SEARCH

Als Teenager ist das mit der Sexualität nicht unbedingt einfach. Stuart, auch genannt „Stu“, muss das auf die böse Tour lernen, als er von seinem kleinen Bruder beim Onanieren erwischt wird und dieser es ausgerechnet in der Kirchengruppe, in der gerade über die Sünde des Onan gesprochen wird, ausplaudert. Fortan scheint die ganze Stadt durchzudrehen und beginnt eine Hetzjagd auf den leicht verstörten Jugendlichen, der nun zu seiner Verteidigung nichts weiter aufweisen kann, als einen wirklich mies gelaunten Dämon, den er ab und zu aus Spaß beschwört.
Schnell stellt sich die Quelle allen Übels heraus: ein gefallener Engel, der die Stadt zu Hass und Gewalt aufstachelt und nicht davor halt macht Stu für seine Sünden büßen zu lassen…

Herrje, hätte mir mal eher jemand gesagt, dass das gesamte Buch sich auf das Thema Onanie stützt! Davon steht nämlich dankenswerter Weise nichts im Klappentext. Aber fangen wir mal von Vorne an:

Stus Alter erfährt der Leser das ganze Buch über nicht. Nur, dass es sich um einen homosexuellen Jugendlichen handelt, der bis dato keine größeren Probleme als Langeweile in der kleinen Stadt Ice Lake hatte. Als erfahrener Hobby-Dämonen-Beschwörer ist sein einziges Projekt die Unterhaltung mit dem Spaßverderber Fon Pyre über Gott und die Welt auf Video aufzuzeichnen.
Mit der Langeweile ist es dann aber endgültig vorbei, als ein Engel in der Stadt auftaucht und allen Bewohnern weiß macht, dass es keine schlimmere Sünde als die Onanie gibt. Stu, der auch noch blöderweise dabei erwischt wurde, ist somit in kürzester Zeit der Todfeind aller christlicher Kleinstadtbürger und nach und nach entwickelt sich eine Hetzjagd auf den Jugendlichen, die einer Farce ähnelt.

Stu selber ist ein sympathischer und aufgeweckter Charakter. Manchmal etwas überheblich aber dafür mit einer gesunden Portion Sarkasmus ausgestattet, bringt er einen oft zum Schmunzeln. Zu Höchstformen läuft er jedoch auf, wenn er mit den ständig übel gelaunten Dämon Fon Pyre streitet – ein wahrer Genuss!

Ansonsten ist die Story allerdings relativ verrückt und schlicht gestrickt: Ziel ist es, den Engel wieder aus der Stadt zu befördern und… zu überleben. Um das zu erreichen bildet sich ein Trio Infanale, das zwischenzeitlich immer wieder von anderen Mitstreitern begleitet wird und sich von einer brenzligen Situation in die Nächste hangelt.

Dass die Geschichte nur mäßig spannend vor sich dahinplätschert stört zwar nicht beim Lesen, konnte meine Erwartungen aber nicht erfüllen. Von viel schwarzem Humor ist bei vielen Besprechungen des Buches die Rede – doch obwohl ich großer Fan schwarzen Humores bin, konnte ich hier nur vereinzelt Gemeinheiten ausfindig machen, die auf diese Beschreibung zutreffen. Als Beispiel dafür die grotesk-überspitzten Sätze wie „Gott mag homogenisierte Milch, aber keine Homos“ (S. 248) oder „Ich hoffe, du bist kein dreckiger Jude“ (Erklärung: „Ein weiterer gefallener Engel, der seinen Hass unter das Volk brachte.“) (S. 223). Im Prinzip nutzt Carter hier also nur Hassparolen, zieht sie ins Lächerliche und verbleibt dabei. Leider wenig originell und noch weniger witzig. Manchmal hatte ich kurz das Gefühl, dass die Geschichte noch mehr Potential hat – beispielsweise, wenn Stu darüber fabuliert, dass man bei Dämonen zumindest weiß woran man ist, bei gefallenen Engeln hingegen getäuscht wird da man davon ausgeht, dass sie eigentlich die „Guten“ seien. Eine etwas abgenutzte Parabel, aber dennoch ein kleiner Lichtblick im Buch.

Insgesamt handelt es sich bei „Böser Engel“ um eine durchaus leicht zu lesende Lektüre. Die kurzen Kapitel unterstützen den Lesefluss und ab und an kann man schon etwas schmunzeln. Ansonsten hatte ich mir viel mehr erwartet als eine etwas schwerfällige Geschichte, die sich ganz und gar auf das Thema Onanie als Sünde stützt und höchstens mit Klischees dienen kann. Momentan steht auch noch „Dämonenhunger“ von Timothy Carter bei mir im Regal. Vielleicht kann mich das noch vom Autor überzeugen – ansonsten behaupte ich, man hätte nichts verpasst, wenn man sich „Böser Engel“ spart.

Bewertung: 2/5

Böser Engel von Timothy Carter
272 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Knaur TB
ISBN: 978-3426506981
8,95€

You May Also Like

Leave a Reply