Rezension: Blutrote Küsse

Rezension: Blutrote Küsse

Es könnte alles so normal sein: ein 22-jähriges Mädchen an einem Wochenende abends in der Disco. Laute Musik, ein paar Drinks, nette Typen, die sie anbaggern.
Blöd nur, dass solche Abende für Cat ganz und gar nicht normal sind, denn sie hat eine Mission und die lautet: töten.
 

Catherine ist nicht bloß irgendein Mensch, sie ist zur Hälfte Vampir. Ihre Mutter wurde vor etwas mehr als 22 Jahren von einem kürzlich zum Untoten gewordenen vergewaltigt und 5 Monate später erblickte das freche Mädchen das Licht der Welt. Seit sie alt genug ist um einen Pflock mit Wucht jemandem ins Herz zu rammen, ist Cat also auf dem Rachefeldzug und hat allen Vampiren den Kampf angesagt. Getarnt als hübsche, betrunkene Frau lässt sie sich in Nachtclubs von Männern ohne Puls aufgabeln – und spießt diese als Dankeschön später in einer abgelegenen Gegend auf.
Bis zu dem Tag jedenfalls, als sie auf Bones trifft. Denn Bones ist nicht nur unheimlich tot, sondern auch unheimlich stark und lässt sich nicht einfach so pfählen. Ihr Glück, dass der Vampir ebenfalls einige seiner Artgenossen loswerden will – denn so einigen sich die zwei sturköpfe darauf, dass Cat weiterleben darf, so lange sie ihm dabei hilft bestimmte Vampire zu jagen und auszulöschen.
Bald jedoch wird klar, dass das Unterfangen gefährlicher und schwieriger wird, als angenommen. Denn die beiden verstricken sich in einen Komplott, der bis in die hohen Regierungskreise reicht…

Das Cover und der Titel schreien eigentlich schon “billiger Vampirroman”. Deshalb bin ich noch immer positiv überrascht davon, dass “Blutrote Küsse” gar nicht so schlimm ist, wie der erste Blick vermuten lässt.

Ob es daran liegt, dass sie meine Namensvetterin ist (immer gleich ein persönlicher Bonuspunkt), oder an ihrer schnoddrigen Art: Cat ist sympathisch. Oft sehr stur, manchmal etwas unbeholfen aber meistens einfach nur tough, kämpft sie sich durch die Nachtclubs auf der Suche nach Untoten. Die Methoden dabei werden allerdings zunehmend dubioser, nachdem sie Bones trifft. Der als starker Flegel (und später echter Rosenkavalier) auftretende Vampir macht aus der 22-Jährigen nämlich kurzerhand einen Lockvogel: er steckt sie in kurze Fummel, lässt sie meterdick Makeup auftragen und übt sich in der allgemeinen Kunst der Verführung mit ihr. Etwas belustigt war ich, als ich lesen musste, dass die beiden tatsächlich “Dirty Talk” üben – und alles wohlgemerkt detailgetreu im Buch wiedergegeben wird. Solche Szenen sind sehr nah an der Grenze des guten Geschmackes aber glücklicherweise besteht nicht der ganze Text aus unflätigem Vokabular.
Insgesamt relativ anzüglich baut sich so langsam eine Beziehung zwischen den beiden auf und Cat muss erkennen, dass ihre Vorurteile den Untoten gegenüber nicht immer begründet sind. Ihre Zweifel und Gefühlswandlungen sind dabei recht gut nachvollziehbar geschildert und fallen nicht mit der Tür ins Haus. Die dabei immer unterschwellig herrschende, sexuelle Anspannung allerdings, hätte man sich meiner Meinung nach sparen können. Okay, Bones ist sexy. Wir haben es kapiert. Dass trotzdem noch weiter der Dirty Talk ausführlich geübt wird und die arme Cat beim Feiern gehen ihren Schlüpfer weg lassen muss (glaubt mir, es schaudert mich etwas die Begründung dafür hier wiederzugeben…), wurde vermutlich nur für die pubertierende Leserschaft eingebaut.

Meine persönliche Grenze des noch Zumutbaren wurde allerdings überschritten, als mich das Wort “Lustperle” im Text ansprang. Ob Lachen oder Weinen die richtige Reaktion ist, weiß ich bis heute nicht.
Dennoch: sieht man von den eindeutigen Zweideutigkeiten ab (und die machen entgegen aller Vermutungen NICHT den Hauptteil des Textes aus), ist “Blutrote Küsse” sehr schön zu lesen. Die Sprache ist einfach gehalten, hat aber einen gewissen Fluss, sodass die über 400 Seiten nur so dahin fliegen. Für Action ist auch eigentlich durchgehend gesorgt und Cats flapsige Sprüche zwischendurch heitern so ziemlich jede Situation wieder auf. Auch gefallen hat mir, dass sie keine verhuschte, unterwürfige Protagonistin ist, sondern eine richtige Powerfrau. Sie sagt was sie will und lässt sich auch von einem viele hundert Jahre älteren Vampirmann nicht davon abbringen.
Ihr absolut trotteliger und liebenswürdiger Nachbar sorgt zudem für einige Szenen, in denen man leise kichernd vor dem Buch sitzt. Ich hoffe, dass er in den folgenden Bänden (oh ja, schon wieder eine Reihe!) weiterhin immer mal wieder auftaucht.

So hart meine Kritik also an der einen Seite des Buches ist, so sehr kann ich zumindest über den Rest sagen, dass er mir gefallen hat. Wer sich von detailliert beschriebenen (und noch dazu kreativ betitelten) Sexszenen nicht abschrecken lässt und mal einen Vampirroman mit etwas mehr Action, statt des langweiligen Rumgesülzes, lesen möchte, ist mit der Reihe von Jeaniene Frost vermutlich gut bedient.

Dank eines Gewinnspiels habe ich Band 2 (“Kuss der Nacht”) auch noch zu Hause rumliegen und werde danach entscheiden, ob ich die Reihe zu Ende lese. Das Ende dieses ersten Bandes jedenfalls lässt hoffen, dass es interessant weiter geht und Cat noch lange nicht damit fertig ist den bösen Vampiren ordentlich in den Hintern zu treten.

Bewertung: 3/5

Blutrote Küsse von Jeaniene Frost
416 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3442266050
7,95€

Die Reihe:
1. Blutrote Küsse
2. Kuss der Nacht
3. Gefährtin der Dämmerung
4. Der sanfte Hauch der Finsternis
5. Dunkle Sehnsucht

1 Comment
  • sandrina
    Posted at 20:48h, 09 März Antworten

    Schöner Blog, werd dich verfolgen :)
    Schau doch bei mir vorbei, wenn du Lust hast. LG; Sandrina

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