstellen? Gut, dann wird sie etwas frech und gleichzeitig als liebevolle Schwester dargestellt. Sie braucht noch Sympathiepunkte? Dann rettet sie eben ihrer Erzfeindin aus reiner Freundlichkeit noch zwischendurch das Leben.

Ganz irritiert war ich von den anderen Charakteren. Während man bei Charlie zumindest noch ein Muster erkennt, bleiben alle anderen handelnden Personen sehr flach und unausgereift. Charlainas beste Freundin Brooklynn erscheint beispielsweise den Großteil des Buches über als unsensible, egoistische und zickige Person. Man hat sofort das Bild einer höchst unsympathischen jungen Frau vor Augen, die sich nur etwas aus ihrem Aussehen und ihrer Beliebtheit macht. Das ändert sich im hinteren Teil des Buches so schlagartig, dass man den Wandel gar nicht richtig glauben mag. Als Leser ist man weiterhin davon überzeugt, dass Brooklynn nicht so recht ins Bild passt.

Genauso verhält es sich mit Max, der übertrieben plötzlich ein Interesse für Charlie entwickelt und stattdessen Brooklynn vollkommen ignoriert – wobei diese doch ansonsten alle (ja, wirklich alle!) Männer anzieht. Max ist so offensichtlich an Charlie interessiert, dass er verdächtig und unglaubwürdig wirkt. Das Prickeln beim Lesen einer langsam aufkeimenden Liebesbeziehung wollte sich nicht so recht einstellen.

Aber immerhin bekommen diese Charaktere noch ein Profil – anders als beispielsweise Charlies bester Freund der am Anfang kurz auftaucht, dann komplett ignoriert wird und am Ende unerwartet wieder eine Rolle erhält. Er geht ansonsten im Verlauf der Handlung vollkommen unter. Das war schade, denn meiner Meinung nach leben Geschichten von ihren Protagonisten. Zwar stört man sich auch nicht direkt an Charlie oder möchte das Buch aufgrund der anderen Charaktere in die Ecke schmeißen, doch fällt keiner von ihnen besonders positiv auf und bereichert die Geschichte.

Ähnlich sieht es mit dem politischen System in „Dark Queen“ aus. Da es sich zumindest teilweise um eine Dystopie handelt, ist das „Schreckenszenario Zukunft“ eigentlich ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Doch auch hier wirkt es so, als hätte Derting nicht viel Zeit in das Ersinnen neuer Ideen gesteckt. Zwar ist das Königreich Ludania in Klassen unterteilt, die sich durch den Gebrauch unterschiedlicher Sprachen unterscheidet, doch ansonsten erfährt man wenig über das System. Benachbarte Länder werden scheinbar auch von Königinnen regiert – es liegt also insgesamt eine Form von Monarchie vor (wenn auch eine, die sich lediglich auf Königinnen stützt). Ein interessanter Ansatz, aus dem man hätte viel herausholen können. Leider wird nie erklärt, warum ausgerechnet dieses System sich etabliert hat. Die Königinnen scheinen, im Gegensatz zu den männlichen Monarchen, besondere Fähigkeiten zu haben. Doch warum? Seit wann? Leider bleibt der Leser hier im Dunkeln.

Ansonsten erkennt man viel bereits Bekanntes in „Dark Queen“ wieder. Sowohl aktuell Diskutiertes wie permanente Überwachung wird kurz angesprochen, als auch Anlehnungen an den Nationalsozialismus. So wird zum Beispiel „Ein fleißiger Bürger ist ein glücklicher Bürger“ über Lautsprecher durchgesagt und vor Unterrichtsbeginn müssen die Schüler ihre recht Hand nach oben in die Luft strecken und dabei eine Lobeshymne auf die Königin aufsagen. Nicht zuletzt hat sich Derting auch an den Hexenprozessen des Mittelalters bedient, in denen man seine Nachbarn denunziert (und dem sicheren Tod überlassen) hat, um seine eigene Haut zu retten.

Weiter bleiben einige Gegebenheiten einfach unausgereift. Die Protagonistin Charlie ist etwas Besonderes dadurch, dass die alle Sprachen verstehen und sprechen kann. Mir kam gleich zu Beginn die Frage, warum die anderen Leute denn nicht in der Lage sind andere Sprachen zu lernen. Tatsächlich geht die Autorin auf diese Ungereimtheit in der Mitte des Buches kurz ein, doch ist die Antwort ebenso unbefriedigend, wie das unausgereifte politische System.

Aber kommen wir auch zu etwas Positivem. Das Buch lässt sich sehr flüssig und angenehm lesen. Ohne große Probleme findet man sich in die Geschichte ein und folgt dem Handlungsverlauf – bisweilen richtig gespannt, was als nächstes passieren wird. Man könnte eigentlich behaupten, dass Derting ein gar nicht so schlechtes phantastisches/dystopisches Jugendbuch geschrieben hat. Doch gerade wenn man in dem Gerne schon einige andere Bücher gelesen hat, fällt ihre Ideenlosigkeit auf. Es ist eben alles etwas unausgereift und gewöhnlich. Für einen Einstieg in das Genre sicherlich gut geeignet, für alte Hasen vermutlich enttäuschend.

