Rezension: Black Out

Rezension: Black Out

Wenn der Segen der Technik zum Fluch wird…

Was haben ein 17-jähriger Hacker, ein ganz normales Mädchen aus Kalifornien, ihr Vater und ein Terroranschlag miteinander zu tun?

Serenitys Welt bricht an dem Morgen zusammen, an dem sie erfährt, dass ihr Vater für einen Terroranschlag auf ein Rechenzentrum verantwortlich gemacht wird. Passt für die Behörden und die breite Öffentlichkeit doch alles zusammen: ihr Vater ist schließlich der Mann, der schon seit Jahren gegen den übermäßigen Gebrauch von Technik argumentiert und mittlerweile als Aussteiger irgendwo versteckt lebt – ganz ohne Internet, Mobiltelefon oder Mikrowelle.
Die Sorge wächst, als unerwartet der 17-jährige Christopher Serenity am Strand abfängt und ihr eindringlich erklärt, dass er ihren Vater unbedingt sprechen müsse, da er der Einzige sei, der ihm helfen könne.
Wie sich herausstellt, ist der Teenager niemand geringerer als „Computer Kid“ – bekannt für den berühmtesten Computer-Hack aller Zeiten, mit dem er vor einigen Jahren die Weltwirtschaft an den Rand des Ruins trieb und jeden US-Bürger für einige Stunden zum Milliardär machte.

Ehe sich Serenity versieht, ist sie mit Christopher und ihrem Bruder unterwegs durch die Wüste Nevadas und auf der Suche nach ihrem Vater und verfolgt von einer schier übermächtigen Gemeinschaft, die um jeden Preis den 17-jährigen erwischen will. Denn die Technik, die wir für harmlos halten, erweist sich als weitaus gefährlicher, als man jemals zu denken wagen würde und die Menschheit steht kurz davor sich für immer zu verändern…


Bereits der Einstieg in das Buch beginnt spektakulär: drei Jugendlichen auf der Flucht entkommen nur knapp dem tödlichen Angriff durch Hubschrauber. Steckt das Militär dahinter? Wer sind die drei Gejagten?
Nur nach und nach erschließt sich dem Leser die Geschichte wie Serenity, ihr Bruder Kyle und der Hacker Christopher zusammen inmitten der Wüste Nevadas in diese brenzlige Situation geraten konnten. Und was zunächst noch wie die paranoide Vorstellung eines 17-jährigen Computerfreaks klingt, entwickelt sich zu einer todernsten Verfolgungsjagd auf Leben und Tod.

Einer Gruppe von Wissenschaftlern gelang das Unmögliche: das Gehirn eines Menschen mittels eines Chips mit anderen Gehirnen zu vernetzen. Wie ein Computer können Mitglieder auf das Internet zugreifen, moderne Technik kontrollieren und jederzeit an den Gedanken der anderen vernetzten Leute teilhaben. Christopher gelingt als Einziger die Flucht aus dieser „Kohärenz“, aber ein „defektes“ Mitglied wird nicht geduldet und das einzige Ziel der Gruppe ist es, immer mehr Anhänger zu rekrutieren…

Andreas Eschbach hat mit „Black*Out“ den Auftakt zu einer sowohl extrem spannenden als auch beunruhigenden Thriller-Reihe geschaffen. Perspektivwechsel zwischen Christopher und Serenity lassen die Geschichte wie ein sich langsam zusammenfügendes Mosaik erst entstehen und jagen dem Leser den einen oder anderen Schauer über den Rücken. In einer vollkommen vernetzten Zeit, in der sogar Kühlschränke alleine Milch nachbestellen können und ohne das Internet praktisch nichts mehr geht – wie unrealistisch ist es dann, einen Schritt weiter zu denken? Könnte es wirklich irgendwann möglich sein, dass Menschen sich wie Computer verbinden können um gemeinsam Gedanken, Gefühle und Wissen zu teilen? Vielleicht noch nicht heute und auch noch nicht morgen, aber beim Lesen beschleicht einen das ungute Gefühl, dass es nicht ganz abwegig ist. Zunächst klingt die Idee verlockend, aber mit detaillierten Beschreibungen des Szenarios schafft Eschbach ein ganz neues Bewusstsein und Respekt vor der Technik, mit der wir uns täglich umgeben. Der Aussteiger Jeremiah Jones, Serenitys Vater, scheint als Einziger ein Verständnis für die Gefahren, die der unbedachte Umgang mit Computern und künstlicher Intelligenz birgt, zu erkennen. So ist seine Rolle in dem Buch die des Beraters, des Visionärs. Dennoch erschließt sich ihm nicht das ganze Bild und Christopher hat als „Insider“ die tragende Rolle im Kampf gegen die übermächtig wirkende Kohärenz.

Beim Lesen des Thrillers spielt der Autor gekonnt mit den Ängsten und Hoffnungen seines Publikums. Wäre es nicht schön allwissend zu sein? Ist das Aufgeben der Individualität dafür nicht ein tragbarer Preis?
Auf den erhobenen Zeigefinger gegen die Technik wartet man vergeblich, denn das scheint nicht die Intention des Buches zu sein. Viel mehr entsteht ein ungutes Gefühl, ein kriechendes Grauen und eine Spannung, die einen zwingt Seite um Seite zu lesen – bis zum ernüchternden Ende dieses ersten Bandes. Denn wenn auch die Schlacht gewonnen wurde… der Krieg steht erst bevor.

Ich selber bin sehr gespannt auf die Fortsetzung, welche 2011 unter dem Titel „Hide*Out“ erscheinen wird, und empfehle das Buch guten Gewissens allen weiter, denen die Möglichkeiten der modernen Technik manchmal auch etwas gruselig erscheinen, die intelligent konzipierte Jugendthriller mögen und wenig von „Schwarz-Weiß-Denken“ halten.
Das Buch garantiert spannende Lesestunden; stellt euch am besten etwas Nervennahrung bereit und schaltet zur Vorsicht eure GPS-Handys aus. Man kann ja nie wissen…

Bewertung: 4/5


Black*Out von Andreas Eschbach
464 Seiten (Hardcover)
Verlag: Arena
ISBN: 978-3401060620
17,95€

2 Comments
  • Stephie
    Posted at 20:46h, 13 September Antworten

    Was ist denn dein Kritikpunkt? Hab die ganze Rezension gelesen, aber keinen entdecken können.

    Fand das Buch auf jeden Fall auch klasse und bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil

  • Sarah
    Posted at 21:08h, 13 September Antworten

    Ehrlich gesagt habe ich gar keinen Kritikpunkt ^^ Das Buch hat mir sehr gut gefallen und war spannend zu lesen. Allerdings war es vom Gefühl her „nur“ ein 4,5-Sterne-Buch für mich. Die vollen 5 Sterne gehen nur an meine Lieblingsbücher ;)

Post A Comment