Rezension: Arkadien fällt

Rezension: Arkadien fällt

Arkadien fällt von Kai Meyer
448 Seiten (Hardcover)
Verlag: Carlsen Verlag GmbH
ISBN: 978-3551582034
19,90

Inhalt


Es beginnt mit einer Beerdigung, denn Fundling ist tot. Und obwohl die Sonne weiterhin über Sizilien brennt, sind für Rosa und Alessandro längst düstere Zeiten angebrochen. Dass sie ihre Liebe zu einander nicht mehr verheimlichen können und wollen, bereitet ihren und den anderen Clans großes Unbehangen. Die Gefahr einer Verschwörung hängt wieder einmal wie ein Damoklesschwer über dem jungen Paar. Vor allem aber schweben sie in großer Gefahr weil der Hungrige Mann, der capo dei capi, nach dreißig Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden soll und bereits erbarmungslos einen Plan verfolgt, um den arkadischen Dynastien zu neuer Größe zu verhelfen. Nur Alessandro und Rosa stehen noch zwischen ihm und seinem Ziel…

Bewertung


„Arkadien fällt“ stellt den vorerst letzten Band der Arkadienreihe dar, sodass man hier gebannt auf die Auflösung einiger Rätsel aus den vorherigen Bänden wartet. Es ist kein Wunder, dass es auch dieses Mal wieder spannend und actionreich weiter geht mit dem Mafiapärchen in Romeo-und-Julia-Manier.

Zunächst einmal zu den Charakteren. Wie immer stehen Rosa und Alessandro im Mittelpunkt. Beide haben sich seit dem ersten Teil der Reihe deutlich verändert, sind gereift und vielleicht auch etwas kaltschnäuziger geworden.
Ich war besonders davon überrascht, wie Alessandro in seine Rolle als capo gewachsen zu sein scheint. Seit dem Tod seines Vater, ist er immer tiefer in die Strukturen und Gepflogenheiten der Mafia eingetaucht. Und auch wenn er Rosa gegenüber ein liebevoller und gutmütiger junger Mann ist, so blitzt gerade in „Arkadien fällt“ auch seine andere Seite immer wieder durch. So ist man nicht nur als Leser bisweilen überrascht mit welcher Kaltblütigkeit er tut, „was getan werden muss“, sondern auch Rosa wundert sich darüber. Dabei hat auch sie sich sehr verändert. Wenn es sein muss, schreckt auch Rosa nicht davor zurück alles zu tun um sich und Alessandro zu beschützen, aber anders als bei ihm, erfährt der Leser bei ihr häufiger, wie sie darüber reflektiert und Angst hat, zu weit zu gehen. Beide haben deutlich ihre Jugend hinter sich gelassen und sind gezeichnet von den Erfahrungen, die sie bereits machen mussten.

Aber auch dieses Mal trifft man auf alte Bekannte und lernt neue Leute kennen. Da sich „Arkadien fällt“ zu einer rasanten Flucht entwickelt und die beiden capos währenddessen versuchen Antworten auf ihre Fragen zu finden, bleiben Überraschungen nicht aus. Und was für Überraschungen den Leser dieses Mal erwarten, hat sich Kai Meyer gut überlegt. Es gibt so einige Wendungen, mit denen man auf keinen Fall gerechnet hätte und die den Puls schon mal beim Lesen nach oben treiben.
Insgesamt bleibt auch „Arkadien fällt“ wieder mysteriös und temporeich. Obwohl endlich viele Fragen beantwortet werden und man sich am Ende einen Reim auf das Meiste, was bisher in „Arkadien erwacht“ und „Arkadien brennt“ passiert ist, machen kann, bleiben doch noch einige Aspekte ungeklärt.

Ich fand es daher schade, dass doch manches nur oberflächlich angesprochen wurde. So nehmen zum Beispiel die „Löcher in der Menge“, von denen Fundling bereits in „Arkadien brennt“ gesprochen hat, eine durchaus interessante Rolle ein. Was genau dahinter steckt wird allerdings nicht geklärt und frustriert schließlich ein wenig, da man sich als Leser selber überlassen ist und die vorhandenen Möglichkeiten, die man sich zusammenreimt, irgendwie noch nicht ganz schlüssig erscheinen.

Vielleicht hat Kai Meyer sich solche kleinen Ungereimtheiten extra gelassen um die eventuell irgendwann einmal erscheinende Fortsetzung schreiben zu können, doch ich hätte mir einen etwas runderen Abschluss gewünscht. Hundertprozentig zufrieden wird man das Buch jedenfalls nicht zuklappen können.

Dennoch war ich wieder begeistert von der Umsetzung der Ideen, der Sprache, dem Tempo und dem Unterhaltungswert, den „Arkadien fällt“ bietet.
Die Arkadien-Reihe ist eine der herausragenden Jugendbuchreihen in den letzten Jahren und Kai Meyer beweist, dass er mit der richtigen Mischung aus Fantasie und Recherche, sowie seinen außergewöhnlichen Ideen Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen zu begeistern weiß. Ein Muss für alle Fans von Urban Fantasy, der Cosa Nostra und Hochspannung.

In Sternen: 4/5

3 Comments
  • Sandy
    Posted at 13:09h, 24 Oktober Antworten

    Deine Zusammenfassung und Sichtweise gefällt mir sehr. Es bleiben sicherlich einige Fragen unbeantwortet und auch der Teil mit den „Löchern in der Menge“ hat mich verwirrt zurückgelassen, aber so bleibt Platz für eine Fortsetzung da…irgendwann einmal hoffentlich. Ich bin auch der Meinung, dass Kai Meyer sich mit dieser Reihe/Trilogie einen wichtigen Platz in der Jugendbuchliteratur gesichert hat. Es gibt kaum eine andere Reihe, abgesehen von der Edelstein-Trilogie, die mich so gefesselt hat.

  • admin
    Posted at 19:39h, 25 Oktober Antworten

    Danke, das ist lieb :)
    Ich nehme auch einfach stark an, dass die „Löcher in der Menge“ in der Fortsetzung eine Rolle spielen werden – wenn es denn eine Fortsetzung geben wird. Was ich hoffe. Irgendwie.
    Wenn ich rein an die deutschen Jugendbücher in letzter Zeit denke, gehört Kai Meyer meiner Meinung nach auf jeden Fall unter die Top 3, wenn nicht sogar auf Platz 1. International gesehen fand ich noch Panem extrem gut… und um wieder nach Deutschland zu kommen: ja, auch die Edelstein-Trilogie war sehr schön!

  • Kermit
    Posted at 18:14h, 26 Oktober Antworten

    Bei diesem Ende kann es eigentlich nur irgendwann eine Fortsetzung geben (hoffe ich ebenfalls…)
    Tolle Rezi, kann mich dir da nur anschließen. Ein toller Abschluss, der als einzigen kleinen Makel die für ein Reihen-Ende vergleichsweise vielen offenen Fragen hat. Was hatte es z.B. mit Quattrinis Anhänger auf sich, um den so viel Wirbel gemacht wurde? Ich hoffe so sehr, dass da irgendwann noch mehr kommt.

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