In Sternen: 2/5

8 Comments
  • Stephie
    Posted at 13:16h, 09 März Antworten

    Oje, das klingt ja wirklich gar nicht begeistert, dabei hatte ich mich so auf das Buch gefreut. Schade, zumal wir ja einen sehr ähnlichen Geschmack haben und ich befürchte, dass mir das Buch dann vielleicht auch nicht zusagen wird …

  • Sineous
    Posted at 13:39h, 09 März Antworten

    Danke für die Rezi! Nachdem ich deine Bewertung gelesen hatte, habe ich es mir mit dem Kauf dieses Buches glatt anders überlegt. Ich mag nichts weniger, als oberflächliche Charaktere. Da mag das Buch oder die Autorin noch so sehr gehyped werden. War damals auch schon mit Alyson Noels Büchern so.

    Großes Lob, weiter so!

  • Sheerisan
    Posted at 14:32h, 09 März Antworten

    Nach dem ich mir deine Rezi durch gelesen habe mache ich mir so schnell wie möglich mal meine eigenen Gedanken zum Buch. Es liegt seit gestern auch auf meinem SuB. Da ich ziemlich unvoreingenommen an Bücher heran gehe und selten irgendwelche vergleiche ziehe bin ich mal gespannt wie es mir gefällt.
    Ansonsten wieder eine schöne Rezi.

  • Nana
    Posted at 14:50h, 09 März Antworten

    oje mine… :( schade, dass es dir nicht gefallen hat :/ Mir ist schon bei der Leseprobe aufgefallen, dass sich ihr STil etwas „zieht“.. aber mal sehen :) Mal sehn ob ich’s noch lese :)

    Wünsch dir ein tolles Wochenende! :D
    Tolle Rezi!

  • Miss Bookiverse
    Posted at 14:58h, 09 März Antworten

    Amen, Sarah. Das Buch war schrecklich. Ich konnte nicht mal den Schreibfluss als positiv empfinden, weil ich von allem anderen so genervt und gelangweilt war. Wie Kimberly Derting so was verzapfen konnte! Ich will der Autorin ja wirklich nichts Schlechtes nachsagen, aber das wirkt doch sehr nach „Dystpien sind gerade in? Da mach ich mit!“. Ist mir ein Rätsel wie ein Verlag sowas durchgehen lassen konnte… die wussten wahrscheinlich, dass allein der Name sich verkauft.
    Und den deutschen Untertitel „Schwarze Seele, scheeweißes Herz“ finde ich auch extrem kitschig und nicht besonders bezeichnend für die Geschichte… ich meine „schneeweißes Herz“? Wtf?

  • Plumblossoms
    Posted at 14:10h, 11 März Antworten

    Danke fürs ‚Leser werden‘ :)

    Schade das das Buch überall so schlecht abschneidet, denn die Idee war ja eig nicht schlecht mit den Sprachen.

    LG Plumblossoms

  • nyancore von cupcatz
    Posted at 22:19h, 11 März Antworten

    Hui, endlich mal jemand der das Buch nicht in den Himmel lobt.
    Trotzdem werd ich mir das Buch auf irgendeine Weise besorgen. Klingt einfach gut :)

    Grüße nyancore

  • admin
    Posted at 23:31h, 11 März Antworten

    @Stephie: Probier es aus :) Manchmal haben wir ja schon einen unterschiedlichen Geschmack und vielleicht gefällt es dir ja. Aber da du auch schon einige Bücher aus dem Gerne kennst, ist es vielleicht auch für dich eher langweilig. Wie gesagt ist es nicht unbedingt schlecht… nur eben auch leider nichts Neues.

    @Sineous: Den ersten Band von „Bodyfinder“ von der Autorin fand ich zum Beispiel recht gut. Wenn die Reihe auf dem selben Niveau fortgeführt wird, ist das absolut in Ordnung. Nur von Dystopien sollte sie scheinbar die Finger lassen ;)

    @Sheerisan: Dann bin ich schon sehr gespannt, was du von dem Buch halten wirst! Es gibt ja auch genug Leute, die es überschwänglich loben. Geschmäcker eben…

    @Nana: Danke! Mhmm es ist natürlich nicht einfach direkt ein Buch nach einer Leseprobe zu beurteilen. Vielleicht würde es dir insgesamt schon gefallen. Aber verstehen kann ich dich gut :) Wenn ich in eine Leseprobe reinlese und die mich schon nicht überzeugt, dann lasse ich auch lieber die Finger von einem Buch.

    @MissBookiverse: Ja, da muss ich dir leider zustimmen. Ich glaube – nein, bin sicher – dass Derting sehr gut schreiben kann und ihre Ideen auch innovativ und interessant sind. Aber das mit der Dystopie war einfach ein Griff ins Klo. Nicht immer lohnt es sich auch auf einen Trend aufzuspringen. Zumindest nicht, wenn man sich nicht vorher noch eingehend damit beschäftigt :/
    Und der Titel ist… nun ja, nicht toll. Meinetwegen hätte man einfach „The Pledge“ beibehalten oder das irgendwie annähernd ins Deutsche übersetzen sollen. Schon „Dark Queen“ klingt so schwulstig. Und das mit der Seele und dem Herz… ne, darauf gehe ich jetzt besser nicht ein ;) Ich bekomme da auch immer gleich ganz merkwürdiges Kopfkino wenn ich von einem scheeweißen Herz lese *schauder*

    @Plumblossoms: Stimmt, die Idee an sich ist nicht schlecht. Es ist schade, dass Derting dieses Mal nicht geschafft hat wirklich etwas aus der Geschichte raus zu holen.

    @Nyancore: Hast du bis jetzt nur Positives gehört? Naja, Geschmäcker sind eben unterschiedlich :) Ich wünsche dir dann schon mal viel Spaß beim Lesen – vielleicht gefällt es dir ja auch gut!

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