Rezension: Dark Love

Rezension: Dark Love

Dark Love von Lia Habel
512 Seiten (Broschiert)
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492702195
15,99€

Inhalt


Nicht nur das Schulhalbjahr, auch das offizielle Trauerjahr ist für Nora um. Doch der Tod ihres geliebten Vaters nagt noch immer an der Sechzehnjährigen und die Aussicht darauf, Zeit mit ihrer ambitionierten Tante zu verbringen, verschlechtert ihre Laune eher noch. Einzig die Nachrichten aus den Grenzgebieten, an denen verbitterte Kämpfe zwischen den Neuviktorianern und den Rebellen stattfinden, scheinen sie noch zu interessieren. Eigentlich ein absolut unziemliches Interesse für eine junge Dame aus gutem Hause, doch mit ihrer großen Klappe und der Vorliebe für Schießübungen ist Nora sowieso nicht ganz das Aushängeschild für ihre Zeit.
Dennoch ist das Mädchen geschockt, als sie eines Nachts entführt wird: von lebenden Toten! Wie sich herausstellt, ist ihre Welt alles andere als heile und sicher. Und die mysteriöse Krankheit, die Menschen in Zombies verwandelt bildet nur die Spitze des Eisberges, bis Nora erkennt, dass sie schon längst zwischen zwei Seiten steht und sich entscheiden muss, wem sie vertraut…

Bewertung


Lia Habel hat sich ausgerechnet das schwierige Thema der Zombies ausgesucht, um eine Fantasy-Liebesgeschichte zu schreiben. Ungewohnt, ja, aber alles andere als langweilig!

Im Verlauf der Geschichte lernt man die Charaktere sehr gut kennen. Lia Habel nimmt sich Zeit um dem Leser ein Bild von Nora und ihrer besten Freundin Pam, vom Untoten Bram und der ganzen Crew der Zombies zu vermitteln. Dabei gelingt ihr der Balanceakt zwar ausführlich, aber nicht langatmig zu erzählen. Tatsächlich hat man irgendwann das Gefühl, alle Charaktere schon wie alte Freunde zu kennen. Vor allem Nora, mit ihren bisweilen leicht morbiden Gedanken, wächst einem schnell ans Herz und gibt eine sympathische Protagonistin ab.

Insgesamt muss man bei „Dark Love“ darauf gefasst sein, dass nicht nur die Zombie-Thematik für eine untote Atmosphäre sorgt, sondern auch der trockene Humor immer wieder überrascht. So grübelt Nora an einer Stelle etwas gelangweilt darüber nach, ob sie sich in der Kutsche erstechen sollte, um einem lästigen Besuchstermin zu entgehen. Oder sie bezeichnet sich einem Zombie gegenüber als „Filet Mignon“ – ein bisschen derbe, ein bisschen gewöhnungsbedürftig aber sehr erfrischend.

