Lesung: Cody McFadyen in Düsseldorf

Lesung: Cody McFadyen in Düsseldorf

Wie bereits kurz vorgestellt, war Cody McFadyen am 18.03.2010 in Düsseldorf zu Gast um sein neues Buch „Ausgelöscht“ (original: „Abandoned“) vorzustellen:

Um 20.15 Uhr sollte es so weit sein und ich muss gestehen, dass ich im Vorfeld zu meiner ersten Lesung doch sehr nervös war. Wie würde es werden? Ist das überhaupt interessant? Habe ich hinterher die Chance meine Bücher signieren zu lassen?

Die Moderation wurde geführt von Angela Spizig (der Grünen Bürgermeisterin aus Köln), die auch immer wieder geduldig Cody übersetzte, damit jeder im Publikum den Amerikaner verstehen konnte.
Zuerst wurde uns Zuschauern Cody kurz vorgestellt: 1968 in Texas geboren, hat einige Weltreisen gemacht und als Webdesigner gearbeitet bevor es ihn dann zum Schreiben brachte.
Nichts, was man nicht auch bei Google gefunden hätte.
Wirklich interessant wurden dann aber die Fragen, die hinterher – oder auch zwischendurch – gestellt wurden und vom Publikum gestellt werden konnten!
Und ich muss zugeben: Cody McFadyen ist witzig! Ein sehr sympathischer Mann, dafür, dass er sehr brutale Bücher schreibt.

Ich versuche nun im Folgenden ungefähr im Wortlaut wiederzugeben, was für Fragen gestellt wurden:

F: Was sagen Frauen in deinem Freundeskreis zu deinen Büchern, wo dort doch immer den Fauen wirklich grausame Dinge geschehen?

Cody: Meine Frau hat meine Bücher zum Glück nicht gelesen, aber eine ihrer Tanten – und wie soll ich es sagen? Das Verhältnis zu einander wurde danach sehr kühl. Es war sogar so schlimm, dass ich mich mit ihr zu einem Gespräch zusammen setzten musste um ihr zu erklären, dass es ein Unterschied ist ob man solche Dinge aufschreibt und observiert, oder ob man wirklich daran denkt oder sie sogar tut.

F: Was für ein Kind warst du früher?

Cody: Ich war der Nerd. Wirklich. Da gab es ein paar Kinder, die haben mich immer herumgeschubst. Richtig fies war der Trick, bei dem sie dir die Unterhose hoch ziehen. Aber zum Glück war ich clever und so konnte ich das etwas gegen „Sicherheit“ eintauschen. Den Kindern zum Beispiel helfen eine gute Note zu schreiben oder ihre Hausaufgaben gut zu machen.

F: Im ersten Kapitel von „Ausgelöscht“ stößt man gleich auf ein Kind, das keine schöne Kindheit hat. Wie erinnerst du dich an deine Kindheit? Findest du auch, dass Eltern Götter sind? (-> Anspielung auf das 1. Kapitel)

Cody: Natürlich sind Eltern Götter. Es gibt strafende und liebende, allerdings waren meine niemals die Art von strafenden, wie im Buch. Eher die „wenn-du-unartig-bist-kommst-du-in-den-Keller“-Art. (Er lacht). Wir waren damals sehr arm und ich musste sogar eine Zeit lang auf Kartons schlafen weil ich kein Bett hatte. Die einzige Regel, die es aber dennoch immer bei uns gab, war: lesen! Wir mussten die Bücher zwar aus der Bücherei holen weil wir kein Geld hatten um sie uns zu kaufen, aber wir haben immer gelesen. Und das war toll, gerade weil meine Mutter eine sehr fantasievolle Person ist. Meine Kindhei habe ich eigentlich sehr schön in Erinnerung.

F: Wie kommt es dann zu deiner Faszination von Serienmördern und Soziopathen?

Cody: Als ich 6 Jahre alt war, war ich mit einem Jungen namens Jodi befreundet. Einmal kam er zu mir und meinte: „willst du mal was sehen?“ – „Klar“ hab ich geantwortet und bin ihm gefolgt. Und dann habe ich mit angesehen, wie er 30 Minuten lang einen Frosch gequält und ihn anschließend angezündet hat. Die Freundschaft mit Jodi war an dem Tag natürlich vorbei. Und ich habe mich immer wieder gefragt wieso er das getan hat. Ich konnte ihn einfach nicht verstehen!
Das war also der erste Kontakt mit einer Person, die etwas tut, was man gar nicht nachvollziehen kann. Aber ich denke, dass wir alle irgendwo fasziniert von solchen Menschen sind. Wir wollen sie verstehen oder zumindest begreifen damit wir vor ihnen sicher sind.

