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About a Boy von Nick Hornby
336 Seiten (Taschenbuch)
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3462043075
7,99€

 


Das Leben ist eine Party. Der Mittdreißiger Will hat nicht nur keine Lust Verantwortung zu übernehmen – er muss es auch gar nicht. Von den Tantiemen, die das Weihnachtslied seines Vaters noch immer einbringen, lebt er ohne Sorgen und ohne Job. Den Tag verbringt er mit 30-Minuten-Fenstern, die er versucht durch Fernsehen oder sinnlose Fahrten mit seinem schicken Auto durch London zu füllen. Die Abende sind dann häufig für Eroberungszüge reserviert, denn seine immer nur oberflächlichen und rein platonischen Affären reichen ihm vollkommen aus. Wozu auch sollte er sich einen Job suchen, eine Familie gründen und ein Haus bauen? Das ist ihm viel zu viel Anstrengung für zu wenig Spaß.

Doch sein geregeltes Faulenzerleben gerät ordentlich aus den Fugen als er sich einer Gruppe für alleinerziehende Eltern anschließt und einen Sohn erfindet um Singlefrauen kennen zu lernen. Denn dort gerät er an Marcus, den zwölfjährigen Sohn der Freundin seiner neusten Errungenschaft. Und wie sich herausstellt, ist der Junge der Meinung in Will einen Freund gefunden zu haben – und lässt sich nicht mehr abschütteln. Ohne es zu wollen, gerät der Müßiggänger so mitten hinein in das chaotische Leben von Marcus, der in der Schule gehänselt wird, eine suizidgefährdete Hippiemutter hat und irgendwie nicht ganz von dieser Welt zu sein scheint…

 


„About a Boy“ sollte eigentlich eher „About two boys“ heißen. So herrlich schräg, traurig und lustig erzählt Nick Hornby diese Geschichte, die mit dem Tag beginnt, an dem eine Ente stirbt.

Ein wenig anstrengend sind die beiden Protagonisten schon. Man muss sich beim Lesen darauf gefasst machen, dass Will und Marcus gleichermaßen überraschen. So ist der Mittdreißiger eigentlich das Kind in dieser Geschichte. Zwar weiß er das Leben in vollen Zügen zu genießen – oder meint es zumindest – doch macht ihn seine regelrechte Menschlichkeitsphobie zu einem unsympathischen Egoisten. Es ist erstaunlich welche Mühen er bereit ist auf sich zu nehmen, um eine Frau kennen zu lernen und wie er es schafft sein Leben mit Nichtstun zu verschwenden, dabei aber konsequent vor allem zurückschreckt, was ihm abverlangt sich emotional an irgendetwas oder –jemanden zu binden. Manchmal endet das für den Leser in einem Schmunzeln, häufig aber auch in ungläubigem Kopfschütteln.

Ganz anders und das genaue Gegenteil von Will ist Marcus. Er ist tatsächlich mehr als merkwürdig für sein Alter. Ob es daran liegt, dass er mit mehr Problemen konfrontiert wird, als es ein Zwölfjähriger sollte, oder an seiner verkorksten Hippiemutter, ist dabei immer die Frage, die irgendwie im Raum schwebt. Auf jeden Fall ist er so herrlich weltfremd, dass man das Bild eines Jungen mit Topfhaarschnitt, ausgelatschten Ökoschuhen und ohne jegliches Verständnis für Humor direkt vor Augen hat. Kurzum: man schließt ihn direkt ins Herz und verzeiht ihm gerne, dass er auch eine kleine, nervige Pestbeule sein kann.

Wenn diese beiden Charaktere auf einander treffen, ist daher eine interessante Geschichte gleich vorprogrammiert. Vor allem, wenn sie einander nicht mehr loswerden und sich plötzlich jeden Tag gegenüber stehen. Nick Hornby hat in „About a Boy“ beispiellos eine typische Ausgangssituation geschaffen, in der zwei vollkommene Gegensätze auf einander prallen. Es wäre beinahe schon etwas zu konstruiert, wären da nicht auch noch die Nebencharaktere, die der Erzählung an den richtigen Stellen neue Würze geben. Denn bisweilen driftet die Erzählung auch ins Banale ab und zieht sich genau so weit in die Länge, dass man zwischendurch auch gerne das Buch mal zuklappt und sich anderen Dingen widmet. Vollkommen gefangen nimmt die Geschichte nicht, hat ihre Höhen und Tiefen aber sammelt sich meistens im richtigen Moment und erhascht wieder die Aufmerksamkeit des Lesers.