Abgesehen von den durchweg interessanten Charakteren, fasziniert besonders die Welt, die Lia Habel für ihre Leser geschaffen hat. Das neuviktorianische Zeitalter liegt für uns in der Zukunft. Nach unzähligen Katastrophen haben nur wenige Menschen überlebt und sich in diejenigen gespalten, die zu alten Werten, sittenhaften Verhalten und dem Gebrauch von Kutschen zurückgekehrt sind und diejenigen, die als „Rebellen“ auf ihre eigene Weise versuchen zu überleben. So erwartet uns eine Mischung aus Science Fiction und dem 19. Jahrhundert – wunderbar verquirlt. Wer etwas skeptisch ist, wie die Autorin das geschafft haben könnte, kann mir gerne glauben wenn ich sage, dass sie es geschafft hat. Dass sie zudem noch Zombies in diese etwas wirre Welt platziert, macht es ungemein spannender. Mein Biologenherz hat gleich etwas höher geschlagen, als ich die Erklärung für die Existenz der „Untoten“ gelesen habe. Lia Habel mischt tatsächliches Wissen mit Fiktion so authentisch, dass man die Zombies ohne weiteres als mögliche Lebewesen akzeptieren kann. Zudem bietet dieses Wissen einen wunderbaren Hintergrund für die Geschichte.
Ein weiterer Plus- (allerdings gleichzeitig auch negativ-) Punkt ist das zaghafte Entstehen der Liebesgeschichte. Wie bereits erwähnt, lässt die Autorin ihren Charakteren viel Zeit sich zu entwickeln und als ein Bild vor unseren Augen zu formen. Aus diesem Grund entwickelt sich auch die Liebesgeschichte nur langsam und durchaus glaubhaft. Ich bin noch immer über jedes einzelne Buch froh, in dem die Protagonistin und der Protagonist sich nicht nach dem ersten Treffen ewige Liebe schwören. In „Dark Love“ entstehen die Gefühle zwischen Nora und Bram über einen längeren Zeitraum und viele Gespräche. Meiner Meinung nach hat Lia Habel für diesem Abschnitt eine tolle Idee gehabt, welche die Gefühlsentwicklung nachvollziehbar macht.
Der Nachteil an diesen detaillierten Charakterbeschreibungen ist allerdings, dass diese tatsächlich den Großteil der Geschichte ausmachen. Zwar passiert gegen Ende hin sehr viel „Action“ auf einmal, aber bis dahin plätschert „Dark Love“ vor sich hin und ist ganz darauf konzentriert uns die Protagonisten näher zu bringen.
Mich persönlich hat dann auch noch gestört, dass gerade Nora manchmal eine etwas kindische Protagonistin ist. Man darf in diesem Buch keinen wirklichen „All-Ager“ erwarten – es ist tatsächlich ein Jugendbuch und kann ältere Leser vermutlich nicht so sehr fesseln, obwohl es für die Altersklasse 14-17 ein absolutes Highlight sein dürfte.

Hinzu kommt, dass ich mit diesem Buch einen Einstieg in das Zombiegenre wagen wollte. Da ich mit Vampiren, Werwölfen, Nachtmahren und Feen keine Probleme habe, wollte ich einfach einmal wissen, ob ich nicht auch Zombies mögen kann. Tatsächlich ist Bram ein Paradebeispiel für einen netten Zombie – doch Beschreibungen im Buch haben mir das wieder etwas verhagelt. Ich möchte einfach nicht ein paar Seiten vorher lesen, dass die lebenden Toten langsam verwesen, wenn die Protagonistin später von ihm schwärmt. Vielleicht ist das nur meine persönliche Meinung, aber für mich bleiben Zombies einfach unappetitlich. Wen das aber nicht stört, der wird garantiert an „Dark Love“ richtig Spaß haben. Ein schön geschriebenes Buch mit authentischen Charakteren und einer spannenden Welt erwarten den Leser auf knapp 500 Seiten.

In Sternen: 3/5

Über die Autorin


Lia Habel wurde in Jamestown (New York) geboren und lebte dort auch den Großteil ihres Lebens. Ihre Kindheit war von einer Mischung aus klassischer Literatur, Videospielen und Horrorfilmen geprägt. Es ist also kein Wunder, dass ihr erstes Buch sich mit Zombies beschäftigt. Ansonsten liebt sie es an Steampunk-Events teilzunehmen und kleidet sich auch gerne mal in Ballkleider. Als sie anfing Dark Love (Originaltitel „Dearly, departed“) zu schreiben, hatte sie nicht viel mehr als die Namen und eine Haarfarbe für ihre Charaktere im Kopf. Den Großteil ihrer Ideen hatte sie auch nur auf einer Busfahrt nach New York City erträumt. Umso ehrgeiziger ging sie an die Arbeit und schrieb um die 10.000 Wörter pro Tag – sodass sie die erste Fassung ihres Buches in nur knapp einem Monat fertig hatte.
Momentan arbeitet sie an der Fortsetzung zu ihrem ersten Buch. Der zweite Teil wird Dearly, Beloved heißen und hoffentlich schon bald in den Buchläden stehen.

Homepage: www.liahabel.com

1 Comment
  • Patrizia
    Posted at 20:25h, 17 Februar Antworten

    OK. Liebesgeschichte. Mit einem Zombie. IIIIIIIIiiiiiiiiii. Nein danke. Wenn du ein richtig GENIALES Buch über „echte“ Zombies (Verwesung ja, Rumgeknutsche nein) lesen möchtest, das auch wirklich sehr realistisch seine Geschichte erzählt, dann lege ich dir ganz stark „World War Z“ ans Herz. Und NEIN, es ist so ganz und gar NICHT wie der bescheuerte Brad-Pitt-Film (zum Glück)!

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