F: Haben Sie für ihre Bücher dann jemals wirklich mit Häftlingen gesprochen?

Cody: Das hatte ich in Erwägung gezogen, mich dann aber dagegen entschieden. Diese Menschen haben ja eigentlich nur ein Ziel: sie wollen in dein Leben rein, sie wollen dich manipulieren. Und ich hatte natürlich auch Angst davor, dass so ein Mensch mir zu nahe kommt – diese Leute will man sicher nicht in sein Leben lassen. Ein Beispiel: Es gab mal einen Verrückten irgendwo in Kalifornien, dessen Ding war es bei Paaren abends einzubrechen, den Mann zu fesseln und die Frau vor seinen Augen brutal zu vergewaltigen. Es gab dann eine Stadtversammlung, in der besprochen werden sollte, was man zu seiner Sicherheit machen könne. Ein Mann dort im Publikum ist aufgestanden und hat gesagt, dass das doch Schwachsinn sei und er soetwas nie zulassen würde, dass ihm so etwas nie passieren könne.
Noch am selben Abend ist der Vergewaltiger bei ihm zu Hause eingebrochen…
Nun ja, er hat wohl die Herausforderung angenommen. Verstehen sie dehalb warum ich mit meinen Büchern lieber komplett fiktional bleibe? Warum ich den größt möglichen Abstand von solchen Leuten will?

F: Haben Sie auch jemals vor etwas anderes als Thriller zu schreiben?

Cody: haha… nein.

So viel zu den Fragen. Das klingt jetzt alles nur halb so spannend und auch lustig (zumindest teilweise), wie es eigentlich war… aber ich hoffe, das gibt einen kleinen Einblick. Als das Publikum Fragen stellen durfte, hat Cody uns sogar „gedroht“, dass er einem von uns bis nach Hause folgt wenn wir nicht genug Fragen stellen würden ;)

Die Lesung an sich war auch interessant! Die Bremer Tatort-Komissarin Sabine Postel hat dabei den deutschen Part übernommen und  das „romantische“ Kapitel am Anfang vorgelesen, in dem Smoky gerade Urlaub auf Hawaii verbringt. Das Kapitel, welches ich bereits im Interview erwähnt habe, hat allerdings Cody persönlich vorgelesen.

Tja was soll ich noch sagen? Ich war begeistert, begeistert, begeistert! Hinterher habe ich noch fast 25 Minuten angestanden um mir meine 2 Bücher signieren zu lassen. Jetzt steht in meinem „Todeskünstler“ und meinem „Ausgelöscht“ ein fröhliches: „Hi Sarah! Thank you for coming! Cody McFadyen“. Ich hab dann noch ganz verlegen ein „No, thank you! I enjoy reading your books!“ gebrabbelt und bin bestimmt etwas rot geworden.

Falls ihr also irgendwann mal die Gelegenheit haben solltet, geht auf jedenfall zu einer Lesung von Cody! Es hat wirklich Spaß gemacht und war das Geld wert. Heute Abend ist er noch in München, wenn ich das richtig mitbekommen habe und am Samstag dann in Leipzig auf der Buchmesse. Vielleicht trefft ihr ihn ja dort.

3 Comments
  • Ramona
    Posted at 15:57h, 22 März Antworten

    Das hört sich gut an.

    Toll, dass du die Fragen auch dazugeschrieben hast!

  • Sarah
    Posted at 16:57h, 22 März Antworten

    Die Fragen & Antworten waren auch eigentlich das Interessanteste ;) Die Lesung selber war zwar schön, aber hat einem ja nur den Mund wässrig gemacht auf das Buch (hat wohl auch geklappt, denn ich habs mir danch gekauft ^^). Mal etwas über den Autor zu erfahren, fand ich am Spannendsten!

  • Ramona
    Posted at 11:32h, 02 April Antworten

    Und so oft ist er ja auch nicht in Deutschland…

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