Ehe man sich versieht, hat man also ein ganzes Buch über einen verkorksten Mann und einen ebenso desorientierten Jungen gelesen und hat zwischendurch mitgefiebert, gelacht und genervt mit den Augen gerollt. Dabei erzählt der Autor auf meistens leichte und unkonventionelle Weise eine Geschichte die berührt. Denn es geht um Familie und Freunde, um das, was man aus seinem Leben macht, was es sich zu investieren lohnt und was Glück wirklich ist.

Kein Wunder also, wenn jemand der nah am Wasser gebaut ist, gegen Ende auch ein paar Tränchen vergießt. Ein beinahe rundum schönes Buch, das manchmal etwas dick aufträgt aber mit seiner klaren Botschaft und einem herrlich schrägen Marcus letztendlich punkten kann. Demnach genau das Richtige, wenn man eine Geschichte lesen möchte, auf die man sich nicht immer vollkommen konzentrieren muss.

In Sternen: 3/5

Übrigens: Das Buch wurde auch mit Hugh Grant als Will im Jahr 2002 verfilmt. Die Auswahl der Schauspieler ist hier wirklich grandios. Sehenswert! Und wem der Name Nicholas Hoult bekannt vor kommt: der „Marcus“ aus dem Film ist mittlerweile alles Andere als ein weltfremder Junge mit schlechtem Haarschnitt. Momentan ist er der Freund von Jennifer Lawrence, welche die Hauptrolle in der Verfilmung der „Tribute von Panem“ spielt.

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5 Comments

  • Streifenzebra 21. Juni 2012 19:04

    Oh ja, das Buch kenne ich nur zu gut! Hab es in meiner Anglistik-Magisterprüfung mit dem klassischen Bildungsroman des 18. Jahrhunderts verglichen. =D
    Großartig finde ich von Hornby auch „A long way down“.

  • admin 22. Juni 2012 20:30

    Ach du meine Güte, was schreibt man denn zu sowas? Kannst du deine Magisterprüfung mal in einem Satz zusammenfassen? ;D

    „A long way down“ muss ich noch lesen. Bis jetzt weiß ich ehrlich gesagt noch nich so richtig ob ich Hornby mag, oder nicht. Denn „High Fidelity“ hat mich auch nicht vom Hocker gehauen.

  • Streifenzebra 22. Juni 2012 21:39

    Da hab ich zum Glück gar nichts drüber geschrieben, das kam in der mündlichen Prüfung zur Sprache. Mein Professor war in seinen Fragestellungen immer sehr kreativ (böse Zungen behaupten auch, er wollte mit Absicht Verwirrung stiften), da kommt man zum Beispiel beim Thema „Shakespeare“ auch mal problemlos bei Terry Pratchett an! =D
    Im Gegensatz zu vielen armen Mitleidenden fand ich solche Vergleiche aber immer ganz witzig.
    Ich hab übrigens in der Kurzversion gesagt, „About a boy“ sei ein morderner, doppelter Bildungsroman (sowohl Will als auch Marcus) nach dem klassischen Schema: Protagonist als Außenseiter der Gesellschaft/eckt an/ begibt sich auf abenteuerliche Reise an deren Ende er sich weiterentwickelt hat und zum Teil der Gesellschaft wird. Hach, das war ein Spaß! ;-)

  • Bücherphilosophin 27. Juni 2012 06:11

    Das Buch hab ich auch gerade gelesen, meine Rezi erscheint aber erst in ein paar Monaten :(
    Ich hab im Hinterkopf immer den Film gehabt, der mir ehrlich gesagt etwas besser gefällt als das Buch.

    LG, Katarina :)

  • Konstantin [derschoeneblog.de] 5. August 2012 11:27

    Durch deine Sidebar »neue Rezension« bin ich hergekommen und so erwachten Erinnerungen an ein wunderbares Buch und einen ebenso wunderbaren Film. Gut zu wissen das der kleine Junge kein kleiner Junge mehr ist und bei den Tributen von Panem mitspielt – wieder was gelernt :-)

    @Streifenzebra
    Ich fand »Long Way Down« auch großartig, im Gegensatz zu »How to be good« das mich wirklich enttäuschte. Die FIlmrechte sind wohl auch verkauft, wenn ich nicht irre an die Produktionsfirma von Robert de Niro und es war Johny Depp im Gespräch als Hauptrolle… aber all das ist mittlerweile auch schon wieder Jahre her, mal sehen ob das noch was wird.

    Wer Hornby mag, kennt auch sicherlich schon »High Fidelity« ebenfalls großartig als Buch und Film wie ich finde, aufgrund seines Alters aber gar nicht so präsent wie ich immer meine.

    Außerdem kann ich noch »An Education« empfehlen, ein Film zu dem Nick Hornby das Drehbuch schrieb (es gibt kein Buch dazu, meines Wissens) sowie das Buch »All you can read« als wahnwitzige Inspirationsquelle für den eigenen Wunschzettel.

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