Rezension: Dämonenhunger

Rezension: Dämonenhunger

Dämonenhunger von Timothy Carter
304 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426503324
8,95€

Inhalt


Gerade noch hat Vincent die Theorien seiner Eltern und seines Bruders über den Weltuntergang und Dämonen als religiösen Sektenschwachsinn abgetan – da sieht er plötzlich selber ein kleines, geflügeltes Wesen unter einem Tisch mitten in der Schule hocken. Zwar stellt sich dieses possierliche Etwas nur als fieser Elf heraus, doch ganz falsch lagen seine Eltern nicht: Vincent erfährt, dass die Welt in wenigen Tagen unter gehen wird. Und dann werden wahrhaftig Dämonen über die Erde wandeln und alle, die zurückbleiben, vom Erdboden tilgen. Für den Jungen steht also fest, dass es wohl oder übel an ihm liegt die Menschheit zu retten und gemeinsam mit zwei Feen, seiner ehemaligen Babysitterin und seinem besten Kumpel das Schlimmste zu verhindern…

Bewertung


Nach „Böser Engel“ war ich wirklich gewillt Timothy Carter noch eine Chance zu geben. Wie sich herausstellt, hätte ich mir das nicht nur sparen können, sondern es gleich lassen sollen.

Das Prinzip ist hier ähnlich wie in „Böser Engel“: der Protagonist ist ein Teenager, der irgendwie in einen Haufen Probleme gerät. Vincent ist der einzige in seiner Familie, der nicht an die Lehren der etwas grotesken Sekte glaubt, der seine Eltern angehören. So sind die Protestaktionen ihm genauso zuwider wie seine häufigen Strafaufenthalte im Altarraum im Keller. Lediglich sein bester Freund Big Tom hält immer zu ihm – was aber daran liegen kann, dass dieser nicht besonders helle ist.

Insgesamt bleiben alle Charaktere leider mehr als stereotyp und oberflächlich. Vincent wäre gerne ein Held, bekommt aber nichts so richtig auf die Reihe. Big Tom ist unglaublich dumm, hat aber im entscheidenden Moment auch mal eine lichte Eingebung. Die Elfen sind von Grund auf böse, die Feen hingegen gut, die Dämonen wären gerne böse, können aber nicht so recht. Es gibt den oberfiesen Konzerninhaber, der auch noch einen Sohn hat, dessen Lebensaufgabe es ist Vincent und Big Tom zu schikanieren… alles Muster, die man auch aus unzähligen anderen Büchern kennt.

Ich weiß auch nicht ob das Buch vielleicht wirklich eher Jungen ansprechen soll, aber meiner Meinung nach wäre es nicht fair eine schlichtweg langatmige und unsinnige Geschichte auf verschiedene Geschmäcker von Mädchen und Jungen zu schieben. Denn vom viel gelobten schwarzen Humor konnte ich nichts in diesem Buch entdecken. Bisweilen brachten einzelne Stellen meine Mundwinkel einmal kurz zum Zucken (z.B. die heiß umfochtenen Protestaktionen der religiösen Sekte gegen Fitnesstudios oder Akne-Bekämpfung) – aber mehr auch nicht. Sowohl die flachen Charaktere, als auch die ständige (und überflüssige) Gewalt überschatteten jede einigermaßen witzige oder intelligente Szene sofort. Denn, wie einer der Charaktere selber sagt: „Aber ich schlage furchtbar gerne Leute zusammen.“ (S. 107). So kommt es dann auch, dass sich immer wieder Prügelszenen durch das ganze Buch ziehen. In 100% der Fälle sinnlos und nur zum Zwecke der Belustigung des einen oder anderen Charakters.

Auch der Schreibstil selber hat mir rein gar nicht zugesagt. Timothy Carter strapaziert gerade in „Dämonenhunger“ ein stilistisches Mittel so dermaßen über, dass es nur noch nervt. Zu Anfang ist es vielleicht noch ganz lustig, dass Vincent etwas denkt, was daraufhin ein anderer Charakter wortwörtlich ausspricht – je häufiger das vorkommt, desto mehr verliert es allerdings seinen Witz. Als Beispiel: „Der Elf hatte recht, das wusste Vincent genau. »Ich habe recht«, sagte Grimbowl, »das weißt du genau.«“ (S.92).
Weiter wimmelte es nur so von Klischees, die ich nun nicht alle wiedergeben möchte. Hier kann ich als ein Beispiel anführen, dass der typische „oh, das hättest du mir eher sagen können“ – „ja, aber so macht es viel mehr Spaß“-Dialog natürlich nicht fehlen darf (S. 165).
Alles in allem können also weder die Charaktere, noch die etwas holprige und oberflächliche Geschichte, noch der Schreibstil überzeugen. Um sich kurzzeitig die Zeit zu vertreiben, ist „Dämonenhunger“ sicherlich geeignet – aber zu mehr auch nicht. Wer richtige Unterhaltung mit Sinn und Humor haben möchte, sollte beherzt zu einem anderen Buch greifen.

In Sternen: <1/5

Über den Autor



Timothy Carter lebt mittlerweile in seiner Wahlheimat Kanada, wurde 1972 aber in England geboren. Laut eigenen Angaben würde er gerne einmal für die Königin ein Spion sein, auf eine Zauberschule gehen und durch Raum und Zeit reisen. Stattdessen lebt er aber ganz bodenständig mit seiner Frau und seinen Katzen und widmet sich dem Schreiben. Auf Deutsch sind bisher „Dämonenhunger“ und „Böser Engel“ bei Droemer/Knaur erschienen. Am 08. August 2011 erscheint auf Englisch sein neustes Werk „The Cupid War“.

Homepage: www.timothycarterworld.com

Trailer zum Buch


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